Nach vier Wochen WM ist es höchste Zeit für die Heimreise. Aber der Weg zum letzten Zwischenstopp ist noch einmal kompliziert.

Als der Pokal übergeben war, Spaniens Weltmeister in der Kabine feierten und das Feuerwerk erloschen war, wollten alle nur noch eins: nach Hause!

Einige Ehrengäste und Journalisten machten sich in Bussen und Shuttle-Fahrzeugen direkt auf den Weg zum Flughafen und von dort in Richtung Heimat, andere suchten verzweifelt nach einem Transportmittel, um möglichst vor dem Morgengrauen ins Hotel zu kommen.

"Wenn sie bis sechs Uhr hier warten wollen, können wir etwas für Sie tun", erklärte mir ein Volunteer im Medienzentrum.

Shuttles zu den großen Hotels in Sandton gab es - nicht aber zu unserer "Snel Lodge" im "nur" 15 Kilometer entfernten Alberton im Süden Johannesburgs.

Nicht dass ein Taxi zu teuer gewesen wäre. Es waren schlichtweg keine aufzutreiben.

Und selbst wenn: Wer steigt schon mitten in der Nacht in die klapprige Rostlaube eines Wildfremden, von dem man nicht einmal weiß, ob er überhaupt eine Lizenz hat oder vielleicht sogar ein Betrüger ist?

[image id="19a2023e-65ba-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Zum Glück hatte uns vor dem Spiel die Managerin der Lodge angeboten, sie würde uns am Stadion abholen. Wir müssten sie nur anrufen, dann könnten wir uns treffen.

Doch dieses Vorhaben gestaltete sich äußert schwierig. Denn rund um das mitten im Niemandsland gelegene Soccer-City-Stadium herrschte nach dem WM-Finale das pure Chaos.

Am Telefon war Tanja kaum zu verstehen, was zum einen am Lärm der abfahrenden Busse, zum anderen an ihrem starken Afrikaans-Akzent lag.

Also schickte sie uns eine SMS mit Ihrem Aufenthaltsort: Parkplatz PS6, Westseite.

Natürlich war dieser weit entfernt vom Internationalen Sendezentrum IBC, wo wir sie vermutet hatten. Wir marschierten also auf die andere Seite des Stadions. Doch wer war nicht auf PS6? Richtig.

"Ich stehe auf PS9, gleich bei der Fußgängerbrücke", krähte Tanja durchs Telefon. Ein Polizist habe ihr vorher gesagt, sie sei auf PS6.

Doch südafrikanische Polizisten, das haben uns die Erfahrungen der letzten sechs Wochen gelehrt, waren meist genauso kompetent wie die Parkplatzwächter. Sprich: überhaupt nicht.

Wir also wieder zurück. Mittlerweile waren wir mehr als eine Stunde zu Fuß unterwegs. Schließlich hatte Tanja eine Idee: "Geht zum IBC, das kenne ich, da sammle ich euch ein."

Gut, denke ich. Aber da waren wir doch vorhin schon. Egal. Wir haben keine andere Wahl. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde, wir waren mittlerweile von der nächtlichen Eiseskälte komplett durchgefroren, tauchte Tanjas weißer Nissan-Pickup vor uns auf.

"Wir müssen noch zwei andere Gäste mitnehmen", erzählte sie. Zum Glück tauchten die Gäste schnell auf: ein niederländisches Pärchen aus Zwolle.

Die beiden waren traurig, denn ihr Team hat gerade das WM-Finale verloren.

Doch das war nicht ihr Hauptproblem: Zwei Mobiltelefone wurden ihnen auf dem Weg aus dem Stadion gestohlen.

Und das nach fünf Wochen am Tag vor ihrer Heimreise. Kontakte, Musik, und am schlimmsten: die schönen Urlaubsfotos. Alles weg!

Dass wir erst um halb drei morgens, hundemüde und durchgefroren, in der Lodge ankamen, war auf einmal nur noch halb so schlimm.

Und dennoch: "Ke Nako" - es ist Zeit. Zeit, um nach Hause zu kommen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel