Beim blamablen WM-Aus des Titelverteidigers ist nicht nur Trainer Lippi scheitert. Italiens Fußball bedarf einer Erneuerung.

Peinlicher geht es nicht: Italien scheidet mit mickrigen zwei Pünktchen in der WM-Vorrunde aus. Es ist die schlechteste WM-Bilanz eines italienischen Teams überhaupt.

Der Weltmeister hat das Turnier in Südafrika überheblich und ohne jede Leidenschaft abgespult. Noch nicht einmal die Blamage beim 1:1 gegen Neuseeland rüttelte die Italiener auf.

Gegen die Slowakei spielten sie zu Beginn noch schlechter.

Wenn einer 45 Minuten lang auf einer Autobahnbrücke dem Verkehr zugesehen hätte, er wäre mehr unterhalten gewesen als vom lahmen Auftritt der "Squadra Azzurra" in der ersten Hälfte.

Irgendwie, so war wohl der Hintergedanke, komme man schon ins Achtelfinale.

Selbst ein Remis hätte gereicht, doch am Ende setzte es die verdiente 2:3-Pleite. Marcello Lippi ist grandios gescheitert.

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Was für ein Absturz: Vom Weltmeister-Trainer zum Coach, der es nicht mal schafft, in der schwächsten WM-Vorrundengruppe weiterzukommen. Mamma mia!

Als Lippis Stärken galten, dass er ein Team zusammenschweißen konnte und dass er ein Händchen für die richtige Mischung hatte. Von alledem war in Südafrika nichts zu sehen.

Auch die Vorbereitung war mies: 2010 hat Italien kein einziges Spiel gewonnen. Die Azzurri starteten mit einem der ältesten Kader aller Teams ins Turnier.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Lippi berief auch aufgrund der Verbindungen zu Juve sechs Turiner in den Kader, die nach einer desaströsen Saison ohne Selbstvertrauen waren.

Unbequeme, aber mit Riesentalent gesegnete Spieler wie Antonio Cassano und Mario Balotelli ließ Lippi stattdessen zu Hause.

Und Roms kantiger Kapitän Francesco Totti fand vor den Augen des "Maestro" ebenso keine Gnade mehr.

Als die Offensivabteilung allzu offensichtlich kriselte, sehnten sich die Tifosi nach Andrea Pirlo.

Der lange angeschlagene Mittelfeld-Haudegen würde das Ganze schon ordnen, den uninspirierten Kick beenden. Doch auch Pirlo spielte bei Milan keine berauschende Saison.

Alternativen außer dem strebsamen Riccardo Montolivo vom AC Florenz - Fehlanzeige. Jetzt rächt sich, dass kein einziger italienischer Nationalspieler ein Champions-League-Viertelfinale gespielt hat.

Vom Champions-League-Sieger Inter tauchte überhaupt kein Profi in der Nationalelf auf. Der Fall Inter, in dem nahezu alle Positionen in der Startelf von ausländischen Spielern besetzt sind, ist extrem.

Doch er veranschaulicht ein wichtiges Problem in der Serie A: Italienische Profis sind bei den Topklubs eben nicht die umjubelten Schlüsselspieler.

Der tiefe Sturz bei der WM könnte daher sogar ein Segen für aufstrebende Talente sein.

Verbandspräsident Giancarlo Abete hat nicht zu Unrecht angeprangert: "Der Kern des Problems ist die Qualität unseres Fußballs."

Immerhin kommt mit dem künftigen Nationaltrainer Cesare Prandelli der richtige Mann ans Ruder.

Bei Florenz hat er zwei wichtige Dinge gezeigt: Erstens kann er eine Mannschaft aufbauen und junge Spieler integrieren.

Zweitens kam er dort er auch mit schwierigen Charakteren wie dem Rumänen Adrian Mutu klar.

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