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Spaniens David Villa erzielte gegen Paraguay seinen fünften WM-Treffer © getty

Der Europameister kämpft Paraguay im Viertelfinale nieder und trifft nun aufs DFB-Team. Ein Elfmeter-Drama prägt die Partie.

Johannesburg - Arbeitssieg nach Elfmeter-Komödie und ein Billard-Tor.

Europameister Spanien hat die nächste Hürde auf dem Weg zum ersten WM-Titel übersprungen und will Deutschland wie schon im EM-Finale den großen Triumph verwehren. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Der Topfavorit zog durch ein mühevolles 1:0 (0:0) in einem verrückten Spiel gegen Außenseiter Paraguay erstmals in ein WM-Halbfinale ein. (SPIELPLAN: Die Viertelfinals)

Am Mittwoch geht es in Durban gegen die DFB-Auswahl. Paraguay kann trotz der Niederlage in seinem ersten WM-Viertelfinale erhobenen Hauptes nach Hause fliegen.

Elfmeter-Posse in drei Akten

55.359 Zuschauer im Ellis Park von Johannesburg erlebten zunächst eine wohl einmalige Elfmeter-Posse in drei Akten:

Erst versagten Paraguays Oscar Cardozo die Nerven (59.), 60 Sekunden später zeigte Schiedsrichter Carlos Batres aus Guatemala wieder auf den Punkt, und der Spanier Xabi Alonso verwandelte sicher - jedoch nur im ersten Anlauf. 258713(die Bilder des Spiels)

Als Batres eine Wiederholung anordnete, hielt Torhüter Justo Villar. Beim Nachschuss wurde Cesc Fabregas zwar von Villar elfmeterreif gefoult, aber Batres hatte offenbar genug von Strafstößen.

Villa mit fünften Turniertreffer

David Villa knackte schließlich die kompakte Defensive der Südamerikaner mit dem nicht weniger kuriosen Siegtor (83.).

Drei Pfostentreffer in drei Sekunden waren Villas fünftem Turniertor vorausgegangen. "Wir sind zufrieden und genießen diesen Moment", sagte Trainer Vicente Del Bosque.

Spaniens Torhüter Iker Casillas rettete gegen die eingewechselten Lucas Barrios und Roque Santa Cruz den Sieg (89.).

Paraguays Coach Gerardo Martino ärgerte sich: "Wir hatten unsere Möglichkeiten. Das Spiel hätten wir auch zu unseren Gunsten entscheiden können, das hat aber Spanien getan."

Seine Zukunft als Nationaltrainer Paraguays ließ er offen. "Die WM war der Höhepunkt eines vierjährigen Abschnitts. Nun geht es von vorn los. Mit mir oder ohne mich", sagte der 47 Jahre alte Argentinier.

"Es wird ein großes Spiel"

Deutschland hat gegen die Spanier nach bisher 20 Duellen eine positive Bilanz (8 Siege, 6 Niederlagen, 6 Unentschieden), auch bei WM-Endrunden:

Von drei Spielen ging keines verloren, zuletzt trafen beide Mannschaften 1994 in der Vorrunde in den USA aufeinander (1: 1). Jedoch blieb das letzte Duell in schlechter Erinnerung: Es war das 0:1 im EM-Finale von Wien 2008.

"Es wird ein großes Spiel. Deutschland hat momentan die beste Mannschaft", sagte del Bosque mit Blick auf das Halbfinale.

Torres erneut blass

Das heutige Sorgenkind Fernando Torres erzielte damals den Siegtreffer, und der Blick auf die spanische Aufstellung zeigte deutlich, dass Trainer Vicente Del Bosque eine Nibelungentreue zu seinem Angreifer entwickelt hat.

Obwohl Torres in den ersten vier WM-Spielen insgesamt nur zwei Schüsse aufs gegnerische Tor gebracht hatte, bekam er noch einmal eine Chance.

Torgefahr allerdings strahlte er zunächst nicht aus, und die Spanier spielten generell nicht, wie die Nummer 2 der Weltrangliste gegen die Nummer 31 spielen sollte.

Paraguay störte sehr aggressiv und laufintensiv die Kreise des Europameisters, der somit nicht in der Lage war, sein gefürchtetes Kurzpass-Spiel aufzuziehen. In der 56. Minute hielt selbst Del Bosque nicht mehr am wieder erschreckend harmlosen Torres fest, Fabregas kam als Ersatz.

Dass Paraguays Trainer Gerardo Martino seine Mannschaft nach der schwachen Achtelfinal-Vorstellung gegen Japan in der Offensive komplett umgestellt hatte, machte sich nicht negativ bemerkbar.

Im Gegenteil: Jonathan Santana, einer von sechs Neuen in der Startelf, hatte bereits in der ersten Minute eine Chance, den 16-m-Schuss des Wolfsburgers parierte Casillas.

Barrios nur eingewechselt

Barrios von Borussia Dortmund war eines der Opfer der großen Rotation, für ihn spielte sein Teamkollege Nelson Valdez im Sturm.

Spanien schien von der Spielweise des Außenseiters überrascht und bekam keine Ordnung ins Spiel. Wo immer ein Spanier am Ball war, kam ein Gegner herangeflogen.

Allerdings stellte sich nach 25 Minuten doch eine spanische Dominanz ein, der Topfavorit kam zu ersten Gelegenheiten, aber nur aus der Distanz, weil Paraguay klug Pässe in die Tiefe verhinderte.

Abseitstor von Valdez

Xavi schoss aus 20 Metern aufs Tornetz (29.), Torres verpasste eine scharfe Flanke von Andres Iniesta (34.).

Paraguay war nun gezwungen, auf Konter zu setzen, einen hätte Santana fast zum 1:0 genutzt - er verpasste den Ball nach Hereingabe von Claudio Morel um Zentimeter.

Ein Treffer von Valdez (41). wurde wegen Abseits nicht anerkannt. Eine knappe Entscheidung.

Nach dem Strafstoß-Festival war Spanien besser, aber keineswegs zwingend - bis zum Tor. Nun wartet Deutschland. Und Stürmer Villa ist optimistisch: "Wir sind gut drauf, haben unser Potential aber noch lange nicht ausgeschöpft."

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