Die WM war hervorragend organisiert, blieb fußballerisch aber einiges schuldig. Erfolg hatten die Teams, die mit System arbeiten.

"Die Zeit ist reif", lautete das Motto vor der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent.

Und Südafrika widerlegte eindrucksvoll die zahlreichen Kritiker und bewies, dass auch ein Schwellenland das größte Sport-Ereignis der Welt reibungslos organisieren kann.

Trotzdem: Mehr als vier Wochen und 64 Spiele später ist die Zeit ebenfalls reif - für eine Pause.

Nicht nur die Spieler freuen sich auf den verdienten Urlaub, auch die Fans haben genug gesehen.

Zur Übersättigung trug sicherlich das insgesamt eher mäßige Niveau dieser Endrunde bei.

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In Südafrika wurde der letzte Beweis erbracht, dass nicht mehr eine Weltmeisterschaft, sondern die Champions League die Trends im internationalen Fußball vorgibt.

So wurde Spanien verdientermaßen erstmals Weltmeister und hatte auch deshalb das beste Team, weil sechs Spieler (mit Neuzugang Villa sogar sieben) vom FC Barcelona in der Startelf des Endspiels standen.

Würde Spanien gegen ein Barca mit Lionel Messi in Topform spielen, hätte es daher wohl keine Chance.

Das liegt neben der Mischung von Weltklassespielern mehrerer Nationen in den Klubs vor allem daran, dass hier ein Trainer über längere Zeit eine Mannschaft und einen Spielstil erschaffen kann.

Die WM bewies daher auch eindrucksvoll, dass es heutzutage nicht mehr reicht, lediglich mehreren Superstars einen Ball zu geben und darauf zu hoffen, dass sie es schon richten werden.

Exemplarisch stand dafür das Beispiel von Argentiniens Nationalcoach Diego Maradona: Auf dem Platz einst ein Genie, am Spielfeldrand hoffnungslos überfordert

Umgekehrt waren genau die Nationen erfolgreich, deren Trainer konzeptionell arbeiteten und die deshalb als kompakte Einheit auftraten - allen voran Weltmeister-Coach Vicente del Bosque.

Gleiches gilt für Joachim Löw, der nach den Ausfällen von Kapitän Michael Ballack und anderen Stammkräften aus einem krassen Außenseiter einen Titelkandidaten formte.

Hoffnung macht vor allem die Tatsache, dass der Kern des jungen Teams noch mehrere Turniere zusammenspielen kann, und ein seit Jahrzehnten bei einer DFB-Auswahl nicht gesehener Offensiv-Fußball.

Von daher ist es eigentlich zwangsläufig, dass Löw als Baumeister des Erfolgs Bundestrainer bleiben muss.

Dennoch ist sein Verbleib im Amt keinesfalls sicher. Denn Löw hat jetzt alles Recht der Welt, mit Maximalforderungen in die Verhandlungen mit der Verbandsspitze zu gehen.

Er sollte darauf beharren, dass sein erfolgreiches Team - mit Manager Oliver Bierhoff und dem in Ungnade gefallenen Pressechef Harald Stenger - zusammenbleibt.

Denn auch das ist eine Lehre dieser WM: Neben einem Konzept ist auch Kontinuität ein maßgebliches Kriterium für dauerhaften Erfolg.

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