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Sepp Blatter ist seit 1998 Präsident des Fußball-Wetverbandes © getty

Sepp Blatter reagiert auf die Diskussion über die WM-Fehlentscheidungen und überdenkt die Haltung zum Thema technische Hilfsmittel.

Von Martin Volkmar und Matthias Becker

München/Johannesburg - Die zahlreichen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika haben offenbar für ein Umdenken der FIFA gesorgt.

Präsident Sepp Blatter kündigte auf einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen an, nun doch über eine Einführung moderner Technologien zumindest nachzudenken.

"Nach den bisherigen Erfahrungen bei dieser WM wäre es Nonsens, das nicht noch einmal zur Sprache zu bringen", sagte der Schweizer in Johannesburg.

"Die erste Gelegenheit dazu besteht im Juli beim Business Meeting des Internationalen Football Association Board in Cardiff."

Bei den deutschen Schiedsrichtern rennt Blatter mit seinem Vorstoß offene Türen ein. "Von der Schiedsrichterseite sagen wir schon länger, dass wir für den Chip im Ball wären und ihn vor allen anderen Dingen bevorzugen würden", sagte Eugen Striegel, Mitglied im DFB-Schiedsrichterausschuss, im Gespräch mit SPORT1.

Entschuldigung bei England und Mexiko

Die von vielen Seiten geforderte Einführung eines Videobeweises schloss Blatter allerdings erneut aus. Zudem entschuldigte er sich für die krassen Fehler der Unparteiischen im Achtelfinale.

"Ich habe mich bei England und Mexiko entschuldigt", erklärte der FIFA-Boss.

"Die Engländer haben Danke gesagt und es akzeptiert. Die Mexikaner haben den Kopf geneigt und es auch akzeptiert."

Der Argentinier Carlos Tevez hatte die Führung gegen Mexiko aus klarer Abseitsposition erzielt, den Engländern war gegen Deutschland ein regulärer Treffer von Frank Lampard verweigert worden.

"Das ist 1966 passiert und nun 44 Jahre später - auch wenn es nicht ganz das Selbe war", meinte Blatter über Lampards Schuss, der von der Latte eindeutig hinter der Linie aufgesprungen war.

Keine Spielunterbrechungen

Allerdings soll es auch in Zukunft keine Spielunterbrechungen bei strittigen Spielszenen geben, um die Situation per Videobeweis zu klären.

"Das Einzige, was wir nochmals mit dem Internationalen Regel-Board diskutieren werden, ist die Torlinien-Technologie", sagte Blatter, nachdem deren Einführung im Frühjahr noch abgelehnt worden waren.

Denkbar ist sowohl die Einführung eines Hawk Eye wie im Tennis oder eines Chips im Ball, der bei einer Torlinienüberquerung ein Signal an den Schiedsrichter gibt.

Letzteres bevorzugt auch Striegel. "Wenn die Technologie käme, wären Schiedsrichter, die Liga und der DFB-Schiedsrichterausschuss froh. Ohne Unterbrechung könnte man feststellen, ob der Ball im Tor ist, oder nicht", sagte er SPORT1.

Erst kürzlich habe ihm der Hersteller der Technologie versichert, dass der Chip zu hundert Prozent funktioniere.

Verbesserung der Schiedsrichter

Blatters Grund für die Ablehnung anderer Maßnahmen: "Fußball ist ein Spiel, das niemals aufhört. Und für Situationen wie im Spiel von Mexiko braucht man keine Technik." Stattdessen will der Weltverband bei den Unparteiischen ansetzen:

"Wir werden ein neues Konzept einführen, um die Schiedsrichter auf Top-Level zu verbessern. Ich kann noch keine Details nennen, aber etwas muss sich ändern."

An den Leistungen der Referees bei der Endrunde in Südafrika übte Blatter deutliche Kritik.

"Ich persönlich bedauere es, wenn ich die offensichtlichen Fehler der Schiedsrichter sehe. Es ist kein Fünf-Sterne-Turnier für die Unparteiischen. Ich bin betrübt", sagte er.

"Aber das ist nicht das Ende des Turniers und nicht das Ende des Fußballs."

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