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Ein Kaltluft-Vorstoß, Trog genannt, macht die WM in Südafrika eiskalt © imago

Winter-WM: In Südafrika jagt ein Kälte-Rekord den nächsten. Manche Spieler leiden bitter, manchem ist der Frost völlig egal.

Port Elizabeth - Einen Rekord hat die WM in Südafrika knapp eine Woche nach ihrem Beginn bereits sicher:

Sie dürfte als die kälteste aller Zeiten in die Geschichte eingehen. (Der WM-Spielplan)

Der vorläufige Minus-Rekord wurde mit einer Temperatur von minus einem Grad am Dienstag bei der Partie in Johannesburg zwischen Brasilien und Nordkorea erreicht.

Nachts sanken die Temperaturen sogar weit unter den Gefrierpunkt - im DFB-Quartier nahe Pretoria waren es minus vier Grad.

Jüngstes Opfer war Deutschlands Gruppengegner Ghana.

Die Übungseinheit der Afrikaner musste um zwei Stunden verschoben werden, da der Platz in ihrem WM-Quartier nördlich von Rustenburg noch gefroren war.

Die Temperaturen in Rustenburg waren in den vergangenen Tagen dramatisch gefallen und erreichten in der Nacht Werte von minus 5 Grad Celsius.

"Erwarten neue Kaltfront"

Das Ende der Minustemperaturen wird damit keinesfalls erreicht sein.

"Wir erwarten eine neue Kaltfront mit Frost", sagte die Meteorologin Elke Brouwers für die weit über 1000 Meter hoch gelegenen Spielorte Johannesburg 1750 Meter), Pretoria (1124 Meter) und Bloemfontain (1400 Meter) voraus. (GAMES: das WM-Tippspiel)

In der Nähe von George an der berühmten Garden Route, dem WM-Quartier der Japaner zwischen Kapstadt und Port Elizabeth, schneite es erstmals seit Jahrzehnten, berichtete der südafrikanische TV-Sender SABC.

Trog lässt den Wind drehen

So werden die Bilder von Torhütern in langen Hosen, Brasilianern mit Handschuhen und Fans in Daunen- und Regenjacken weiter um die Welt gehen.

Das Foto eines Schneemanns mit einer Vuvuzela auf der Titelseite der Zeitung "Volksblad" in der WM-Stadt Bloemfontein steht fast schon symbolisch für das Turnier in Südafrika.

Ein Vorstoß deutlich kälterer Luft, ein sogenannter Trog, habe das Wetter am Kap der Guten Hoffnung allmählich kippen lassen, erklären Metereologen.

Dabei dreht der Wind von nördliche auf südliche Richtung, was - anders als in Mitteleuropa - bedeutet, dass er nun aus polaren Regionen die kühlere Luft heranbringt.

Die Erklärungen der "Wetterfrösche" trösten derzeit niemanden.

"Es ist einfach furchtbar kalt. Das macht uns schwer zu schaffen", sagte Brasiliens Maicon.

Und Coach Dunga meinte: "Es wäre uns vieles leichter gefallen, wenn es warm gewesen wäre."

"Mir macht das nichts aus"

Otto Rehhagel bereitete der Wintereinbruch indes keine Sorgen.

"Ich denke, bei kaltem Wetter kann man besser spielen, als wenn es heiß ist", sagte Griechenlands Nationaltrainer in Bloemfontein, dem kältesten WM-Spielort.

Bei der Partie des Europameisters von 2004 gegen Nigeria am Donnerstag gab es erneut Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Auch seinen Gegenüber Lars Lagerbäck stört die Kälte nicht.

"Mir macht das nichts aus", sagte der Schwede schmunzelnd, "und die Spieler lassen sich bisher nichts anmerken. Der eine oder andere friert ein bisschen, aber das ist kein Problem."

Trainingsplätze überschwemmt

Trainer in dicken Rollkragen-Pullovern und Spieler in wärmende Wolldecken gehüllt auf der Bank sind Bilder, die bei einer WM bisher fremd waren - selbst bei der bisher einzigen Winter-WM 1978 in Argentinien.

Dazu sorgen derzeit Horrormeldungen über ergiebige Schnee- und Regenfälle für Frust und Missstimmung.

"Extrem kalt" soll es vor allem in den Provinzen Gauteng mit Johannesburg und der Hauptstadt Pretoria sowie Free State mit dem Spielort Bloemfontein werden, kündigte der südafrikanische Wetterdienst an.

"Wir erwarten starken Frost", sagte Meteorologin Elke Brouwers.

Doch auch in den weniger hoch gelegenen Spielorten ist das Wetter alles andere als WM-tauglich: In den Regionen von Kapstadt bis Port Elizabeth regnete es seit Tagen immer wieder in Strömen.

Wegen anhaltender Niederschläge musste am Dienstag in der Küstenstadt Knysna das Training der dänischen Mannschaft abgesagt werden. Beide Trainingssplätze waren völlig überschwemmt und damit unbespielbar.

"In Berlin ist es andauernd so"

Im Lager der deutschen Mannschaft, die sich iauf das nächste Gruppenspiel am Freitag in Port Elizabeth gegen Serbien vorbereitet, zeigte man trotz bescheidener Temperaturen Gelassenheit.

"Wir haben den Spielern empfohlen, sich stets warm anzuziehen und sich nach dem Duschen zu fönen. Wir rufen den Spielern quasi die Tipps ihrer Mamas immer wieder ins Gedächtnis", sagte Co-Trainer Hansi Flick.

"Grundsätzlich", äußerte DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer, "ist es immer leichter, sich von der Wärme auf Kälte umzustellen als umgekehrt."

Und der Berliner Gojko Kacar in Serbiens Kader ergänzte: "Ich habe zwar nicht erwartet, dass es hier so kalt ist. Aber in Berlin ist es andauernd so kühl."

Enttäuschte Fans

Derart locker gehen die zumeist für viel Geld angereisten Schlachtenbummler sowie Organisatoren nicht mit dem Thema um.

Die Fanfeste unter freiem Himmel fallen derzeit weitgehend aus und werden in die Kneipen und Pubs verlegt.

So auch in Port Elizabeth, wo die kalte Witterung für nur 37.034 Zuschauer (Fassungsvermögen des Nelson-Mandela-Bay-Stadions: 45.000) beim Spiel der Elfenbeinküste gegen Portugal sorgte und sich nur wenige Unerschütterliche zum Public-Viewing im St. George's Park, dem altehrwürdigen Cricket-Stadion in der City, einfanden.

"Wir haben viel Geld in die Organisation und in ein großes Sicherheitsaufgebot investiert - und es findet nichts statt. Wir sind sehr enttäuscht", wird ein Sprecher der Stadt Port Elizabeth in der Tageszeitung "The Herald" zitiert.

Vom schlechten Wetter profitieren momentan allenfalls die Betreiber von Kneipen und Sport-Bars. Und in Kaufhäusern sowie Boutiquen bleiben Daunen- und Regenjacken der große Renner.

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