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Dieter Haller trat 1981 in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik ein © getty

Dieter Haller, seit 2007 deutscher Botschafter in Südafrika, zieht im Interview mit SPORT1 sein Weltmeisterschafts-Fazit.

Von Martin Volkmar

München - Die große Fußballparty in Südafrika ist vorbei - und sie wird als Erfolgsgeschichte für das Gastgeberland in Erinnerung bleiben.

Die Südafrikaner haben geschafft, was viele Skeptiker ihr nicht zugetraut hatten:

Ein Großereignis reibungslos und ohne nennenswerte Zwischenfälle auf die Beine zu stellen.

Dieter Haller, seit 2007 der deutsche Botschafter in Pretoria, hatte das schon vorher vorausgesagt und war Zweiflern wie etwa dem Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß entgegengetreten.

SPORT1 sprach mit Haller über seine Bilanz des Turniers und darüber, ob die Regenbogen-Nation auch langfristig davon profitieren wird.

SPORT1: Herr Haller, wie haben Sie die WM erlebt und fällt Ihre Bilanz aus?

Dieter Haller: Die WM in Südafrika war ein großes, ein gelungenes Fußballfest mit vielen sportlichen Höhepunkten. Südafrika hat seine Aufgabe bravourös gemeistert. Die Südafrikaner haben um die eigene Mannschaft Bafana Bafana herum und als stolze Gastgeber neues Nationalgefühl entwickelt. Das Bild des Landes in der Welt hat sich positiv verändert. Die WM hinterlässt ein Vermächtnis, das dem Land zugute kommen wird. Schade, dass das junge, begeisternde deutsche Team nicht ins Finale gekommen ist.

SPORT1: Wie wichtig war es für das Selbstwertgefühl Südafrikas und des gesamten Kontinents, dass diese erste WM in Afrika so reibungslos verlaufen ist?

Haller: Wer die WM vor Ort miterlebt hat, hat den Stolz aller Südafrikaner gespürt. Es ist angesichts der immer wieder besonders im Ausland geäußerten Zweifel für alle ein schönes Gefühl, sich und der Welt bewiesen zu haben, dass Südafrika es kann.

SPORT1: Was bedeutet das für das Land?

Haller: Das wird Südafrika auch neues Selbstbewusstsein geben, die Herausforderungen im eigenen Land zu meistern. Auch anderswo in Afrika ist die Freude mit Händen zu greifen, dass die erste WM auf afrikanischen Boden ein Erfolg war. Nur schade, dass es kein afrikanisches Team ins Halbfinale geschafft hat. Der letzte afrikanische Teilnehmer Ghana ist ja denkbar knapp gescheitert.

SPORT1: Ist die Regenbogen-Nation tatsächlich ein Stück zusammengerückt?

Haller: Ohne Zweifel. Der Sieg von Bafana Bafana gegen den Vize-Weltmeister Frankreich und der Stolz über die eigenen organisatorischen Fähigkeiten haben das Nationalgefühl beflügelt und die Nation enger zusammen gebracht.

SPORT1: Was bleibt ansonsten für das Land nach dem Abpfiff am Sonntag?

Haller: Südafrika hat aus Anlass der Weltmeisterschaft massiv in den Ausbau seiner Infrastruktur investiert. Zirka drei Milliarden Euro gingen in den Bau der Stadien und sonstige Verpflichtungen gegenüber der FIFA. Darüber hinaus hat Südafrika einen mehr als zwanzig Mal höheren Betrag in den Ausbau seiner öffentlichen Infrastruktur investiert.

SPORT1: Was heißt das konkret?

Haller: Die Straßen in und um Johannesburg und andere große Städte, Flughäfen und Häfen wurden ausgebaut und haben Weltstandard. Moderner öffentlicher Nahverkehr wurde eingeführt. Auch die Telekommunikationsnetze wurden massiv ausgebaut. Das bleibt und verbessert das Leben der Südafrikaner.

SPORT1: Hat das auch Auswirkungen auf den Tourismus?

Haller: Als Reiseland wird Südafrika stark von seinem Imagegewinn profitieren. Die riesigen Investitionen in die Infrastruktur des Landes aus Anlass der WM sind die Grundlage für eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach der WM.

SPORT1: Und wie fällt als bekennender Fußball-Fan Ihr sportliches Fazit aus? (261178DIASHOW: Die besten Spieler des WM-Turniers)

Haller: Die WM in Südafrika war voller sportlicher Höhepunkte. Die deutsche Mannschaft hat sich nicht nur zuhause, sondern auch im Gastgeberland und darüber hinaus große Sympathien erworben. Ihr dynamisches, kreatives und innovatives Spiel entspricht dem Ruf, der uns Deutschen und unseren Produkten in Afrika vorausgeht. Die Spiele gegen England und Argentinien waren fußballerische Glanzlichter der WM. Das war große Fußballkunst. Die südafrikanische Mannschaft hat in ihrem letzten Spiel gegen Frankreich Kampfgeist und Moral gezeigt. Das ist ihr in Südafrika hoch angerechnet worden.

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