Die WM in Südafrika ist schön und gut. Doch die Übertragung in den lokalen Medien weniger - von Ernst Middendorp mal abgesehen.

Die WM vor Ort hautnah erleben zu dürfen, ist ein einmaliges Erlebnis.

Die Menschen in Südafrika sind supernett, das Land hat jede Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten und die Stimmung ist auch hervorragend.

Was für die Übertragung der WM leider nicht uneingeschränkt gilt.

Im Fernsehen laufen die Spiele auf dem staatlichen Sender "SABC" und beim Sportkanal "Supersport".

Fachkundige Moderatoren wie Gary Bailey (Supersport), der als Torwart von 1978 bis 1987 fast 300 Spiele für Manchester United absolvierte und seine Karriere 1990 bei den Kaizer Chiefs in Johannesburg beendete, führen durch das Programm.

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Experten aus aller Welt sitzen im Studio. Dazu gehört auch Ernst Middendorp, der einst bei den Chiefs auf der Bank saß und vor der WM Maritzburg United vor dem Abstieg rettete.

Auch Deutschlands Weltmeister Thomas Berthold, Nigerias Legende Jay-Jay Okocha oder der - mittlerweile ziemlich in die Breite gegangene - ehemalige englische Nationalstürmer John Barnes analysieren die Partien.

Was aber im Radio geboten wird, ist für den ausländischen Fußballfan nur schwer zu ertragen: "Jetzt kommen die Japaner über die rechte Seite", heißt es bei "Radio 2000" zunächst vielversprechend.

Dann eine lange Pause. Immer noch. "Hoho", lacht der Reporter ins Mikrophon: "Das hätte er besser machen müssen!"

Bleiben die Fragen: "Was? Wer? Warum?"

Der Zuhörer erfährt es nicht. Dann ruft eine andere Stimme total aufgeregt etwas ins Mikrofon. Das Problem: Man versteht kein Wort. Zumindest ich nicht, denn der Mann spricht Zulu, eine von elf Sprachen, die es in Südafrika gibt.

Auf einem anderen Kanal wird das Spiel auf Afrikaans geschildert. Das klingt zwar amüsant und wie eine lustige Mischung aus Holländisch und Schwyzerdütsch, aber auch hier erfährt man nicht, wer denn nun aufs Tor geschossen hat oder von wem der Ball gehalten wurde.

Denn die Torhüter haben hier anscheinend keine Namen und heißen immer nur Keeper.

Die Grenze des Erträglichen überschritten haben aber die beiden ahnungslosen Ladies, die in der Pause des Achtelfinales zwischen Uruguay und Südkorea, das wir auf dem Weg von den Drakensbergen zurück nach Durban im Radio verfolgten, indem sie gefühlte drei Stunden über die Taktik beider Teams fachsimpelten.

"Ich glaube, die Koreaner wollen das Spiel noch gewinnen", mutmaßte die eine Dame. "Ich gebe Dir vollkommen Recht. Aber da haben die Uruguayer bestimmt etwas dagegen", warf ihre Kollegin ein. Ach was!

Die beiden, man könnte vermuten, es sind zwei Putzfrauen, die sich beim Reinemachen ins Studio verirrt haben, versprechen dem Hörer dann auch noch eine ausführliche Analyse nach dem Spiel.

Mir verreißt es fast das Steuer. Welch ein Glück, dass unser Autoradio auch einen CD-Player hat.

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