Huub Stevens bescheinigt Spanien die bessere Leistung, lobt aber auch "Oranje". Als besten Spieler der WM sieht er Xavi an.

Hallo Fußball-Freunde,

die Niederlande hat gegen Spanien im WM-Endspiel den ganz großen Triumph verpasst.

Dennoch bin ich nicht enttäuscht, weil die "Elftal" bei der WM eine gute Rolle gespielt hat und ja auch im Finale stand.

Holland erreichte bisher dreimal ein WM-Finale, das ist für so ein kleines Land eine große Leistung.

Man muss stolz sein, dass man das Fußballgeschehen auf der Welt so mitbestimmt.

Mein Kompliment gilt daher der Spieler- und Trainerausbildung in den Niederlanden.

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Insgesamt waren die Spanier besser. Sie spielen einen sehr guten Fußball, sind technisch und in der Offensive stark.

Die Niederlande hat allerdings taktisch das richtige Konzept gefunden, die Passwege zugemacht und nach vorne hatte "Oranje" ja auch einige Chancen.

Natürlich kann Arjen Robben das Spiel entscheiden. Vielleicht hat er bei seiner ersten Möglichkeit etwas zu lange überlegt.

Ein großes Thema war auch die harte Gangart der Partie. Schiedsrichter Howard Webb hat gewiss nicht seine stärkste Leistung geboten:

Er kann Nigel de Jong Rot zeigen, die Aktion gegen Xabi Alonso war sicher überzogen. Das gilt auch für das Foul von Wesley Sneijder.

Doch auch die Spanier haben meiner Meinung nach dagegengehalten. Das gehört zum Fußball nun mal dazu.

Sicherlich hätte Webb in einigen Situationen anders reagieren können. Dazu zähle ich auch die klare Ecke, die er Holland verweigerte. Daraus resultierte letztlich die Führung der Spanier.

Trotzdem: Über das Turnier gesehen wurde Spanien auf jeden Fall verdienterweise Weltmeister.

Auch Deutschland hat eine starke WM gespielt.

Allerdings haben die Deutschen gegen Spanien den großen Fehler gemacht, nicht auf ihre eigene Stärke zu bauen. Sie haben zu viel reagiert und nicht agiert.

Den Fehler machen die Deutschen bestimmt kein zweites Mal. Es ist eine junge Mannschaft, sie wird daraus lernen.

Aus meiner Sicht ist es gut, dass die jungen Spieler im DFB-Team eine Chance bekommen haben. Doch niemand darf nun denken, dass der Erfolg in Zukunft von alleine kommt. Die Arbeit muss weitergehen.

Was die taktischen Trends der WM betrifft, so war auffällig, dass viele Teams ein System mit einem Stürmer etabliert haben.

Interessanterweise wurde mir in Salzburg und Hamburg der Vorwurf gemacht, nur mit einem Angreifer zu spielen. Doch im Nachhinein waren alle froh, dass wir so gespielt haben.

Der Trend geht außerdem hin zu Offensivspielern, die viel in Bewegung sind. So ein System ist viel schwieriger zu verteidigen als ein System mit zwei Stürmern, die nur im Strafraum spielen.

Auch die Angreifer müssen ihre Arbeit tun. Man hat bei Spanien und Deutschland gesehen, wie viel ein Villa oder ein Klose in Bewegung sind.

Übrigens hätte ich Xavi statt Diego Forlan zum besten Spieler der WM erkoren. Er war der überragende Akteur dieses Turniers!

Für die Medien und das große Publikum sind Spieler, die die Tore machen immer mehr im Fokus.

Doch Xavi ist der Lenker des spanischen Spiels, macht unheimlich viele Kilometer und hat große Qualitäten in der Balleroberung.

Das ist für jede Mannschaft sehr wichtig - und war letztlich mitentscheidend für Spaniens Triumph.

Euer Huub Stevens

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