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Der 40 Jahre alte Wolfgang Stark ist seit 1999 FIFA-Schiedsrichter © getty

Nach drei Jahren "Dauercasting" durch die FIFA feiert der Bundesliga-Referee mit der Partie Argentinien - Nigeria WM-Premiere.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion/Pretoria - Wolfgang Stark, Jan-Hendrik Salver und Mike Pickel haben Durchhaltevermögen bewiesen.

"Es war eine lange Zeit der Vorbereitung. Jetzt sind wir überglücklich, hier zu sein", sagt Stark, der Kopf des deutschen Schiedsrichter-Teams, vor seiner ersten WM-Teilnahme.

Im Frühjahr 2007 hatte das "Casting" der FIFA mit 80 Unparteiischen und ihren Assistenten begonnen.

29 sind davon übrig geblieben.

Etappenrennen nach Südafrika

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Die U-20-WM 2007 in Kanada, die Olympischen Spiele 2008 in Peking und die U-17-WM 2009 in Nigeria haben Stark und seine Kollegen auf der Ochsentour nach Südafrika hinter sich gelassen.

Jede dieser Etappen haben sie durch hervorragende Beurteilungen gemeistert.

"Allein in Deutschland gibt es über 80.000 Schiedsrichter", erklärt Stark. "Wenn man dann zu den 29 auserwählten Teams weltweit gehört, ist das schon eine Ehre."

Partie mit Maradona

Dass die FIFA größtes Vertrauen in den 40 Jahre alten Bankkaufmann aus dem niederbayerischen Ergolding besitzt, bewies sie mit seiner Ansetzung für die Auftaktpartie von Diego Maradonas Argentiniern gegen Nigeria (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER)

"Argentinien ist eine sehr große und starke Mannschaft, Nigeria wird mitunter als Geheimfavorit gehandelt", weiß der frisch gekürte deutsche "Schiedsrichter des Jahres". (die WM-Kader im Überblick)

"Man kann sich darauf verlassen, dass wir uns auf die Partie sehr, sehr gewissenhaft vorbereiten werden."

Die meisten schon gepfiffen

Vielen unbekannten Gesichtern wird er dabei nicht begegnen:

"Es sind viele Spieler dabei, die in Europa ihr Geld verdienen. Die haben wir in den internationalen Spielen zumeist ja schon gepfiffen", so Stark.

Seit dem 3. Juni trainieren die Unparteiischen auf dem Gelände der mondänen Unterkunft Kievits Kroon vor den Toren Pretorias, die noch so neu ist, dass die Zufahrt ein gutes Stück über eine rote Schotterpiste führt.

Zwei Trainingseinheiten am Tag

"Wir haben täglich zwischen 9 und 12 Uhr zwei Einheiten", berichtet Stark. "Die eine besteht aus Lauftraining und Sprints. Die andere ist eine technische."

Heißt konkret: Die Unparteiischen spielen mit lokalen Jugendmannschaften "etwa Freistoß-, Eckstoß- oder Abseitssituationen durch. Die Jugendteams sind instruiert, etwas Bestimmtes zu machen, und wir müssen dann entsprechend reagieren."

Die Laufeinheiten vor Ort bereiten den deutschen Referees keinerlei Probleme, schließlich waren schon die Anforderungen für den Fitnesstest nicht ohne.

Bemerkenswerte Fitnessanforderungen

An dieser Hürde waren die Gespanne von Mohamed Benouza (Algerien) und Carlos Amarilla (Paraguay) gescheitert.

Bei 40-Meter-Sprints wird von den Assistenten eine Zeit unter 5,6 Sekunden verlangt, den Hauptschiedsrichtern werden zwei Zehntelsekunden mehr zugestanden.

Beim "High Intensity Test" gilt es über zwölf Stadionrunden 150-Meter-Läufe unter 30 Sekunden und Erholungsphasen über 50 Meter Gehen in 35 Sekunden hintereinander zu reihen.

"Können mit Drucksituation gut umgehen"

Auch die mentale Vorbereitung der Schiedsrichter auf das Großereignis ist in Kievits Kroon Thema.

"Aber gerade die europäischen Schiedsrichter sind es ja gewohnt, vor ausverkauften Häusern zu pfeifen", spielt Stark die Bedeutung des Hilfsangebots herunter. "Wir können mit dieser Drucksituation sehr gut umgehen."

Dass die Referees sich Stress aussetzen, will Salver gar nicht abstreiten.

Kein Gedanke an den schlimmsten Fall

"Du darfst ihn aber nicht an dich heranlassen", sagt der 41-Jährige, der 2006 schon als Assistent von Markus Merk an einer WM teilnahm. "Meine eigene Erwartungshaltung muss höher sein als sie von außen. Wenn ich meinem Anspruch gerecht werde, sind alle zufrieden."

Keinesfalls dürfe man sich mit Horrorszenarien verrückt machen: "Du darfst nicht daran denken, was passiert, wenn eine Milliarde Menschen zuschaut und du dann im Finale einen Fehler machst."

Das Endspiel ist für die deutschen Unparteiischen ohnehin noch weit weg.

Bewährungsprobe in Johannesburg

Denn ihre Leistung am Samstag in Johannesburg entscheidet, ob sie bei dieser WM überhaupt ein zweites Mal eingesetzt werden.

"Argentinien gegen Nigeria ist ein sehr, sehr tolles Spiel. Darauf freuen wir drei uns", sagt Stark. "Und dann warten wir ab, was anschließend noch alles passiert."

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