Klaus Augenthaler ist begeistert vom jungen Bayern-Angreifer. Für SPORT1 analysiert der Weltmeister von 1990 die DFB-Spiele.

Hallo Fußball-Freunde,

Deutschland steht verdient im WM-Viertelfinale. Der 4:1-Sieg gegen England geht in Ordnung, weil die deutsche Leistung im Vergleich zu den vorigen Spielen konstanter war.

Es ist phänomenal, was Thomas Müller leistet.

Man weiß ja gar nicht so richtig, ob man ihn als Außenstürmer oder Mittelfeldspieler einordnen soll, aber er ist unheimlich wichtig für diese Mannschaft.

Beim 2:0 schießt er nicht einfach selbst, sondern sieht, dass Lukas Podolski besser postiert ist. Und bei seinen eigenen Treffern wird er dafür belohnt, dass er mit nach vorne läuft und dann an der richtigen Position steht.

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Ich habe das Spiel gemeinsam mit Paul Breitner verfolgt.

Natürlich haben wir auch gesehen, dass Deutschland nach dem 2:0 wieder zu viele Möglichkeiten zugelassen hat - so wie schon gegen Ghana und Serbien.

Das müssen wir abstellen, wenn wir richtig weit kommen wollen.

Deutschland hat sich nach der klaren Führung zu sehr darauf verlassen, dass es die Partie unter Kontrolle hat. Die Deutschen haben ihre Gegenspieler zu oft flanken lassen.

Beim Gegentor hat auch Keeper Manuel Neuer einen Fehler gemacht. Er geht allerdings zu Recht auf Jerome Boateng los, der in der Situation zuvor nicht richtig eingreift.

Das sind diese kleinen Dinge, die besser werden müssen.

Natürlich wird wieder darüber gesprochen, ob der Mannschaft noch etwas an Erfahrung fehlt. Doch die kann man eben nicht so im Handumdrehen bekommen.

Deshalb müssen die Fehler jetzt analysiert werden und man muss in Zukunft einfach noch konzentrierter spielen.

Nun geht es für Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien.

Die Mannschaft von Diego Maradona ist mit Brasilien die konstanteste Truppe im Turnier. Das wird für Deutschland also eine sehr schwere, aber nicht unlösbare Aufgabe.

Die Empörung der Engländer über das nicht gegebene Tor kann ich nachvollziehen. Normalerweise müsste der Linienrichter so etwas sehen!

Das ist für mich unverständlich, ich habe am Fernsehen sofort gesehen, dass der Ball hinter der Linie war. So ging es bestimmt vielen Zuschauern.

Über technische Hilfsmittel für die Schiedsrichter muss nachgedacht werden. Es gibt doch alle Möglichkeiten. Die Schiedsrichter sind mit Funk miteinander verbunden, einer schaut auf den Monitor, er sieht, der Ball ist drin und fertig.

England ist mal wieder vorzeitig ausgeschieden. Aus meiner Sicht liegt das auch daran, dass Rooney, Gerrard und Lampard zwar klasse Spieler sind, in der Nationalelf aber nicht ebenso starke Nebenleute wie im Verein haben.

Die englische Mannschaft ist nun mal kein Spiegelbild der Top-Teams der Premier League, sondern eher der Teams, die ab Platz sechs spielen.

Ein Problem der Engländer war auch, dass sie nach vorne spielen wollten, aber in Fabio Capello einen italienischen Trainer haben, der auf Sicherheit bedacht ist. Das passt nicht. Wayne Rooney war da oft zu stark alleingelassen.

Bis demnächst,Euer Klaus Augenthaler

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