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Ralf Rangnick beendete die Saison mit Hoffenheim auf Platz elf © getty

Deutschland steht vor dem Gruppenendspiel gegen Ghana. Bei SPORT1 analysiert "Fußballprofessor" Rangnick Taktik und Gegner.

Von Daniel Rathjen

München - Er schaut ganz genau hin.

Ralf Rangnick ist akribisch, ein Experte, ein so genannter Taktik-Fuchs.

Der Trainer von 1899 Hoffenheim trägt den Spitznamen "Fußballprofessor" und verfolgt die Weltmeisterschaft in Südafrika mit Interesse 249109(DIASHOW: Schönheiten der WM).

Vor dem für Deutschland entscheidenden Gruppenendspiel gegen Ghana (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) ist der 51-Jährige optimistisch, was einen Achtelfinal-Einzug des DFB-Teams angeht.

"Ich gehe davon aus, dass wir weiterkommen", sagt Rangnick im Gespräch mit SPORT1 (der WM-Tabellenrechner).

Dennoch warnt er auch vor dem Gegner und den Gefahren, die von Ghana ausgehen.

Einen Einblick hat er in die ghanaischen Strukturen: Mit Verteidiger Isaac Vorsah und Angreifer Prince Tagoe hat er zwei Spieler des Teams von Coach Milovan Rajevac in seinem Team.

Ansonsten beeindruckt ihn das Turnier bislang wenig.

Ralf Rangnick bei SPORT1 über...

das Niveau:

Es ist ein Stück weit normal, aber die WM ist noch nicht so, wie es sich alle gewünscht beziehungsweise vorgestellt haben. Es sind viele Sachen vorhanden, an die man sich als Zuschauer und vor allem auch als Spieler gewöhnen muss.

Es herrschen teilweise Minustemperaturen, Spieler tragen Handschuhe, hinzu kommt die Beschaffenheit des Rasens, der Ball. Der Eindruck des fußballerischen Niveaus wird sich in den Achtelfinals bilden.

taktische Finessen:

Ich habe noch nicht viel Neues gesehen. Wenig Pressing, kaum Varianten bei Standardsituationen.

Was die Systematik angeht, spielen sehr viele Mannschaften im allseits bekannten 4-2-3-1, ein paar wenige noch mit einem 4-4-2 flach. Die Spanier agieren noch im 4-3-3 oder aber mit zwei "Zehnern" und zwei Spitzen.

Innovationen, die bekanntlich keine Seltenheit bei Weltmeisterschaften sind, fehlen.

die deutsche Nationalmannschaft:

Was man von dieser jungen Mannschaft erwarten konnte, hat sie in beiden Spielen gezeigt.

Diese waren allerdings etwas ungewöhnlich. Im ersten Spiel hatte Deutschland den Vorteil eines Platzverweises, im zweiten den Nachteil eines Platzverweises.

Insofern kommt es jetzt erst gegen Ghana zur Nagelprobe. Aber ich gehe davon aus, dass wir die bestehen.

Es kann auch ein Vorteil sein, dass die Partie gegen Serbien verloren gegangen ist. So sind wir gut gerüstet für das Achtelfinale. Ansonsten hätte Joachim Löw gegen Ghana wohl taktiert, Spieler möglicherweise geschont.

Jetzt muss die Mannschaft zeigen, ob sie taktisch und vom Teamgeist her den Herausforderungen gewachsen ist. Gewinnt Deutschland gegen Ghana, kann das einen positiven Impuls für den weiteren Turnierverlauf bedeuten.

Probleme mit Badstuber:

Er interpretiert seine Rolle als Außenverteidiger - wie bei Bayern - defensiver als Philipp Lahm auf der anderen Seite. Gegen Serbien fehlte ihm oft die Unterstützung von Podolski, einem der zwei "Sechser" oder Arne Friedrich.

Dadurch kam es viel zu oft zu Eins-gegen-Eins-Situationen mit ihm. Darauf wird Joachim Löw bei der Nachbesprechung eingegangen sein.

die richtige Strategie für Ghana:

Das knüpft unmittelbar an das Problem um Badstuber an: Wenn ich Trainer von Ghana wäre, würde ich Dede Ayew auf den rechten Flügel beordern. Er ist flink und wendig und könnte Badstuber ähnlich wie Krasic bei Serbien unter Druck setzen.

Bleibt Badstuber im Team, muss er also mehr Unterstützung bekommen. Stellt Löw um, gibt es die offensiveren Varianten mit Dennis Aogo oder Marcell Jansen.

Ghanas Hoffenheimer:

Isaac Vorsah ist aber noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, das hat er mir gesagt. Die medizinische Abteilung der Ghanaer ist da anderer Meinung und wird alles tun, damit er spielen kann.

Wenn er fit ist, ist er unheimlich wichtig für die Abwehr. Er hat eine herausragende Physis, ist kopfballstark und er hat ein hervorragendes Positionsspiel.

Prince Tagoe kommt nach seinen gesundheitlichen Problemen mit dem Herz wieder in Schwung. Seine Qualität kommt am besten in der Zentrale zum Vorschein.

Zuletzt hatte er auf dem rechten Flügel Probleme. Das ist nicht seine Idealposition.

Beide haben einen hohen Stellenwert für das Team und sind gesetzt, wenn sie fit sind.

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