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Chiles Arturo Vidal (2.v.r.) klärt per Kopfball einen Angriff von Honduras © getty

Ein kurioser Abpraller-Treffer des Flügelflitzers beschert den verdienten Sieg gegen Honduras. Die Chancenverwertung ist aber schlecht.

Nelspruit - Chile hat auf den Tag genau 48 Jahre nach dem letzten Sieg bei einer WM wieder einen Erfolg gefeiert, den Status als Geheimfavorit in Südafrika aber nicht nachhaltig untermauert.

Der Gastgeber und Halbfinalist von 1962 bezwang in Nelspruit Honduras dank eines Treffers von Jean Beausejour (34.) mit 1:0 (1:0), beendete seine Serie von 13 WM-Spielen ohne Sieg und setzte sich zunächst an die Spitze der Vorrundengruppe H.

Honduras dagegen wartet auch nach dem vierten WM-Spiel seiner Geschichte weiter auf drei Punkte.

"Müssen noch ein weiteres Spiel gewinnen"

Beausejour sicherte "La Roja" mit seinem Tor den ersten Erfolg seit dem 16. Juni 1962. Damals hatten die Südamerikaner bei der WM im Spiel um Platz drei mit 1:0 gegen Jugoslawien gewonnen.

Honduras verlor bei der zweiten WM-Teilnahme nach zwei Unentschieden und einer 0:1-Pleite 1982 zum zweiten Mal.

"Wir sind sehr zufrieden und danken unseren Fans, die uns so toll unterstützt haben. Jetzt sollten sie den Sieg genießen, aber wir müssen auch noch ein weiteres Spiel gewinnen", sagte der Chilene Alexis Sanchez.

Honduras' Mittelfeldspieler Sergio Mendoza dagegen war enttäuscht: "Uns haben einfach die Verletzten gefehlt, das Tor war eine harte Strafe für uns. Doch wir haben noch zwei Spiele - da ist noch alles möglich."

Suazo noch nicht fit

Vor 32.664 Zuschauern beim ersten WM-Spiel im Mbombela-Stadion spielte Chile von Beginn an überlegen. Allerdings war dem Spiel von La Roja trotz offensiver Ausrichtung mit Regisseur Matias Fernandez und drei Angreifern anzumerken, dass in Humberto Suazo der Top-Stürmer fehlte.

Der mit zehn Treffern beste Schütze der südamerikanischen WM-Qualifikation hatte seinen Muskelfaserriss zwar auskuriert, war aber noch nicht bereit für einen Einsatz von Beginn an.(Der WM-Spielplan)

Honduras sehr defensiv

Honduras musste auf seinen besten Schützen Carlo Costly wegen einer Verletzung sogar ganz verzichten. Und auch David Suazo stand aufgrund muskulärer Probleme zunächst nicht zur Verfügung.

Das Team von Trainer Reynaldo Rueda, der zudem nach einer Sperre nur auf der Tribüne saß, beschränkte sich deshalb weitgehend auf Defensive.

Dieser Plan schien zunächst aufzugehen, tat sich Chile doch schwer und war lange nur aus der Distanz gefährlich. Fernandez trat einen Freistoß aus 25 Metern aufs Tornetz (3.), und der Leverkusener Arturo Vidal brachte Honduras' Torhüter Noel Valladares mit einem Flatterball aus 35 Metern in Verlegenheit - den Ball aber nicht im Tor unter.

Jorge Valdivia blieb mit seinem Versuch hängen (21.).(GAMES: Das WM-Tippspiel)

Kein Elfmeter für Honduras

Erst mit leichter gegnerischer Hilfe brach Chile den Bann. Ein Pass von Fernandez auf Mauricio Isla riss ein Loch in die Abwehr der Honduraner: Isla flankte von rechts - und am Strafraum schoss Verteidiger Sergio Mendoza den Ball an den Fuß von Beausejour. Von da flog der Ball ins Netz.

"Wir hätten mehr Tore schießen müssen - ich hoffe, dass sich das nicht noch rächt. Wenn wir nicht ins Achtelfinale kommen, wird dieser Sieg nicht als Erfolg in Erinnerung bleiben", analysierte Chiles Trainer Marcelo Bielsa selbstkritisch.

Kurz vor der Pause hätte ein weiterer Schnitzer Chile fast zum 2:0 verholfen, Schiedsrichter Eddy Allen Maillet (Seychellen) aber übersah beim Schuss von Sanchez ein Handspiel von Maynor Figueroa.

"Es war kein besonders gutes Spiel von uns"

Aber auch Honduras hatte Pech: Beim ersten gelungenen Angriff der Mittelamerikaner hatte Edgard Alvarez den Ball an Gary Medel schon vorbeigespielt, als der ihn foulte - nur Maillet pfiff nicht (47.).

Assistenz-Trainer Alexis Mendoza kritisierte sein Team trotzdem: "Es war kein besonders gutes Spiel von uns. Wir wollten unser Spiel machen und Chile früh stören. Das ist uns nicht gelungen", sagte er.

Ponce scheitert aus kurzer Distanz

Bei einer Internetumfrage des Weltverbandes FIFA hatte fast ein Drittel der User Chile als potenzielles Überraschungsteam genannt - und das Team in Rot deutete in der Folge immer wieder an, warum.

Mit schnellen Vorstößen setzten Vidal und Co. immer wieder Akzente.

Sanchez hätte nach feinem Zuspiel von Fernandez die Vorentscheidung besorgen können - doch er zielte knapp vorbei (62.).

Die vorerst größte Möglichkeit zum 2:0 ermöglichte aber Vidal selbst. Nach einem Freistoß legte er im Strafraum per Kopf perfekt für Waldo Ponce auf - doch der Abwehrspieler scheiterte ebenfalls per Kopf aus drei Metern (!) an Torwart Noel Valladares (64.). (Die WM-Kader im Überblick)

Chile muss Chancen besser verwerten

"Wir wollen ins Halbfinale und Geschichte schreiben", hatte Vidal schon vor dem Spiel gesagt - mit dieser Chancenverwertung wird's schwer.

Es reichte aber immerhin, um Honduras im Griff zu halten.

Die Underdogs hatten aber auch zu große Probleme in der Offensive. Das änderte sich auch nicht, nachdem Georgie Welcome den enttäuschenden Carlos Pavon im Angriff abgelöst hatte.

Mittelfeldspieler Wilson Palacios, der nach einem Muskelfaserriss rechtzeitig fit geworden war, deutete sein Potenzial wenigstens an.

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