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Franz Beckenbauer (r., mit Capello) kritisiert Englands erstes WM-Spiel harsch © getty

Beckenbauer geht mit Capellos Team hart ins Gericht - und erntet Gegenwind. Carragher sieht einen "unfairen deutschen Vorteil".

Von Christian Paschwitz

München - Auf dem Platz können Deutschland und England bei der WM erst am 26. oder 27. Juni in Bloemfontein oder Rustenburg aufeinander treffen.

Doch schon vor dem denkbaren WM-Achtelfinale zwischen dem DFB-Team und dem Fußball-Mutterland fliegen die Giftpfeile hin und her.

Für Zündstoff auf der Insel sorgt vor allem Franz Beckenbauer:

Der Weltmeister von 1974 und 1990 übt harsche Kritik an der Spielweise Engländer bei deren 1:1-Auftaktspiel gegen die USA mit dem Riesenfehler von Keeper Robert Green 248623(DIASHOW: Englands Flutschfinger)

"Rückfall in alte, schlechte Zeiten"

"Was ich in dieser Begegnung gesehen habe, hatte nicht viel mit Fußball zu tun. Es war ein Rückfall in die alten, schlechten Zeit des Kick and Rush", motzt der "Kaiser".

In der südafrikanischen Zeitung "Times" ätzt Beckenbauer weiter: "Ich weiß nicht, ob Trainer Fabio Capello so viel ändern kann."

Die Reaktion von der Insel ließ nicht lange auf sich warten - und fiel heftig aus. (die WM-Kader im Überblick).

"Kaiser tritt uns in die Fresse"

"Der Kaiser tritt uns in die Fresse", schimpft die "Sun" und spricht von einer "arroganten Einschätzung". (der WM-Spielplan)

Das Boulevard-Blatt vermutet gar Taktik hinter Beckenbauers Worten und wettert: "Er ist ganz deutlich kein England-Fan und hofft, dass seine üble Attacke den Spielern in einem geplanten Psychospielchen unter die Haut gehen wird."

Indes: Auf der Homepage der "Sun" gaben zahlreiche User Kommentare ab, die Beckenbauers Kritik zustimmten.

Zustimmung hinsichtlich Legionärskritik

Auch die gemäßigten Medien sind sich weitgehend einig, dass Beckenbauers Urteil zumindest einen wahren Kern enthält.

"Die Engländer werden dafür bestraft, dass es nur sehr wenige englische Spieler in der Premier League gibt, weil die Klubs sich besserer Spieler aus aller Welt bedienen", hatte der 63-Jährige erklärt.

"Da wird ihm Englands Trainer wohl recht geben", befindet die Londoner "Times" dazu in Anspielung darauf, dass auch Capello unlängst die geringe Anzahl englischer Spieler in der Premier League beklagt hatte.

Carragher sieht "unfairen" Ball-Vorteil

Doch die von Beckenbauer so hart kritisierte englische Mannschaft attackiert die Deutschen auf einem anderen Feld.

Nationalspieler Jamie Carragher wirft dem DFB-Team durch den WM-Ball "Jabulani" einen "unfairen Vorteil" gegenüber allen 31 Konkurrenten vor.

"Die Deutschen spielen seit Februar mit dem Ball", meint der Abwehrspieler des FC Liverpool, der den DFB-Kickern damit unterstellt, viel mehr Zeit gehabt zu haben, sich an das Spielgerät zu gewöhnen.

"Der Ball ist vollkommen anders als andere. Das ist für alle Mannschaften dasselbe - außer vielleicht für Deutschland." (GAMES: das WM-Tippspiel)

"Jabulani"-Debüt in der Bundesliga im Dezember

Tatsächlich fand das Premierenspiel mit "Jabulani" in der Bundesliga bereits am 4. Dezember beim Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach statt.

Carraghers Kritik lautet: Der Ball ist schwer zu berechnen, auffällig viele Flanken fliegen zu weit, und deshalb fallen auch im bisherigen Turnierverlauf so wenig Tore.

Ausnahme sei die DFB-Auswahl mit ihrem 4:0-Kantersieg gegen Australien.

"Wenn man einen Ball für die WM entwickelt, steckt - denke ich - die Absicht dahinter, dass mehr Tore fallen", so der Defensivmann.

Deutschlands Stürmer Thomas Müller kann Carraghers Einwand allerdings nicht nachvollziehen:

"Dass man das Fass nun aufmacht, ist der Hilferuf von den Mannschaften, die bisher keinen Erfolg hatten."

Barry mit viel Respekt

Weniger den Ball als Grund für den starken ersten deutschen Auftritt führt auch Gareth Barry an:

"Wir waren wirklich beeindruckt von ihnen", sagte Englands Mittelfeldspieler der "BBC". "Es geht immer so: Im Vorfeld werden die Deutschen abgeschrieben, und dann fangen sie an, ihre Spiele zu gewinnen."

Weil der Respekt vor dem DFB-Team offenbar noch größer geworden ist, schwört Barry seine Kollegen mehr denn je auf den Gruppensieg ein, wodurch man Deutschland im Achtelfinale aus dem Weg gehen könnte.

Gegen Algerien zum Siegen verdammt

Vorausgesetzt, auch die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw würde Gruppen-Erster.

Im nächsten Match gegen Algerien (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) ist England demnach schon zum Siegen verdammt.

Während Barry dann nach auskurierter Knöchelverletzung zu seinem ersten WM-Auftritt kommen sollte, hofft bei den "Three Lions" zudem Joe Cole auf seinen ersten Turnier-Einsatz von Beginn an.

Der Routinier vom FC Chelsea soll die ungemein defensiv eingestellten Nordafrikaner "knacken".

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