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Trotz 24 Torschüssen konnten die Spanier gegen die Schweiz nicht jubeln © getty

Dem Europameister hilft nur ein Sieg, während die Schweizer locker ins Duell mit Chile gehen. Portugal will Revanche gegen Nordkorea.

Johannesburg/Port Elizabeth - Europameister Spanien steht mit dem Rücken zur Wand, Favoritenschreck Schweiz setzt weiter auf Ottmar Hitzfelds goldenes Händchen.

Nach dem 1:0-Sensationssieg der Eidgenossen im Auftaktspiel gegen den großen Titelfavoriten gehen beide Teams ihren zweiten WM-Auftritt in Südafrika höchst unterschiedlich an.

Während die Iberer ihr zweites Spiel in der Gruppe H gegen Honduras unbedingt gewinnen müssen (Mo., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER), will die Schweiz gegen Chile (Mo., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) kühlen Kopf bewahren.

Zuvor kommt es im Gruppe-G-Spiel zwischen Portugal und Nordkorea (Mo., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) zur Neuauflage eines WM-Klassikers von 1966. (Der Spielplan)

Blamage wie 1982 unbedingt vermeiden

Spanien will gegen den krassen Außenseiter eine Blamage wie beim letzten WM-Duell vor 28 Jahren verhindern.

Damals schafften die Iberer als Gastgeber ^zum Auftakt nur ein 1:1 gegen den Fußball-Zwerg. (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Einen Fehler haben wir uns schon geleistet, ein zweiter wäre fatal. Wir dürfen jetzt keine Angst haben", forderte EM-Torschützenkönig David Villa, dessen Team in den vergangenen dreieinhalb Jahren nur zwei von 49 Länderspielen verlor.

Geheimtraining der Spanier

Respekt vor dem Gegner ist aber überall im spanischen WM-Quartier in Potchefstroom zu spüren.

Am Samstag ließ Coach Vicente Del Bosque den Trainingsplatz hermetisch abriegeln. Zwölf Polizeiwagen schützten die Übungseinheit vor unliebsamen Kiebitzen.

Dazu ist der Einsatz von Andres Iniesta gefährdet. "Er ist nicht ganz fit, die Entscheidung wird am Spieltag fallen", sagte Del Bosque. Der Mittelfeldstar vom FC Barcelona hatte im Spiel gegen die Schweiz einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen.

"Wir dürfen uns nicht verrückt machen und müssen an den Dingen festhalten, die uns zu einem der Turnierfavoriten gemacht haben", sagte Torres, der nach seiner Knieoperation im vergangenen April gegen die Schweiz nur 30 Minuten zum Einsatz kam und nun in die Starelf drängt.

"Der Trainer hat noch keine Andeutungen gemacht. Aber ich bin bereit", meint der Angreifer vom FC Liverpool.

Die Qualitäten des Torjägers würde der Seleccion gut zu Gesicht stehen. 24-mal brachten die Spanier den Ball beim WM-Auftakt aufs Schweizer Tor, im Netz wollte der flatterhafte Jabulani jedoch nicht zappeln.

Hitzfeld: "Adrenalin pur"

Hitzfeld wartet nach dem Erfolg über die Spanier indes schon auf den nächsten Adenalin-Schub.

"Am schönsten ist es, viel Druck vor dem Spiel zu haben und dann zu gewinnen. Das ist Adrenalin pur", sagte der Coach vor dem Abflug nach Port Elizabeth.

Am Indischen Ozean soll die Welle der Euphorie seine eidgenössischen Kicker ins WM-Achtelfinale tragen - vor den Augen von FIFA-Boss Joseph S. Blatter.

"Chile wird schwieriger als Spanien"

Deshalb lässt Hitzfeld keine Gelegenheit aus, seine Spieler wieder auf den Boden zurückzuholen.

"Wir müssen kühlen Kopf bewahren. Das nächste Spiel wird mental viel schwieriger für uns als das gegen Spanien", sagte der 61-Jährige.

Immerhin sei Chile in der FIFA-Rangliste deutlich vor seiner Mannschaft platziert und habe die WM-Qualifikation sogar vor Argentinien abgeschlossen.

"Pokerface" Hitzfeld brütet derweil über der Strategie für das Duell mit den "spielstarken und schnellen" Südamerikanern (Die WM-Kader im Überblick).

Revanche für eine historische Pleite?

Wenn Portugal und Nordkorea in Kapstadt zu ihrem zweiten Duell in der WM-Geschichte antreten, schwingt auf der einen Seite vielleicht ein wenig Nostalgie mit, auf der anderen geht es indes um die Ausmerzung einer nationalen Schande.

Die 3:5-Niederlage der Asiaten im WM-Viertelfinale vor 44 Jahren soll mit einem heroischen Sieg beim Wiedersehen in Südafrika endlich ausgemerzt werden.

"Wir wollen versuchen, uns für 1966 zu rächen", äußerte Mittelfeldspieler An Yong Hak, der wie alle seine Mitspieler die Geschichte von damals nur aus Berichten und Filmaufzeichnungen kennt.

Eusebio pragmatisch

Einer der hingegen - in tragender Rolle - selbst dabei war, ist Portugals Fußball-Idol Eusebio, dessen vier Tore nach 0:3-Rückstand einst die Wende im Spiel bedeuteten:

"Das war mein Tag. Jeder Spieler träumt davon, eines Tages ein Spiel zu drehen. Und an diesem Tag war ich das", so der 68-Jährige.

Die Neuauflage der Partie sieht der WM-Torschützenkönig von 1966 allerdings eher pragmatisch:

"Ich hoffe, dass diesmal Portugal das erste Tor erzielt. Das wäre wichtig für das Selbstbewusstsein. Ein 1:0-Sieg reicht ja schon."

Nach dem 0:0 in ihrem Auftaktmatch gegen die Elfenbeinküste benötigen die Südeuropäer unbedingt einen Erfolg, um ihre Chancen auf den Achtelfinaleinzug aufrecht zu erhalten.

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