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Brasilien verfiel nach dem Viertelfinal-Aus in große Trauer © getty

Brasiliens Verbandschef Teixeira fordert eine Umstrukturierung des Nationalteams. Der Kader soll dabei verjüngt werden.

Rio de Janeiro - Rekord-Weltmeister Brasilien startet das Projekt "Jugend forsch" und setzt künftig auf Psycho-Doping:

Als Konsequenz aus dem vorzeitigen WM-Aus der Nationalmannschaft wird Verbandschef Ricardo Teixeira der Auswahl eine Verjüngungskur im Hinblick auf die Heim-Weltmeisterschaft 2014 verordnen.

"Ich will, dass das neue Team schon das Team für 2014 ist. Wir brauchen Spieler im Alter von 19 und 20 Jahren", erklärte der CBF-Boss in seiner ersten Stellungnahme nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande (1:2).

Aus dem nervenschwachen Auftritt der Dunga-Elf in der zweiten Hälfte gegen Oranje will der CBF-Chef eine weitere Konsequenz ziehen.

Psychologe für Brasilien

"Mal laut nachgedacht, wir brauchen einen Psychologen für die Selecao", sagte Teixeira, der über eine erneute Pleite wie bei der Heim-WM 1950 erst gar nicht nachdenken will.

Beim dreimaligen Weltmeister Deutschland ist schon seit Jahren in Hans-Dieter Hermann ein Psychologe im Einsatz.

Wichtiger ist aber derzeit bei den Brasilianern die Suche nach einem Nachfolger für Dunga.

Mit einem Kandidaten für den vakanten Cheftrainer-Posten habe er noch nicht gesprochen, dem neuen Mann gibt Teixeira jedoch einen klaren Auftrag.

Keine großen Namen mehr

"Es hilft nichts, wenn einer kommt und schon gegen die USA (am 10. August nächster Länderspielgegner) gewinnen will. Entweder bilden wir eine neue Selecao oder wir bilden eine neue Selecao - es gibt keine Option", sagte Teixeira.

Möglicherweise wird der fünfmalige Weltmeister Brasilien künftig nicht mehr auf einen prominenten Namen wie Luiz Felipe Scolari setzen:

"Manchmal hat ein Trainer mit großem Namen die meiste Angst vor Misserfolg."

Seitenhieb gegen Dunga

Einen Seitenhieb auf den entlassenen Nationaltrainer Dunga konnte sich Teixeira auch nicht verkneifen.

"Bei dieser WM hat Deutschland neun Spieler unter 23 Jahren, Ghana elf, Argentinien sieben und Spanien sechs. Wir hatten lediglich einen", sagte der Chef-Organisator der WM-Endrunde 2014 mit Verweis auf den jungen Mittelfeldspieler Ramires.

Teixeira bereitete die 180 Millionen Brasilianer zudem auf eine mögliche Durststrecke im Hinblick auf die WM 2014 vor.

"Der CBF, ich, die Presse und die Fans müssen sich darauf vorbereiten, dass die positiven Resultate erst einmal ausbleiben. Alle müssen Ruhe bewahren und sich auf Rückschläge einstellen", betonte er.

"Entlassung war abgesprochen"

Teixeira haderte mit der fehlenden Nervenstärke der brasilianischen Spieler, die eine 1:0-Führung gegen Oranje im zweiten Durchgang des Viertelfinales in Port Elizabeth verspielt hatten.

"Es ist die zweite WM in Folge, in der wir im Vorfeld alles gewonnen haben, aber, als es darauf ankam, nicht das erwartete Ergebnis geholt haben", sagte der Verbands-Chef.

"Niemand hatte erwartet, dass Brasilien zu diesem Zeitpunkt ausscheiden würde. Gegen Holland waren es zwei Spiele, eins in der ersten Hälfte und das zweite nach der Pause."

Zur Trennung vom ehemaligen Stuttgarter Bundesliga-Profi und Weltmeisterkapitän von 1994, Dunga, der vier Jahre im Amt war, habe es keine Alternative gegeben.

Teixeira: "Der Trainerwechsel war normal, nichts Neues. Die Entlassung war schon abgesprochen, bevor Dunga in Brasilien gelandet ist."

Offener Brief

Der 46 Jahre alte Coach hatte am Montag einen offenen Brief geschrieben.

"Ich nehme ihre Entscheidung an. Es steht mir nicht zu, zu urteilen, ob sie richtig oder falsch ist", ließ Dunga verlauten.

Laut Aussage seines Pressesprechers Juarez Rosa ist dies die einzige Erklärung, die Dunga zur WM abgeben wird.

Dunga weiter:

"Mit Sicherheit haben wir die Fehler der Vergangenheit korrigiert. Im Vergleich zu 2006 haben wir die Selecao neu aufgestellt, das beweisen die jüngsten Meinungsumfragen in der Bevölkerung, die wachsende Zahl von Sponsoren und die Erfolge, die wir errungen haben."

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