Udo Lattek bescheinigt dem deutschen Team eine sensationelle Leistung in jeder Hinsicht. Vor Spanien hat er keine Angst.

Hallo Fußball-Freunde,

ich bin genauso überrascht wie die meisten Leute, dass die Mannschaft gegen Argentinien und auch schon gegen England so gut gespielt hat.

Nach dem 0:1 gegen Serbien dachte ich, jetzt werden sie nervös und unruhig, jetzt wollen sie es mit Gewalt erreichen und wir fangen wieder von vorne an.

Aber genau das Gegenteil war der Fall: Diese Niederlage ist noch zum richtigen Zeitpunkt gekommen.

Die Spieler haben sich gesagt: So können wir nicht spielen, wir können mehr, wir müssen den Leuten mehr anbieten - und das haben sie dann auch getan.

Jetzt spielen die Jungs sensationell in jeder Hinsicht: Schnelligkeit, Taktik, Raumaufteilung, alles. Das ist einmalig.

Das ist eine so starke Leistung, da kann man nur den Hut ziehen.

Der Knackpunkt war für mich die frühe Führung durch Müller. Die Argentinier fühlten sich persönlich beleidigt. Die konnten es gar nicht begreifen, dass es jemand wagt, in den ersten drei Minuten ein Tor gegen sie zu schießen.

Die Argentinier dachten, sie machen das schön locker. Aber dass sie dauernd unter Druck gesetzt wurden, dass sie nie die Zeit hatten, wirklich ihr Spiel aufzuziehen, dass Messi überhaupt nicht in den Tritt gekommen ist, damit hat keiner gerechnet.

Das war eine Demonstration unserer Mannschaft.

Wobei die Frage jetzt wieder kommen wird, ob Diego Maradona als Nationaltrainer wirklich eine gute Wahl war.

Ich habe mit ihm ein Jahr beim FC Barcelona zusammengearbeitet. Er ist privat ein unheimlich liebenswerter Kerl, der von seinen Mitspielern hoch geachtet wurde.

Bei der WM hat man Diego an der Außenlinie hin und her tanzen gesehen wie ein kleines Hampelmännchen, und das war?s dann auch.

Letztlich weiß keiner von uns, wer bei den Argentiniern die Arbeit wirklich gemacht hat.

Bei der deutschen Mannschaft steht das außer Frage. Joachim Löw hat unheimlich viel in die Truppe investiert, um das jetzige Top-Niveau hinzukriegen.

Am Samstag sah es so aus, als ob jeder deutsche Spieler in jedem Moment gewusst hat, was er jetzt gerade zu tun hat. Bei den Argentiniern war es eher auf Zufall abgestellt - das war ein wesentlicher Unterschied.

Jetzt hat Jogi natürlich bei Gesprächen über seine Vertragsverlängerung die beste Ausgangssituation, die es für einen Trainer überhaupt gibt.

Er kann sagen, was er will - es muss gemacht werden. Wenn es nicht gemacht wird, stellt er sich auf stur und dann hat der DFB den schwarzen Peter.

Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass die ganze Diskussion bei einer Niederlage im Halbfinale wieder in die andere Richtung läuft.

Wobei mir die Spanier keine Angst machen. Die Frische, das Selbstbewusstsein und der Biss, den sie bei ihrem EM-Triumph vor zwei Jahren gezeigt haben, ist nicht mehr da.

Wenn wir so spielen wie gegen England und Argentinien, dann haben wir alle Möglichkeiten der Welt, auch die Spanier zu schlagen.

Wenn wir wieder das Glück haben sollten, ein frühes Tor zu machen, dann wird sogar etwas Ähnliches passieren, wie im Spiel gegen Argentinien.

Bis nächste Woche!Euer Udo Lattek

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