Die Journalisten-Nationalmannschaft verliert auch ihr zweites Spiel in Südafrika - allerdings gegen einen aktuellen Europameister.

Ich habe die Augen noch nicht wirklich auf. Sehschlitze, okay. Aber mehr ist noch nicht.

Es ist wieder früh am Morgen, die deutsche Journalistenauswahl steht in Pretoria vor ihrem zweiten Spiel.

Die Vorbereitung auf den Gegner ist mangels Zeit keineswegs ideal gewesen, schließlich hat man reichlich anderes zu tun.

Gegen wen geht es doch gleich? Aha, die deutsche Nationalmannschaft der Bürgermeister. Die gibt?s wirklich.

"Die kommen zu 60 Prozent aus Baden-Württemberg, der Rest aus Deutschland", sagt Schiedsrichter Walter Eschweiler.

Jetzt weiß ich Bescheid. Und beginne nachzudenken, ob diese offenbar dann doch irgendwie internationale deutsche Auswahl womöglich auf Staatskosten hier in Südafrika weilt.

Kann sein, muss aber nicht. Mein journalistischer Wissensdurst reicht um kurz vor 9 Uhr noch nicht dazu aus, dem auf den Grund zu gehen.

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Kurzes Aufwärmen, Mannschaftsfoto. Plötzlich spurtet eine Gruppe Frauen auf uns zu. "Noch könnt ihr lachä", sagt eine und zieht eine Kamera.

Aha, die Spielerfrauen sind mitgereist. Und das mitteilungsbedürftige Exemplar gehört unzweifelhaft zu einem Kicker der von Eschweiler erwähnten 60 Prozent.

Wahrscheinlich gibt es irgendwo eine Galerie der Bürgermeister-Opfer, in die wir uns nun einreihen dürfen. Ich bin begeistert.

Die Jungs selbst scheinen bestens vorbereitet. Vor dem Anpfiff bekommt jeder von uns einen Wimpel der Bürgermeister-Nationalmannschaft in die Hand gedrückt. So was Edles besitzen wir natürlich nicht.

Wir sind ja schon froh, wenn sich trotz des Termindrucks ein einigermaßen schlagkräftiges Team zusammenstellen lässt.

Der Anpfiff ertönt, so langsam werde ich wach. Und registriere, dass ich auf dem Feld immer wieder einem Herrn Dorfmeister begegne.

Zumindest steht das auf seinem Trikot. Ich gestehe mir ein, dass man mit so etwas in einer Bürgermeisterauswahl durchaus hätte rechnen können.

Wir verkaufen uns nicht schlecht. Aber der Ball ist eine Katastrophe. "Flach kannste nicht passen, weil diese Beach-Pille dann zu hoppeln beginnt. Schlägst du den langen Ball, eiert das Ding unkontrollierbar in der Luft herum", sagt ein Kollege.

Er hat mal Oberliga gespielt, da gab es sicher besseres Spielgerät. Wir haben übrigens NICHT mit Jabulani gekickt, dies sei explizit erwähnt.

Womöglich hat unsere - der Münchner möge mir verzeihen - gomezque Chancenauswertung doch eher mit eigenem Unvermögen zu tun.

Denn die Bürgermeister schenken uns einen sehenswerten Lupfer aus 24 Metern und einen Kopfball ein, der nach einer Maßflanke kein großes Problem mehr war.

Präzision, so scheint es, ist auch mit diesem Flummi möglich. An diesem Morgen aber nicht für uns.

Nach hartem Kampf geben wir uns mit 0:2 geschlagen. "Leute, das war gar nicht übel. Ich hätte nicht mit so viel Gegenwehr gerechnet", darf ich mir beim Handshake anhören.

"Wieso, was habt ihr denn erwartet?", frage ich. "Na, eher einen Haufen Fußballtheoretiker."

Danke dafür, denke ich, nun mehr denn je bedient von dieser vermeidbaren Niederlage. Dabei, so erfahre ich später, war unser Abschneiden wirklich ehrenwert.

Denn die deutschen Bürgermeister sind amtierender Europameister. In der Neuauflage des EM-Finals der Bürgermeister von 2008 haben sie kurz vor der Abreise nach Südafrika die Amtskollegen aus Italien mit 6:2 geschlagen. Da macht sich ein 0:2 gar nicht so schlecht.

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