vergrößernverkleinern
Die Schweizer "Nati" erreichte 2006 in Deutschland das Achtelfinale © getty

Die Eidgenossen huldigen nach dem Auftakt-Coup Coach Hitzfeld. Del Bosque empfindet den Schweizer Erfolg als unverdient.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Der Ohren betäubende Lärm der Vuvuzelas war verstummt.

Im Inneren des Moses-Mabhida-Stadions hörte man nur noch das Läuten der Kuhglocken.

Die Schweizer Fans feierten am Mittwochabend den historischen Sieg über Spanien, das Team, das Hitzfeld vorher bei SPORT1 noch ehrfürchtig als "Jahrhundert-Mannschaft" bezeichnet hatte.

Für den Triumph ließen die Eidgenossen ihn hochleben.

"Sankt Ottmar. Schenkt ihm den Schweizer Pass", schrieb die Boulevardzeitung "Blick" nach dem 1:0 (0:0) über den Europameister von 2008 (250362die Bilder).

Besser als Weihnachten

"Hitzfeld verblüfft die Fußballwelt", titelte etwas unaufgeregter die "Neue Zürcher Zeitung", und der deutsche Trainer war sich des Ausmaßes des Erfolgs durchaus bewusst.

"Ich weiß sehr wohl, dass wir Geschichte geschrieben haben", sagte der ehemalige Dortmunder und Münchner Erfolgscoach: "Es war das erste Mal, dass uns ein Sieg gegen Spanien gelungen ist. Ich habe immer gesagt, dass es ein erstes Mal geben wird."

"Dieser Tag ist besser als Weihnachten", beschrieb die "Blick" die Gefühle der Eidgenossen. "Einfach nur Geilson", titelte das Blatt über Matchwinner Gelson Fernandes, der in der 52. Minute den Siegtreffer gegen den Mitfavoriten erzielt hatte.

"Das dürfen wir genießen"

"Es war ein großer Sieg gegen eine große Mannschaft. Das ist nicht selbstverständlich für die Schweiz", meinte Tranquillo Barnetta im Gespräch mit SPORT1: "Das dürfen wir genießen und müssen wir mitnehmen für die nächsten Spiele."

Sein Leverkusener Vereinskollege Eren Derdiyok ergänzte: "Wir sind stolz und überglücklich."

Derdiyok, der die Vorarbeit zum Siegtreffer geleistet hatte, vergab in der 71. Minute die Chance zum 2:0, als er aus acht Metern nur den Pfosten traf. "Ich hätte gerne ein Tor erzielt, aber ich hätte mir mehr vorgeworfen, wenn das Spiel 0:0 ausgegangen wäre", erklärte er SPORT1.

[image id="6e310a9a-65bd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Benaglio überragend und cool

Den Sieg hatten die Schweizer auch einem starken Diego Benaglio zu verdanken.

"Alles, was wir nicht auffangen konnten, hat Diego gehalten", lobte Barnetta den Torwart vom VfL Wolfsburg.

Benaglio ließ sich nicht von Spaniens Starensemble beeindrucken und meinte gelassen: "Ich war nicht sehr nervös, habe mich auf das Spiel gefreut. Es ist mir gut gelungen."

Nach dem Sieg gegen den Europameister könnten sich Schweizer mit einem weiteren Erfolg im nächsten Gruppenspiel gegen Chile vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale sichern (Der WM-Spielplan).

"Wir haben jetzt eine super Ausgangslage. Das müssen wir ausnutzen", meinte Derdiyok.

Hitzfeld versuchte die Euphorie etwas zu bremsen und warnte: "Wir haben noch nichts erreicht und werden uns steigern müssen, wenn wir gegen Chile gewinnen wollen." (Fredi Bobic tippt den zweiten Spieltag)

Spanien zum Siegen verdammt

Zum Siegen verdammt sind nach der unerwarteten Auftaktpleite die Spanier.

"Wir haben noch zwei Spiele und müssen beide gewinnen", fasste Andres Iniesta die Situation zusammen.

"Wir haben auf jeden Fall noch alle Optionen und ich bin sicher, dass wir noch etwas ganz Großes bei dieser WM erreichen werden", kündigte Sergio Ramos an.

"Wir werden das Positive aus dieser Niederlage ziehen. Niemand soll an unseren Fähigkeiten zweifeln", betonte der Rechtsverteidiger von Real Madrid.

"Ungefähr einmal aufs Tor geschossen"

"Wir haben eine sportliche Niederlage hinnehmen müssen - mehr aber auch nicht", sagte Mittelfeld-Stratege Xavi:

"Die Schweizer haben nur ungefähr einmal aufs Tor geschossen und haben gewonnen", erklärte Xavi, ergänzte aber: "Sie haben defensiv sehr gut gearbeitet, das muss man anerkennen."

"Ein zu großer Lohn"

"Spanien wird wieder aufstehen", kündigte trotzig auch Torwart Iker Casillas an - im Gespräch mit Freundin Sara Carbonero, die in ihrem Job als TV-Journalistin seine Enttäuschung gleich einfangen musste, statt ihn darüber hinwegzutrösten.

Trainer Vicente del Bosque fand, dass die Schweizer "einen zu großen Lohn für ihren Fußball" erhalten hätten. Er betonte aber auch: "Wir können nicht den Kopf hängen lassen und denken: was haben wir für ein Pech gehabt."

Er brenne nun darauf, gegen Honduras den ersten Sieg einzufahren und kündigte an: "Wir wollen es nun wissen!"

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel