Der zweite Auftritt schmeckt auch Weltmeister Klaus Augenthaler nicht. Für SPORT1 analysiert der Trainer die deutschen Spiele.

Hallo Fußball-Freunde,

Fußball ist ein Männersport, ein Kampfsport.

Aus diesem Grund habe ich mich - wie viele von Ihnen auch - gewundert, dass Schiedsrichter Alberto Undiano beim Spiel zwischen Deutschland und Australien so oft gepfiffen hat. Aber Tatsache ist: Er hat nun mal eben so gepfiffen.

In der Bundesliga oder Champions League gelten andere Maßstäbe - jetzt befolgt er die Vorgaben der FIFA. Und clevere Spieler müssen sich dessen bewusst sein. Sie müssen wissen, was sie sich erlauben können und was nicht. Das gehört zu einer Vorbereitung.

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Warum der erfahrene Klose an der Mittellinie, wo nichts passieren konnte, so in den Zweikampf geht, kann ich nicht verstehen! Er hatte ja schon Gelb.

Klar, es ist seine Art, sich die Bälle mit viel Körpereinsatz auch von weiter hinten zu holen, aber diese Aktion war reiner Überehrgeiz. Der folgerichtige Platzverweis war der Knackpunkt der Partie.

Deutschland hat nicht schlecht gespielt, nur ohne den nötigen Druck. Gerade die ebenfalls mit Gelb vorbelasteten Außenverteidiger der Serben hätten provoziert werden müssen. Vielleicht wären dann die irgendwann in Unterzahl gewesen.

Eventuell waren sich Löws Jungs nach dem sicherlich beeindruckenden, aber weiß Gott nicht überwältigenden Sieg gegen schwache Australier auch etwas zu sicher. So konnte Serbien gut kontern.

Ich weiß, viele haben sich nach dem verschossenen Elfmeter auch gefragt, ob Podolski überhaupt hätte schießen dürfen.

Es ist aber müßig, darüber zu diskutieren. Wenn er reingegangen wäre, hätte sich niemand über eine fehlende Hierarchie der Strafstoß-Schützen aufgeregt.

1990, als wir Weltmeister wurden, hat Andi Brehme im Finale den entscheidenden Elfmeter verwandelt, obwohl Matthäus vorgesehen war. Das nur nebenbei zur Erinnerung.

Ein Remis im zweiten Gruppenspiel wäre schon besser gewesen. Aber die Niederlage steht nun auf dem Papier. Jetzt muss sich zeigen, wie die Mannschaft mit der nervlichen Belastung umgeht.

Die ist beim K.o.-Spiel gegen Ghana nicht zu unterschätzen.

Vom kommenden Gegner habe ich nach dem ersten Auftritt bei der WM gegen Serbien nicht viel gehalten. Das war gar nichts. Aber diese WM zeigt auch: Jedes Spiel, jeder Gegner ist anders.

Der Rückschlag kann für die Nationalmannschaft auch eine Chance zu Besserung bedeuten. Dem Team wurde gezeigt, dass der Weg ins Finale kein Spaziergang wird.

Bis Mittwoch werden sie sich gegenseitig wieder stark reden. Die Spieler wissen alle, dass das insgesamt einfach zu wenig war und sie künftig wieder anders auftreten müssen, um erfolgreich zu sein.

Bis demnächst,Euer Klaus Augenthaler

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