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Die Vuvuzela ist ein Symbol des südafrikanischen Fußballs © getty

Nach dem Proteststurm erwägt OK-Chef Danny Jordaan ein Verbot. Auch Weltfußballer Lionel Messi äußert sich sehr negativ.

Johannesburg - Der nervtötenden WM-Tröte droht das Aus: Nach dem Proteststurm gegen den Höllenlärm in den WM-Stadien wird ein Verbot der Vuvuzela immer konkreter.

"Wenn es dafür Gründe gibt, ja", sagte Danny Jordaan, Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees, der "BBC": "Wenn irgendwelche Vuvuzelas aus Wut auf den Platz geworfen werden, werden wir handeln." (EINWURF: Einfach nur nervtrötend)

Für Fans, Trainer, Spieler und TV-Sender wäre es eine wahre Erlösung, denn die quälend brummende "Teufelstrompete" (spanische Tageszeitung El Pais) sorgt für einen Riesenkrach.

Weltfußballer Lionel Messi fühlte sich fast "wie taub", Bundestrainer Joachim Löw stellt auf Zeichensprache um, Dänemarks Coach Morten Olsen schaltet sein Hörgerät aus. Ohrstöpsel sind in Südafrika ausverkauft (Der WM-Tabellenrechner).

200.000 Lärmopfer haben in Deutschland bereits die Online-Petition unterschrieben. "Das sind Elefantenfürze, wie ein Hornissen-Nest - sofort verbieten", sagte Initiator Bastian Frölig am Sonntag: "Das hat mit Fankultur nichts zu tun. Sepp Blatter ist beratungsresistent."

Die TV-Sender suchen nach einer Lösung, damit die Zuschauer nicht abschalten.

Lippenmikrofone im Einsatz

"Diesen Dauerton kriegen wir nicht weg. Solange Vuvuzelas in allen Stadien sind, lässt sich das nicht verhindern", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: "Wir setzen jetzt die sogenannten Lippenmikrofone ein, die weniger von den Außengeräuschen einfangen. Sonst sind uns aber die Hände gebunden, denn wir bekommen ein fertiges Signal. Der einzige Punkt ist, die Tröte zu verbieten."

Dies wünschen sich viele Fans, Trainer und Spieler sehnlich. Verzweifelt schreiendes Baby, wild gewordener Elefant, dröhnender Staubsauger: Jeder versucht, den Heidenlärm der Vuvuzela in Worte zu fassen.

"El Observador" aus Uruguay berichtete von einer "Tortur für die Ohren. Die Vuvuzela beweist mal wieder die unbegrenzte Fähigkeit des Menschen, sich selbst das Leben zur Hölle zu machen."

Kommunikation zwischen Trainern und Spielern oder gar mit dem Sitznachbarn im Stadion ist ein Ding der Unmöglichkeit.

"Wir haben schon im Training gemerkt, dass nur eine Vuvuzela Höllenlärm macht. Die Spieler müssen das erleben. Ich brauche von der Seitenlinie im Spiel gar nicht hereinzurufen, da hört mich keiner. Ich werde mit Zeichensprache arbeiten", sagte Löw.

Gepflogenheiten anpassen

DFB-Präsident Theo Zwanziger dagegen empfindet die Tröte, die mit 120 Dezibel lauter ist als eine Kettensäge, "nicht als schlimm oder gar störend".

Man müsse sich den afrikanischen Gepflogenheiten anpassen - "hier gehören die Vuvuzuelas zum Spiel wie in Deutschland die Schlachtgesänge der Fans. Wenn man sich positiv auf diese etwas ungewohnten Geräusche einlässt, kann das sogar ein Spaß sein."

Ohrstöpsel als Verkaufsschlager

Das wird vielerorts anders empfunden. Fangesänge werden vom brummenden Einheitsbrei verschluckt, Ohrstöpsel haben sich bei der WM zum Verkaufsschlager entwickelt.

"Mein Vorrat ist aufgebraucht. Ich könnte 300 Paar pro Tag verkaufen", sagte ein Ladenbesitzer aus Kapstadt: "1000 Stück habe ich schon nachbestellt."

Die Stöpsel mit dem Namen "Vuvu-Stop" versprechen eine Drittelung des Pegels auf 90 Dezibel. "Hilft auch gegen die Meckerei der Ehefrau", steht auf der Verpackung.

Er selbst, sagte OK-Chef Jordaan, sei kein Fan der bunten Plastik-Trompeten.

"Sprechchöre wären mir lieber. Sie haben immer für eine wunderbare Atmosphäre gesorgt. Ich würde am liebsten alle Fans auffordern, zu singen. Das haben wir auch getan, als es darum ging, gegen die Apartheid zu kämpfen. In unserer Geschichte war es stets die Fähigkeit zu singen, die Inspiration für uns war."

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