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Die Entscheidung: Gelson Fernandes (M.) drischt den Ball ins leere spanische Tor © getty

Die erste große WM-Überraschung ist perfekt! Der Europameister unterliegt im Auftaktspiel Ottmar Hitzfelds Schweizern.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Ottmar Hitzfeld hat seine Ankündigung wahrgemacht und für die erste große Überraschung bei der WM gesorgt.

Mit seiner Schweizer Nationalmannschaft um einen bärenstarken Torwart Diego Benaglio fügte der ehemalige Dortmunder und Münchner Coach Spanien eine überraschende Niederlage zu.

In Durban gewannen die Eidgenossen vor 62.453 Zuschauern im wie schon beim Spiel Deutschland gegen Australien nicht ausverkauften Moses Mabhida Stadium durch ein Tor von Gelson Fernandes (52.) 1:0 (0:0) gegen den Europameister von 2008.

"Wir haben sehr intelligent gespielt"

Taktik-Fuchs Hitzfeld war nach dem ersten Sieg der Schweiz gegen Spanien überhaupt begeistert. "Irgendwann ist immer das erste Mal. Wir sind sehr stolz, dass wir das geschafft haben", sagte er und erläuterte sein Erfolgsrezept:

"Man kann gegen Spanien nicht so viel angreifen, sonst wird man ausgekontert. Wir haben sehr intelligent gespielt und ich bin sehr stolz auf die Leistung meiner Mannschaft."

Hitzfeld versuchte aber auch gleich, aufkeimende Euphorie nach dem Coup gegen den WM-Topfavoriten zu bremsen. "Wir haben einen Schritt Richtung Achtelfinale gemacht, aber es müssen noch zwei weitere Folgen. Gegen Chile wird es schwerer als gegen Spanien, denn jetzt wird viel mehr von uns erwartet", sagte er.

Immer wieder Benaglio

Der Erfolg beweist Hitzfelds Weitsicht, schließlich hatte er zuvor noch im SPORT1-Interview angekündigt: "Es ist unser Ziel, bei der WM zum Favoritenschreck zu werden. Spanien steht als Favorit unter Druck. Von daher haben wir schon Hoffnungen, dass wir etwas erreichen können."

Er behielt Recht, auch wenn die Spanier den besseren Start in die Partie erwischten. Erst entschärfte Diego Benaglio einen Schuss von David Silva, dann schoss Rechtsverteidiger Sergio Ramos am Schweizer Tor vorbei.

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In der 24. Minute musste Benaglio aber sein ganzes Können aufbieten, um das 0:1 zu verhindern. Nach einem Pass von Iniesta war Pique im Strafraum frei, spielte Stephane Grichting aus und kam frei zum Schuss. Doch Benaglio verkürzte den Winkel und wehrte ab.

Iniesta dabei, Torres auf der Bank

"Es war nicht unser Tag. Uns hat auf den letzten Metern die Präzision gefehlt, obwohl wir dominiert haben", stellte Spaniens Trainer Vicente del Bosque fest. Vor dem Spiel hatten er und Hitzfeld, die sich aus vielen Duellen auf Vereinsebene kennen, aber beide ihr WM-Debüt als Trainer feierten, sich freundschaftlich begrüßt.

In Del Bosques Startelf stand auch Mittelfeldspieler Andres Iniesta, dessen Einsatz wegen muskulärer Probleme fraglich gewesen war. Stürmerstar Fernando Torres saß nur auf der Bank.

Hitzfeld schickte eine Anfangsformation mit den Bundesligaprofis Benaglio (Wolfsburg), Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok (beide Leverkusen) aufs Feld.(Der WM-Spielplan)

Senderos muss raus

Der erste gefährliche Schuss der Schweizer ließ bis zur 27. Minute auf sich warten. Einen hart getreten Freistoß von Reto Ziegler konnte Iker Casillas erst im Nachfassen festhalten.

In der 36. Minute war Hitzfeld zum Wechseln gezwungen. Der angeschlagene Abwehrchef Philippe Senderos musste mit einer Sprunggelenksverletzung raus, Steve von Bergen von Hertha BSC kam ins Spiel.

Das gefürchtete Kurzpassspiel der Spanier geriet etwas ins Stocken, dennoch hatten sie kurz vor dem Seitenwechsel die nächste Chance.

Villa lief auf der linken Seite in den Strafraum, ließ von Bergen ins Leere rutschen und lupfte den Ball in die Mitte, doch Silva erreichte den Ball nicht.

Fernandes trifft aus kurzer Distanz

Nach der Pause drängte der Europameister auf die Führung, doch die Schweizer verteidigten ihr Tor mit allen Mitteln. Zunächst köpfte Grichting einen Schlenzer von Xabi Alonso zur Ecke, dann rettete Benaglio vor Sergio Ramos.

Der Treffer für Spanien lag in der Luft, doch das Tor fiel auf der anderen Seite.

Nach einem weiten Abschlag von Benaglio lief Derdiyok in den Strafraum, Casillas kam aus dem Tor, der Ball landete bei Gelson Fernandes, und der Mittelfeldspieler von AS St. Etienne schoss den Ball in der 52. Minute aus kurzer Distanz ins Tor.

Alosnso scheitert an der Latte

Spanien drängte auf dem schnellen Ausgleich, aber Villas Schuss aus 16 Metern war nicht genau genug (57.), Ramos' Kopfball (60.) flog über das Tor.

Del Bosque reagierte, brachte Torres und Jesus Navas für Silva und Busquets, die Chance zum 1:1 vergab aber Iniesta (63.), der den Ball aus 17 Metern haarscharf neben das Tor setzte.

Die Schweizer blieben mit schnellen Gegenstößen gefährlich. In der 69. Köpfte N?Kufo nach Derdiyoks Flanke nur knapp am Tor vorbei.

Das Glück des Tüchtigen hatten die Schweizer und Benaglio in der 70. Minute, als Xabi Alonso mit einem Gewaltschuss aus 19 Metern die Latte traf.

Derdiyok trifft den Pfosten

Fast im Gegenzug hatten die Schweizer die große Chance zur Vorentscheidung: Derdiyok ließ Pique und Puyol aussteigen und schoss mit dem Außenrist am heraus stürmenden Casillas vorbei, traf aber nur den Pfosten.(GAMES: Das WM-Tippspiel)

Del Bosque wechselte Pedro für den angeschlagenen Iniesta ein, die Spanier drängten weiter und hatten die nächste Chance durch den quirligen Navas, der das Tor nur knapp verfehlte.

Spanien schnürte die Schweizer in der Abwehr ein, aber die Schweizer brachten das 1:0 über die Zeit und machten die Sensation perfekt.

Del Bosque versuchte, Panikmache vorzubeugen. "Wir haben die WM noch nicht aufgegeben. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die nächsten beiden Spiele zu gewinnen und damit noch in die nächste Runde einzuziehen", erklärte der spanische Coach.

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