Strauchelnde Favoriten, starke Südamerikaner: Nach zwei Spieltagen zieht SPORT1-Kolumnist Huub Stevens eine WM-Zwischenbilanz.

Hallo Fußball-Freunde,

jede Mannschaft hat mittlerweile zweimal gespielt bei dieser Weltmeisterschaft. Mein Gesamteindruck ist durchwachsen und ich wundere mich über einiges.

Die großen Favoriten scheinen sich langsam zu fangen. Doch sowohl Argentinien als auch Brasilien, Portugal oder Spanien haben sich zunächst schwer getan. Jetzt kommen sie auf Touren.

Dass da die frechen Außenseiter da noch lange mithalten können, glaube ich nicht.

Aber positiv überrascht haben mich Chile, Paraguay, Uruguay und Mexiko an den ersten zwei Spieltagen auf jeden Fall. Diese Teams haben einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Irgendwie wirken die Südamerikaner - gerade auch im Vergleich mit den Europäern - ausgeruhter und engagierter.

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Deutlich wurde auch, dass es den afrikanischen Teams - sei es Südafrika, Nigeria, Kamerun oder meinetwegen auch der Elfenbeinküste - sehr wohl noch an Organisation und Teamgeist fehlt. Sie haben zudem mit der erhöhten Drucksituation bei diesem Turnier zu kämpfen.

Dazu kommt, dass die afrikanische Fußball-Mentalität ein Stück weit auch von Egoismus geprägt wird.

So sehr sich Trainer und Spieler auch bemühen, den Mannschaftsgedanken zu stärken: Es ist noch einiges an Entwicklung notwendig, um vielleicht mal bis ins Halbfinale einziehen zu können.

Beim französischen Nationalteam sind noch ganz andere Dinge notwendig. Das Team von Domenech ist eine echte Lachnummer. Was da alles passiert, ist nicht nur schlecht für den französischen Fußball, sondern für das ganze Land.

Sehr irritierend ist auch die Tatsache, dass die Attacke von Anelka auf den Coach an die Öffentlichkeit geraten ist.

Auch bei mir ist es schon vorgekommen, dass ein Spieler beleidigend geworden ist. Aber so etwas blieb immer in der Kabine. Das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts.

Die Chance, es wie erwachsene Menschen zu regeln haben sie vergeben, jetzt kommt für Frankreich alles wie ein Bumerang zurück.

Von einem Aufreger zum nächsten: Bei einem so großen Turnier wie der Weltmeisterschaft, wo die besten Spieler der Welt auflaufen, sollten auch die besten Schiedsrichter der Welt pfeifen.

Diese Art von "Good-Will"-Aktionen der FIFA gegenüber Referees aus kleinen Ländern wie den Seychellen oder El Salvador sind fragwürdig. Die WM hat ein anderes Tempo, von den Entscheidungen der Schiedsrichter hängt mehr ab.

Dann sollen eben zwei Unparteiische aus einem Land stammen. Na und?

Aber immerhin: Es ist nicht so schlimm, wie es dargestellt wird. Ich habe auch einige gute Entscheidungen gesehen.

Taktische Neuerungen haben sich für mich indes nicht bemerkbar gemacht. Der Schlüssel zum Erfolg wird bei dieser WM in der Ballsicherung und dem schnellen Spiel über Außen liegen.

Erschwert wird das allerdings auch durch die Plätze und den Flatterball. Wir haben den WM-Ball bei uns in Salzburg getestet und waren überhaupt nicht begeistert.

Ein klarer Favorit hat sich bis zu diesem Zeitpunkt jedenfalls noch nicht herauskristallisiert.

Wie bereits erwähnt: die Großen kommen in Fahrt. Argentinien, Brasilien und Spanien drehen auf.

Doch im Fußball ist vieles möglich - und vielleicht muss ich mich schon in der nächsten Kolumne korrigieren.

Bis dahin,Euer Huub Stevens

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