Deutschland bleibt gegen Spanien im WM-Halbfinale fast ohne Chance. Ein Grund zum Verzweifeln ist die Pleite dennoch nicht.

Deutschland hat das WM-Finale verpasst. Das schmerzt enorm.

Und doch musste selbst der leidenschaftlichste Fan an diesem Mittwochabend anerkennen, dass der Erfolg der Spanier verdient war. Der Lehrmeister hat ein weiteres Mal nach dem EM-Finale 2008 dem gelehrigen Schüler gezeigt, wer der Meister ist.

Bundestrainer Joachim Löw hat in seiner Arbeit immer wieder die Spanier zum Vorbild genommen.

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Ihr präzises Flachpass-Spiel imponiert - genauso wie die Fähigkeit, konstant auf sehr hohem Niveau zu agieren.

"Sie haben viele Messis", unkte Löw schon vor dem WM-Halbfinale.

Und anders als die Argentinier begegneten die Spanier Deutschland mit dem höchsten Respekt. Trainer Vicente Del Bosque stellte sogar sein System auf den Gegner um, engte die DFB-Elf mit einem Fünfermittelfeld ein.

Die Sechser Xabi Alonso und Sergio Busquets sowie das Trio mit Xavi, Andres Iniesta und dem wendigen Pedro erledigten ihren Job außerordentlich gut. Vor allem nach der Pause erarbeiteten sich die Iberer große Chancen.

Eine Gegenwehr ließ sich kaum aufbauen. Derart fix und präzise zirkulierte der Ball, dass selbst für Zweikämpfe kaum eine Möglichkeit blieb.

Ausgerechnet gegen Deutschland zauberte Spanien die beste Turnierleistung aus dem Hut. Die DFB-Truppe mühte sich, fand aber keinen Hebel gegen diesen Kontrahenten.

Obendrein wähnte sich manch einer nach den Glanztaten zuvor schon mit einem Bein im Finale. Nach vorne blieben Mesut Özil und Mitspieler in dieser Partie jedenfalls überfordert. Wirbelwind Thomas Müller wurde schmerzlich vermisst.

Am Ende hieß es wieder 0:1 - wie im EM-Finale. Und wieder schien ein deutsches Tor nach der spanischen Führung so unwahrscheinlich wie der erfolgreiche Anbau einer Orangen-Plantage in Oberbayern.

Hat sich die deutsche Mannschaft also seit 2008 nicht weiterentwickelt?

Im Gegenteil. Deutschland ist näher an die Weltspitze herangerückt, hat ein junges Team, dessen große Zeit noch bevorsteht. Vor allem: Diese Mannschaft hat bei der WM nicht nur ihr Land begeistert, sondern die ganze Welt mit den berauschenden Siegen über England und Argentinien.

Joachim Löw hat seine Ideen schon vor der WM konsequent verfolgt. Er ließ den Haudegen Torsten Frings genauso zu Hause wie Torjäger Kevin Kuranyi. Sie hätten nicht in sein Konzept dieses schnellen Kombinationsfußballs gepasst.

Der Erfolg gibt Löw Recht, selbst wenn nun maximal Platz 3 herausspringen kann. Der DFB und sein oberster Fußballlehrer sollten daher unbedingt weiter zusammenarbeiten.

Gemeinsam haben sie eine große Chance.

Und auch wenn es an diesem Mittwochabend anders erschien, der Abstand zu Lehrmeister Spanien wird in Zukunft gewiss kleiner werden.

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