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Herbert Fandel beendete 2009 seine Karriere als Schiedsrichter © getty

Bei SPORT1 spricht Herbert Fandel über die Leistungen der Schiedsrichter bei der WM. Eine Strafe für Luis Fabiano fordert er nicht.

Von Daniel Michel

München - Während die Diskussionen um schwache Schiedsrichterleistungen weiter anhalten, stärkt der Weltverband FIFA seinen WM-Schiedsrichtern den Rücken.

"Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit den Leistungen. Fehler sind nur menschlich", sagt Schiedsrichter-Kommissions-Chef Jose Maria Garcia-Aranda: "Wir haben exzellente Vorstellungen gesehen."

Gleiches bestätigt auch der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel bei SPORT1: "Das Turnier hat mit sehr vielen guten Leistungen der Schiedsrichter erstklassig begonnen."

Im Interview mit SPORT1 spricht der Leiter der DFB-Schiedsrichterkommission, der im Sommer 2009 nach 247 Bundesliga-Partien seine Karriere beendete, über die Leistungen der Unparteiischen, das Handspiel von Luis Fabiano und den deutschen Vertreter Wolfgang Stark.

SPORT1: Herr Fandel, den USA blieb durch einen unerfahrenen Schiedsrichter aus Mali das Siegtor gegen Slowenien verwehrt. Aber auch erfahrene Schiedsrichter aus europäischen Top-Ligen stehen in der Kritik - wie beim Spiel Brasilien gegen Elfenbeinküste. Was läuft bei den WM-Schiris schief?

Herbert Fandel: Was falsch läuft, kann ich Ihnen nicht sagen. Einige Leistungen der Schiedsrichter, die nicht gut waren, überdecken die vielen starken Leistungen. Der ein oder andere Schiedsrichter reicht nicht an sein Leistungsvermögen heran.

SPORT1: Schiedsrichter Lannoy hat Luis Fabiano nach dem 2:0 gefragt, ob er ein Handspiel begangen hatte. Der Brasilianer verneinte. Sollte er dafür gesperrt werden, wie es Helmut Krug fordert?

Fandel: Ich fordere keine Strafe, aber er hätte die Wahrheit sagen sollen. Das erwarte ich von einem Spieler auf seinem Niveau.

SPORT1: Spieler und Funktionäre kritisieren die Kartenflut bei der WM. Markus Merk macht den Schiri-Boss der FIFA Garcia-Aranda verantwortlich 250592(DIASHOW: Tops und Flops der WM).

Fandel: Ich würde das niemals nur an einer Person festmachen. Die FIFA setzt alles in Bewegung, um die Schiedsrichter bestens auf das Turnier vorzubereiten. Die FIFA hat ihre eigene Philosophie. Es ist nicht meine Aufgabe, deren Philosophie zu kritisieren. Das Turnier hat für die Schiedsrichter erstklassig begonnen.

SPORT1: Erstklassig?

Fandel: Ja. Ich denke an den Usbeken Irmatov, unseren Schiedsrichter Wolfgang Stark oder auch Jorge Larrionda aus Uruguay. Diese Leistungen gehen natürlich unter, weil wir eine Diskrepanz erleben unter den Schiedsrichter-Leistungen, wie etwa beim Spiel Deutschland gegen Serbien.

SPORT1: Droht dem Spanier Undiano nach dem schwachen Spiel das Turnier-Ende? 249109(DIASHOW: Die Schönheiten der WM)

Fandel: Wir schielen viel zu sehr auf die Leistung der Schiedsrichter. Wir sollten uns mit der unserer Nationalmannschaft beschäftigen. Ich erwarte von einem Profi, sich auf die Linie des Schiedsrichters einzustellen. Die Linie war beim Serbien-Spiel unzweifelhaft erkennbar, egal ob sie richtig oder falsch war.

SPORT1: Ist Miroslav Klose an seinem Platzverweis selbst Schuld?

Fandel: Ich gebe niemandem die Schuld. Wir sollten die Schiedsrichter nicht verteufeln, aber ich bin weit davon entfernt, sie in den Himmel zu loben.

SPORT1: Kleinlich pfeifen und möglichst früh Karten geben ? sind das die neuen FIFA-Vorgaben?

Fandel: Die Philosophie der FIFA kenne ich nicht. Die FIFA hat ihre Schiedsrichter für das Turnier eingestellt. Wer darüber als Außenstehender spricht, der spricht über etwas, was er nicht kennt.

SPORT1: Dass ein Schiedsrichter auch mit wenig Karten bei der WM auskommen kann, hat Wolfgang Stark bei seinem Spiel Argentinien gegen Nigeria gezeigt. Am Mittwoch pfeift er das Spiel England gegen Slowenien (Mi., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Darf er sich Hoffnung auf noch mehr Einsätze machen? (der WM-Tabellenrechner)

Fandel: Wenn er seine Leistung abruft, ist er ein äußerst starker Schiedsrichter. Aber auch ihm können Fehler passieren

SPORT1: Was war Ihre Strategie als FIFA-Schiedsrichter: Zu Beginn des Spiel mit zwei, drei Gelben Karten für Ruhe sorgen, oder haben Sie sich die Karten für die zweite Halbzeit aufgehoben?

Fandel: Das ist zu einfach. Ein professioneller Schiedsrichter lässt das Spiel auf sich zukommen und reagiert auf das, was die Spieler ihm anbieten. Ein guter Schiedsrichter legt sich auf keine Strategie fest.

SPORT1: Sollten mehr Schiedsrichter aus europäischen Top-Ligen bei der WM pfeifen ? bislang sind es nur zehn Europäer?

Fandel: Die Erfahrung und Persönlichkeit eines Schiedsrichters spielen eine große Rolle. Aber wir sind bei einer Weltmeisterschaft. Da kann ich die FIFA verstehen, wenn sie nicht von ihrer Personalplanung abrücken will. Auf der anderen Seite muss sie sich im klaren sein: Wenn schwierige Spiele mit großer Verantwortung souverän geleitet werden sollen, muss sie auf die Persönlichkeiten zurückgreifen, die ihr das Metier bietet.

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