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Die WM in Südafrika ist die erste auf dem afrikanischen Kontinent © getty

SPORT1 erklärt, warum die Stadien nicht immer voll waren, wie die Stimmung vor Ort ist und zieht eine sportliche Zwischenbilanz.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Mehr als die Hälfte der WM ist vorbei, drei Viertel der Teilnehmer sind ausgeschieden.

Darunter auch Südafrika, das als erstes Gastgeber-Team in der WM-Geschichte bereits in der Gruppenphase steckenblieb.

Aber auch ohne die Beteiligung der "Bafana Bafana" ist die Stimmung in Südafrika weiter hervorragend (DATENCENTER: WM-Spielplan).

Die Fan-Feste und Public Viewing-Bereiche sind weiterhin sehr gut besucht, wenn auch nicht mehr ganz so voll vie zu Beginn des Turniers. Auch nicht alle Achtelfinalspiele waren ausverkauft, fast überall blieben Plätze frei.

SPORT1 erklärt, warum die Stadien nicht immer voll waren, wie die Stimmung in Südafrika ist, wie es um die Sicherheit und Organisation steht und zieht eine sportliche Zwischenbilanz.

STIMMUNG:

Auch nach dem Ausscheiden der "Bafana Bafana" ist die Stimmung im Land und in den Stadien weiter hervorragend. Die Gastgeber haben die Mannschaft aus Ghana quasi "adoptiert" und hoffen, dass es Ghana als erstes afrikanisches Team in ein WM-Halbfinale schafft.

Jeden Tag wird man als ausländischer Gast mindestens einmal gefragt, wie es einem in Südafrika gefällt, und die Antwort lautet eigentlich immer: super, ganz toll, könnte kaum besser sein.

Die Menschen sind äußerst (gast)freundlich und geben einem Besucher ein gutes Gefühl, die vielen Sehenswürdigkeiten im Land und in den Städten sprechen für sich.

FAN-FESTE/PUBLIC VIEWING:

Die Fan-Feste sind gut besucht, wenn auch nicht mehr ganz so voll wie vorher oder ähnlich überfüllt wie teilweise vor vier Jahren in Deutschland.

Die Fan-Feste in Durban (am Strand am Indischen Ozean) und Kapstadt (auf der Grand Parade im Stadtzentrum) sind besonders stimmungsvoll. In Johannesburg (Soweto) und Bloemfontein liegen/lagen die Fan-Feste mitten in den Townships 256844(DIASHOW: SPORT1-Elf WM Achtelfinale).

Jeder Gastgeberstadt bot/bietet den Besuchern zudem ein spezielles Freizeitprogramm an.

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SICHERHEIT:

In den Städten und auf den Weg in die Stadien ist die Präsenz der Polizei jederzeit zu erkennen.

Die Bereiche, in denen sich WM-Besucher bewegen, sind durch Sicherheitskräfte kontrolliert.

An Spieltagen bewegen sich in Kapstadt und Durban riesige Menschenschlangen durch die Städte. In Johannesburg sind es leider zumeist Autoschlangen. Zudem liegt der Ellis Park in einem Stadtviertel, das man besser allein nicht betritt.

Überfälle auf Fans oder Journalisten gab es zwar in den ersten Tagen der WM, doch solche Zwischenfälle gibt es auf der ganzen Welt.

An den Eingängen in die Stadien werden Kontrollen durchgeführt, allerdings nicht immer so gründlich und strikt wie man es aus Europa kennt. Immer wieder kommt es vor, dass an den Eingängen zu den Medien-Zentren die Kontroll-Scanner ausgeschaltet sind oder nicht funktionieren.

STADIEN:

Die meisten WM-Stadien bieten die Standards, die man aus Europa kennt. Vor allem in den großen und architektonisch sehr gelungenen Arenen in Johannesburg, Kapstadt und Durban wird den Besuchern viel geboten. Wobei im riesigen Stadion Soccer City die Wege doch sehr weit sind.

In Inneren selbst wird an jedem Eingang penibel auf die Eintrittskarte oder die Akkreditierung geachtet. Dass dennoch in Kapstadt ein Fan in den Kabinentrakt der englischen Mannschaft gelang, lag wohl eher daran, dass die Aktion wohl ein Medien-"Gag" war 181113(DIASHOW: Die WM-Stadien).

Die Polizei ist "der Überzeugung, dass der Vorfall in der englischen Kabine inszeniert war und mehrere Personen daran beteiligt waren", so Südafrikas Polizeichef Bheki Cele.

Ein englischer Journalist soll dem Kabinen-Besucher Zutritt zur Umkleide der Engländer ermöglicht zu haben, um eine gute Story zu bekommen. Er wurde "wegen einer Verletzung der Einwanderungsgesetze verhaftet."

EINTRITTSKARTEN:

Für fast jedes Spiel waren noch Karten verschiedener Kategorien zu bekommen - allerdings zumeist auf dem Schwarzmarkt. In den offiziellen Ticket-Zentren gab es - zumindest in Durban - kaum, oder nur für kurze Zeit, Karten. Kein Wunder, dass bei vielen Spielen Plätze leer blieben.

Selbst im Vorrundenspiel zwischen Brasilien und Portugal, vor dem Karten vor dem Stadion für umgerechnet 500 Euro angeboten wurden, war das Stadion in Durban nicht voll.

"Es gibt doch relativ viele 'no shows', also Käufer, die ihr Ticket verfallen lassen", erklärt DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, der dem südafrikanischen WM-OK in den vergangenen Jahren beratend zur Seite stand.

VIP-Logen bleiben leer

"Verkaufte Tickets, die von den Sponsoren dann verteilt wurden, werden nicht genutzt. Im Ausland abgesetzte Kontingente werden ebenfalls teilweise nicht in Anspruch genommen, wie ich das ohnehin erwartet hatte", erklärte Schmidt.

Leer blieben vor allem die VIP-Logen. Die FIFA bietet deshalb ab sofort die nicht verkauften Hospitality-Tickets für Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel an.

Die Kosten für inklusive Bewirtung und Unterhaltung liegen bei 800 Euro (Viertelfinale), 1600 Euro (Halbfinale) und 3500 Euro (Finale) 256788(DIASHOW: Tops und Flops WM-Achtelfinale).

ORGANISATION:

Die Organisation in den Städten und den Stadien ist sehr gut, aber es gibt ein großes Manko: den Transport.

Vor allem in Johannesburg kam der Verkehr an Spieltagen rund um Soccer City beinahe zum Erliegen. Nach den Spielen war es äußerst schwer bis unmöglich, Taxis zu bekommen. Öffentliche Verkehrsmittel (Busse, Sammeltaxis) waren oft überfüllt oder gar nicht vorhanden.

Viele Fans haben Tickets für Spiele, die aber in anderen Städten stattfinden. Da die Entfernungen oft zu groß sind, Bahnverbindungen nicht vorhanden sind und Autofahrten anstrengender und gefährlicher als in Europa, bleibt nur das Fluigzeug als Transportmittel. Doch die meisten Inlandsflüge sind mittlerweile ausgebucht.

Der "Gautrain" zwischen Johannesburg und Pretoria wurde nicht zur WM fertiggestellt. Die Verantwortlichen erklärten, dass sei aber auch gar nicht so geplant gewesen.

SPORTLICHE ZWISCHENBILANZ:

Weltmeister Italien und Vizeweltmeister Frankreich schieden nach schwachen bis katastrophalen Leistungen in der Vorrunde aus.

Überhaupt war das Niveaus des Turniers eher bescheiden: Es gab nur sehr wenige wirklich gute Spiele bei dieser WM. Deutschland gegen England war wohl der bisherige Höhepunkt.

Europameister Spanien, die Niederlande und Deutschland halten Europas Flagge hoch 256033(DIASHOW: So schön jubelt Deutschland).

Dass mit Ghana ein afrikanisches Team in der Runde der letzten Acht steht, ist für die Stimmung super.

Südamerikanische Halbfinals?

Dass aber vier Mannschaften aus Südamerika bei der WM noch dabei sind, ist etwas überraschend.

"Die südamerikanischen Mannschaften spielen ein gutes Turnier. Wir zeigen hier, dass wir auf hohem Niveau spielen. Anstatt den 4,5 WM-Tickets sollte man unserem Kontinent gleich fünf geben", sagte Uruguays Torjäger Diego Forlan.

Es ist sogar möglich, dass alle vier Halbfinalisten aus Südamerika kommen. Nur Paraguay ist im Viertelfinale gegen Spanien Außenseiter.

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