Beim 0:2 gegen Mexiko präsentierte sich Frankreich erneut ohne Esprit und Finesse. Der Grund: Domenech agiert ohne klare Linie.

Es war das typische Spiel der französischen Nationalmannschaft in den letzten Monaten: Ohne Esprit, ohne Finesse.

Nach der verdienten Pleite gegen Mexiko droht der "Equipe Tricolore" ein Deja-Vu. Wie 2002 in Südkorea und Japan stehen "Les Bleus" vor dem Vorrunden-Aus.

Vor allem, weil die Equipe eben nicht als Mannschaft auftritt.

Wer dafür die Verantwortung trägt, ist offensichtlich:

Nationaltrainer Raymond Domenech hat es erneut nicht geschafft, ein Team daraus zu bilden.

Eifersüchteleien innerhalb der Mannschaft bis hin zum Mobbing spiegeln sich auf dem Spielfeld wider.

Wie es um das Klima bestellt ist, verdeutlichte der Weg zum Anstoßkreis nach dem 0:1 gegen Mexiko. Kein Anfeuern, kein Aufmuntern, generell keine Reaktion.

Doch nicht nur Fehler bei der Zusammenstellung, auch taktische Verfehlungen muss sich Domenech ankreiden lassen - auch wenn es den eigenwilligen Trainerkauz nicht groß stören wird.

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Seine Systemumstellung in der Vorbereitung auf ein 4-3-3 und das Umschwenken mit dem ersten Spiel zurück auf das 4-2-3-1 zeugen von Unsicherheit, die sich auch auf seine Spieler überträgt.

Zumal das Spiel mit einer Spitze einfach nicht passt - die Stürmer warten seit sieben Monaten auf einen Treffer, weil sie meist ganz auf sich allein gestellt sind.

Hinzu kommt, dass Domenech einerseits auf Topspieler wie Benzema von Real Madrid verzichtet, andererseits Führungskräfte wie Henry mit der Verbannung auf die Ersatzbank düpiert.

Und seine beiden derzeit besten Akteure, Ribery und Malouda, spielen auf derselben Position und verstehen sich persönlich nicht besonders.

Maloudas Ausbootung vor dem Auftaktspiel soll laut Medienberichten auf Ribery zurückgehen, der sich für Diaby anstelle von Chelseas Flügelspieler ausgesprochen haben soll.

Der Versuch, Ribery vom linken Flügel ins Zentrum zu stellen, erwies sich wie schon beim FC Bayern als Fehlgriff. Es fehlt eine Schaltzentrale in der Mitte, ein Spielmacher.

Den hätte Domenech, aber statt auf Gourcuff zu setzen, der dies bei Girondins Bordeaux weite Teile der Saison bis zu seiner Verletzung zelebrierte, nahm ihn der Coach nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Uruguay auf der ungewohnten Sechser-Position komplett aus der Mannschaft - offenbar auch auf Drängen seiner Team-"Kollegen".

Aber nicht nur in der Offensive, auch in der Verteidigung krankt es im Spiel der Blauen.

Abidal und der lange verletzte Gallas sind bei Barcelona und Arsenal schon lange nicht mehr gesetzt und stehen in ihren Klubs nicht ohne Grund zum Verkauf.

Doch Toulalan, der bei Olympique Lyon zum Innenverteidiger umgeschult wurde und dort den Defensivverbund dirigiert, wird von Domenech nur im defensiven Mittelfeld eingesetzt.

Doch selbst gut gemeinte Ratschläge aller Experten von Zidane bis Lizarazu hat der in Frankreich äußerst unbeliebte Coach konsequent ignoriert.

Immerhin können die Franzosen aufatmen. Denn vermutlich schon nach dem nächsten Spiel ist die unsägliche Ära Domenech, der es geschafft hat, aus einer goldenen Generation einen Trümmerhaufen zu machen, endlich beendet.

Es wäre aber auch der einzig positive Aspekt einer dann völlig verkorksten WM.

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