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Da kommt Freude auf: Diese drei südafrikanischen WM-Fans feiern © getty

Das Fußball-Fieber hat eine Nation und seine Gäste fest im Griff: Selbst kürzlich noch WM-frustrierte Iren jubeln mit.

Aus Durban berichtetThorsten Mesch

Durban/Kapstadt/Johannesburg ? "Ke Nako" und "It's Time for Ayoba" ? so lauten die wichtigsten Slogans der WM in Südafrika.

Übersetzt heißen beide zusammen ungefähr so viel wie: "Es ist Zeit ? habt Spaß." Und genau das haben die Menschen in Südafrika während der ersten WM auf dem Schwarzen Kontinent.

Ob in Johannesburgs wohlhabendem Wirtschaftszentrum Sandton, im Township Soweto, auf Kapstadts berühmter Long Street oder Durbans Suncoast gleich in der Nähe des Stadions ? überall feiern die Menschen.

Größtes Event seit 1995

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Das wohl größte Ereignis im Land am Kap seit der Freilassung Nelson Mandelas im Jahr 1990 und des Rugby World Cups im Jahr 1995 vereint Menschen aller Hautfarben, Sprachen und Bevölkerungsschichten.

"Ich wusste gar nicht, dass sich so viele weiße Leute bei uns für Fußball interessieren", sagt die dunkelhäutige Hotel-Angestellte Juliet aus Durban. (der WM-Spielplan)

Fußball eher Sport der Schwarzen

Fußball galt bisher eher als Sport der Schwarzen, Rugby als Sport der Weißen. Südafrikas Springboks sind im Rugby bereits Weltmeister, nun träumt das Land vom großen Triumph im Fußball.

Das 1:1 der Bafana Bafana im Auftaktspiel gegen Mexiko hat zumindest gezeigt, dass Südafrikas Nationalmannschaft auf internationaler Ebene nicht chancenlos ist.

"Die Spieler haben sich großen Respekt verdient", schrieb die Zeitung "The Star".

Riesenjubel dank Tshabalala

"Sie haben gezeigt, dass wir keine unrealistischen Träumer sind. Sie haben den Mut und die Energie, die Träume wahr zu machen."

Als Siphiwe Tshabalala in der 55. Minute das 1:0 für Südafrika, das erste Tor der 19. WM erzielte, brach nicht nur in Johannesburgs Soccer-City-Stadion riesiger Jubel aus.

In Kapstadt führten Tausende auf dem Fan-Fest am Green Market Square minutenlang Freudentänze auf.

Verkehr bricht zusammen

Auch wenn sie den Treffer selbst gar nicht sehen konnten, weil niemand mehr in das überfüllte Areal gelassen wurde. Auf der berühmten Long Street kamen die Autos nicht einmal mehr im Schritttempo voran.

Fans aus aller Welt hatten auch schon am Vorabend des WM-Auftakts den Verkehr zum Erliegen gebracht.

"Ich bin froh, das hier alles erleben zu dürfen, und ich bin richtig stolz, Südafrikaner zu sein", sagt der indisch-englisch-stämmige Taxifahrer Derick aus Kapstadt mit zitternder Stimme.

"Momente des Triumphes für Südafrika"

"Das ist einfach wunderbar. Die WM vereint die Menschen in unserem Land", freut sich auch Juliet aus Durban: "Und ich finde es toll, dass so viele Leute aus anderen Ländern bei uns sind. Die ganze Welt hat jetzt bestimmt einen viel besseren Eindruck von Südafrika."

Probleme bei der Fertigstellung von Straßen, Bahnverbindungen oder Hotels sind nicht mehr das Thema, die WM-Euphorie hat das Land fest im Griff.

"Das sind Momente des Triumphes für Südafrika und den ganzen Kontinent", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nach dem Eröffnungsspiel in Johannesburg.

250.000 Fans feiern

250.000 Menschen feierten währenddessen auf den offiziellen FIFA-Fanfesten in den neun Spiel-Städten die Party ihres Lebens.

Die Atmosphäre auf der Fan-Meile auf Kapstadts Main Road am Green Point Stadium war ausgelassen.

Opernsänger gaben "You'll never walk alone" zum Besten, und auch das mäßige Spiel zwischen Frankreich und Uruguay konnte den Anhängern die Stimmung nicht verderben.

Auch viele Iren dabei

Unter die Tausenden Fans und Touristen aus aller Welt mischten sich dort sogar zahlreiche Iren.

Viele von ihnen trugen "Where's-Irland?"-Shirts und erinnerten an die umstrittene Qualifikation der Franzosen, die die Iren nur mit Hilfe eines Handspiels von Thierry Henry in der Verlängerung des Playoff-Rückspiels ausgeschaltet hatten.

In Durban fieberten die Fans dem Startschuss mit dem Spiel Deutschland gegen Australien entgegen.

Vuvuzela-Tröten schon am Morgen

Am Strand gleich neben dem Stadion genossen Tausende am Sonntag den Sonnenschein und den Blick auf den Indischen Ozean. Schon am frühen Morgen hallte das Tröten der Vuvuzelas durch Südafrikas zweitgrößte Stadt.

"Die Stimmung im Land ist hervorragend", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Vorabend des Spiels. "Und wir werden auch sportlich eine hoch interessante WM erleben."

Die Mannschaften seien sehr ausgeglichen, erklärte Löw, was auch das Spiel zwischen England und den USA am Samstagabend bestätigte.

Traum vom Wintermärchen

"Alle sind sogar noch einen Schritt weiter als 2006", meinte der Bundestrainer.

Südafrika ist auf jeden Fall schon mittendrin, den Traum vom Wintermärchen wahr werden zu lassen

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