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Ghana schied im WM-Viertelfinale unglücklich gegen Uruguay aus © getty

Afrikas einziger Viertelfinalist wird zu Hause begeistert empfangen. Der Weltfußballer von 1995 fordert einen Neuaufbau. WM-Splitter.

München - Einen begeisternden Empfang erlebten die Spieler der ghanaischen Nationalmannschaft, darunter auch der gebürtige Berliner Kevin Boateng, bei der Ankunft in der Hauptstadt Accra.

Am Kotoka-Flughafen hatten sich schon sechs Stunden vor der erwarteten Ankunft Tausende Fans eingefunden.

Als die Maschine mit der Mannschaft der "Black Stars" mit zweistündiger Verspätung um 01.30 Uhr MESZ landete, brandete lauter Jubel auf.

Die Anhänger der ghanaischen Auswahl, die unglücklich im WM-Viertelfinale in Südafrika gegen Uruguay im Elfmeterschießen den Kürzeren gezogen hatte, schwenkten Fahnen, schlugen Trommeln und bliesen Vuvuzelas, als die Spieler die Gangway des Flugzeugs hinunterstiegen.

Großer Empfang

Auf Transparenten stand zu lesen: "Wir lieben unsere Helden, Ihr habt Ghana und Afrika stolz gemacht!"

Die Ghanaer hatten als drittes Land nach Kamerun (1990) und Senegal (2002) die Runde der letzten Acht bei einer Weltmeisterschaft erreicht.

"Ihr habt die Fahne Ghanas und des ganzen afrikanischen Kontinents hochgehalten", sagte Nii Nortey Duah, der stellvertretende Sportminister Ghanas, in einer kurzen Ansprache am Flughafen.

Kapitän Stephen Appiah erwiderte: "Wir haben unser Bestes gegeben, aber das Glück war nicht auf unserer Seite. Wir wollen auch 2014 in Brasilien ein ernstzunehmender WM-Teilnehmer sein."

SPORT1 fasst weitere WM-Meldungen zusammen.

Weah fordert Neubeginn

Nach dem schwachen Abschneiden der afrikanischen Teams hat der ehemalige liberianische Star George Weah die Strukturen im afrikanischen Fußball kritisiert 253025(DIASHOW: Tops und Flops der WM).

"Afrika hat den Willen und die Talente. Aber wenn wir die Spieler nicht ermutigen, werden wir auch bei zukünftigen Weltmeisterschaften Enttäuschungen erleben", sagte der Weltfußballer von 1995. "Wir müssen noch einmal von vorne anfangen und die Fehler korrigieren."

Fünf der sechs in Südafrika angetretenen afrikanischen Teams wurden von ausländischen Trainern betreut.

Nur Algerien setzte in Rabah Saadane auf einen Coach aus dem eigenen Land. Für Weah ist das der falsche Weg.

"Es ist an der Zeit, in unsere eigenen Trainer zu investieren, die nah an den Spielern dran sind", forderte der ehemalige Milan-Profi:

"Wir dürfen keine Trainer bezahlen, die nur des Geldes wegen kommen und zwei oder drei Wochen nach dem Turnier wieder verschwinden."

Platini lobt Halbfinalisten

UEFA-Präsident Michel Platini ist hellauf begeistert, dass die europäischen Mannschaften auch bei der Weltmeisterschaft ihre Vormachtstellung untermauert haben und drei der vier Halbfinalisten stellen.

"Die drei Nationen, die in den vergangenen zehn Jahren die meisten Jugendturniere gewonnen haben, stehen nun im Halbfinale", sagte der 55-Jährige und verwies auf Deutschland, Europameister Spanien und die Niederlande.

Die U-21-Junioren des Deutschen Fußball-Bundes hatten 2009 den EM-Titel errungen, Oranje im Jahr 2007 den EM-Triumph ebenfalls in der U21 gefeiert.

Gute Nachwuchsarbeit

Außerdem hob Frankreichs einstiger Weltstar die traditionell gute Nachwuchsarbeit Spaniens hervor.

Die Iberer hatten viermal in Folge den UEFA-Maurice-Burlaz-Pokal als Auszeichnung für die besten Resultate bei den Jugendwettbewerben der Europäischen Fußball-Union gewonnen.

Platini: "Ist dies alles nur Glückssache? Ich glaube nicht."

FIFA akzeptiert Nigerias Rückzieher

Nach der Aufhebung des Bannstrahls für die "Super Eagles" durch die nigerianische Regierung am Montag hat auch die FIFA von allen Sanktionen Abstand genommen.

Nach Angaben der FIFA versicherte Staatspräsident Goodluck Jonathan in einem Brief, dass Nigerias Regierung den Nationalmannschaften nicht länger verbietet, in den kommenden zwei Jahren an jeglichen internationalen Wettbewerben teilzunehmen.

Nigerias Staatspräsident Jonathan hatte in der vergangenen Woche die Auswahl aufgrund des enttäuschenden Abschneidens bei der WM in Südafrika für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurückgezogen und eine Neuorganisation des nigerianischen Fußballs angeordnet.

Die Regeln der FIFA untersagen aber ausdrücklich staatliche Einmischung in die Belange der autonomen Fußball-Verbände.

Hätte die nigerianische Regierung nicht eingelenkt, wäre eine Suspendierung des nigerianischen Verbandes durch die FIFA unvermeidbar gewesen.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Die bei der WM in Südafrika bisher eher laxen Sicherheitsvorkehrungen werden vor den Finalspielen offenbar verschärft.

"Wir haben die Sicherheitsmaßnahmen vor den Halbfinalspielen und dem Finale verschärft", sagte Andre Pruis, Leiter der WM-Sicherheitskommission der südafrikanischen Zeitung "The Citizen".

Nach Angaben des Polizeioffiziers handelt es sich dabei aber um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Eine konkrete Bedrohung läge nicht vor.

Zuma: Sozialer Nutzen unbezahlbar

Nach Ansicht von Staatspräsident Jacob Zuma haben sich die Investitionen der südafrikanischen Regierung im Rahmen der WM schon jetzt bezahlt gemacht.

"Wirtschaftlich war das Turnier ein Erfolg. Wir können sagen, dass sich die Investitionen gelohnt haben, darunter auch die 33 Milliarden Rand (umgerechnet etwa 3,4 Milliarden Euro), die wir in das Transport- und Telekommunikationswesen sowie die Stadien gesteckt haben", sagte Zuma.

Durch die mit der Austragung der WM verbundenen Projekte seien zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden.

"Die Investitionen in die Stadien haben 66.000 Jobs im Bausektor geschaffen. Dank der Ausgaben für Sicherheit wurden 40.000 Polizisten langfristig eingestellt", sagte das Staatsoberhaupt.

Ökonomischer Faktor

Während des Turniers sind die Einnahmen im Tourismussektor der Kap-Republik durch Hotelbuchungen und einer höheren Nachfrage an Mietwagen deutlich gestiegen.

Wirtschaftsexperten gehen allerdings davon aus, dass nur 13 Milliarden Rand (1,4 Milliarden Euro) durch WM-Touristen direkt in die südafrikanische Wirtschaft fließen.

Über den ökonomischen Faktor hinaus profitiere laut Zuma aber die südafrikanische Gesellschaft ungemein von der WM im eigenen Land.

"Der soziale Nutzen ist unbezahlbar. Die Südafrikaner haben auf bemerkenswerte Weise Einheit, Patriotismus und Solidarität demonstriert. Das hat es so in diesem Land noch nicht gegeben", sagte Zuma und kündigte an: "Auf diesem Erfolg wollen wir aufbauen."

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