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In ganz Deutschland versammelten sich Millionen Fans beim Public Viewing © getty

Ganz Deutschland feiert: Den Sieg der DFB-Elf über Argentinien verfolgen Millionen beim Public Viewing - trotz Hitze-Warnung.

Köln - Auf den Fanmeilen schallte aus Hunderttausenden Kehlen "Oh, wie ist das schön", in den Städten gab es ausgelassene Autokorsos und Hupkonzerte, in den Kneipen floss das Bier trotz der hohen Temperaturen in Strömen:

Allen Gesundheitswarnungen, Hitzewellen und Wolkenbrüchen zum Trotz haben Millionen Fans in ganz Deutschland eine heiße und friedliche Fußball-Fete gefeiert.

Allein 350.000 Menschen verfolgten bei knapp 40 Grad am Samstag auf der Fanmeile in Berlin den furiosen Auftritt der deutschen Nationalmannschaft, feierten ausgelassen den 4:0 (1:0)-Triumph gegen Argentinien und den Einzug ins WM-Halbfinale 258536(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Alle Dämme gebrochen

Auch in der Kölnarena, auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg und im Olympiastadion von München kamen mehrere Zehntausend bunt verkleideter DFB-Anhänger zusammen, um das Spiel zu verfolgen und dem Team von Bundestrainer Joachim Löw zuzujubeln.

Spätestens nach dem 2:0 durch Miroslav Klose in der 67. Minute kannte der Jubel keine Grenzen, alle Dämme drohten zu brechen 209269(DIASHOW: Klassiker Deutschland - Argentinien).

In Hamburg zogen die meisten der 70.000 Besucher nach dem Schlusspfiff sofort weiter und verwandelten die Reeperbahn in eine einzige Partyzone.

Wenig Zwischenfälle

Nach ersten Informationen blieb bei den Feierlichkeiten alles friedlich und ohne größere Zwischenfälle.

In Berlin verzeichnete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) 120 Hilfeleistungen, zehn Personen mussten mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht werden. "Das ist angesichts der Massen ein geringer Anteil", sagte ein DRK-Sprecher.

Selbst deutsche Auswanderer mussten nicht auf das Gemeinschaftsvergnügen Fußball verzichten.

Leinwand für Auswanderer

Die deutsche Botschaft in Paris baute extra eine Leinwand im Garten auf, auch im deutschen Konsulat in New York oder im Goethe-Institut in Washington konnte man das Spiel verfolgen.

In der Großdiskothek Megapark in El Arenal auf Mallorca feierten 6000 Urlauber erst Jürgen Drews und Costa Cordalis, dann Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller.

In Deutschland gab es an den Public-Viewing-Standorten in nahezu allen Städten des Landes - bevorzugt auf Marktplätzen oder in Fußball-Stadien wie den WM-Arenen in Gelsenkirchen oder Leipzig - schon Stunden vor dem Anpfiff der Partie um 16 Uhr großen Zulauf.

"Menschenleben könnten gefährdet sein"

Vom Königsufer in Dresden über den Opernstrand in Frankfurt bis zum Schlossplatz in Stuttgart, von Suhl über Bitterfeld bis Bernkastel-Kues, vom Kobelt-Zoo in Schwanheim über das Waldfest in Kreuth am Tegernsee bis zur Kulturhöhle im sauerländischen Balve - überall verfolgten Tausenden Fans gemeinsam die Partie in Kapstadt.

Dabei hatten Metereologen wegen der großen Hitze extra eine Warnung ausgegeben.

"Seit vier Tagen warnen wir bereits vor dieser Wetterfront, vor allem die Westhälfte Nordrhein-Westfalens wird davon betroffen sein", sagte Meteorologe Günther Hamm vom Wetterdienst Essen: "Schlimmstenfalls könnten Menschenleben gefährdet sein."

Regenschauer in Köln

Die meisten Fans ließen sich davon jedoch nicht abhalten. Die Veranstalter in Berlin reagierten auf die Gefahr, indem sie alkoholfreie Getränke preiswerter abgaben als bei den letzten Veranstaltungen (Der WM-Spielplan).

Auf dem Friedensplatz in Dortmund wurden die Fans gar mit kostenlosem Trinkwasser versorgt.

In Köln öffnete eine Stunde vor dem Anpfiff der Himmel seine Schleusen, die Polizei und der Veranstalter mussten die Außenfläche der Kölnarena räumen.

Blitz schlägt ein

Die Besucher wurden in die Gänge gebracht, um sich dort vor dem starken Regen unterzustellen, sagte ein Polizeisprecher.

Verletzte habe es dabei keine gegeben, auch die 50 Quadratmeter große Leinwand habe die starken Regenfälle unbeschadet überstanden, kurz nach dem 1:0 von Thomas Müller konnten die Fans das Spiel wieder im Freien verfolgen.

Dafür schlug der Blitz aber in den nahegelegenen Kölner Dom ein. Dort, wo es trocken blieb, verzichteten die Veranstalter oft auch auf den künstlichen "Wassernebel".

"Wettersicherheit" in Dortmund

Die Gründe: Das rasche Abkühlen könne Kreislaufzusammenbrüche hervorrufen. Außerdem sei die sommerliche Kleidung durch Wasser schnell transparant, Mobiltelefone oder Kameras könnten beschädigt werden.

Andere Veranstalter, wie die Westfalenhallen in Dortmund, warben mit der "Wettersicherheit" durch die Klimatisierung der Halle 4.

Allerdings waren unter dem Hallendach keine Vuvuzelas erlaubt. Dafür gab es in Dortmund sogar einen Service für VIP-Fans, die sich für 59 Euro in einem separaten Bereich mit "bester Sicht auf die Leinwand" verköstigen lassen konnten.

Andere Sportarten haben Nachsehen

Auch privat trafen sich unzählige Fans zur Fußball-Fete im heimischen Garten. In vielen Supermärkten war das Grillfleisch schon am Samstagmorgen ausverkauft (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Auch die anderen Sportarten hatten gegen die Übertragung der Fußball-WM keine Chance. Bei der DTM auf dem Norisring wurde das Viertelfinale auf fünf Großbildleinwänden und einer Leinwand im Festzelt übertragen.

Sogar der Zeitplan wurde angepasst. Während des Spiels fanden lediglich schallgedämpfte Renntaxifahrten statt, um die Übertragung des Spiels nicht zu stören.

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