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Diego Maradona wurde 1986 als Spieler mit Argentinien Weltmeister © imago

Maradona soll die "Gauchos" wieder flott machen. Doch die bisherige Bilanz des Neu-Nationaltrainers spricht nicht für ihn.

Buenos Aires - Diego Armando Maradona zeigte sofort, wer der neue Herr im Haus ist.

"Er hat sich für unser Projekt entschieden", verkündete Argentiniens selbst ernannter Fußball-Gott höchstpersönlich seine Wahl zum neuen Nationaltrainer der "Albiceleste".

Der allmächtige Verbandsboss Julio Grondona, der tagelang das Heft des Handels in der Hand hatte, schwieg derweil.

Aus der Schaltzentrale des zweimaligen Weltmeisters in der Calle Viamonte von Buenos Aires hieß es lapidar, dass der neue Trainerstab erst nächste Woche Dienstag offiziell vorgestellt werde.

Namen enthielt das knappe Kommunique keine. Das Geschenk zu Maradonas 48. Geburtstag am Donnerstag kommt also mit Verspätung.

Matthäus: "Diego war ein Genie"

Ex-Bundestrainer Berti Vogts zeigte sich von der Inthronisierung Maradonas "sehr überrascht. Aber das ist ein tolles Stück für den Fußball", sagte der Nationaltrainer Aserbaidschans im "Express": "Wie Franz Beckenbauer verfügt Diego Maradona über die natürliche Gabe, den Fußball zu lesen. Sollte er seine Qualitäten auch nutzen, könnte er ebenfalls so erfolgreich werden wie der Franz."

Auch Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus äußerte sich zu der spektakulären Personalie: "Diego war ein wunderbarer Spieler. Ein Genie. Ich hoffe, dass er jetzt auch ein wunderbarer Trainer wird."

Bilardo wird Co-Trainer

Der neue Coach sein Team schon parat. Als Berater im Hintergrund fungiert der frühere Nationaltrainer Carlos Bilardo, der seinen Kapitän beim WM-Triumph 1986, dem letzten großen Titel für die Südamerikaner, noch führte.

Für den Betreuerstab wurden Pedro Troglio, Sergio Batista, Jose Luis Brown, Julio Olarticoechea und Sergio Goycochea, allesamt Weggefährten bei den WM-Finals in Mexiko und vier Jahre später in Italien (0:1 gegen Deutschland), vorgeschlagen.

Drei Siege in 23 Spielen

"Die Ära der 10" bejubelte das auflagenstarke Sportblatt "Ole". Denn die Chefrolle hat der einstige Balljongleur inne.

"Wir haben klargestellt, dass ich das Team aufstelle. Ich habe die Pfeife in der Hand", verlautete der einst geniale Spielmacher, der bei seinen beiden bislang einzigen Trainerstationen bei Mandiyu Corrientes (1994) und Racing Club Avellaneda (1995) gerade einmal drei Siege in insgesamt 23 Spielen einfuhr.

"Er glaubt, er sei ein Gott"

Sind die Meriten Maradonas auf dem Platz unbestritten und auf der Trainerbank äußerst bescheiden, brachte die skandalöse Vita mit Alkohol- und Drogenexzessen den Lebemann oft genug ins Zwielicht der Medien.

"Er glaubt, er sei ein Gott. Das ist der Grund für alles Schlechte in seinem Leben", urteilte der Arzt Hector Pezzella, als sein Patient im April 2007 nach einer Hepatitis wieder einmal mit dem Tode rang.

Kritik an Messi

Auch mit seiner brachialen Wortgewalt legt der Ex-Star des SSC Neapel und des FC Barcelona, der 1997 bei seinem Lieblingsklub Boca Juniors Buenos Aires seine Spielerkarriere beendete, gerne Zündschnüre für heftige Detonationen aus.

So bekam jüngst Lionel Messi sein Fett weg. "Er vergisst oft seine Mitspieler. Er spielt wohl für Deportivo Messi", kritisiert Maradona den Barca-Star.

Nicht mehr funktionierendes Starensemble

Von Vorgänger Alfio Basile, der nach dem 0:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Chile aus "persönlichen Gründen" seinen Hut nahm, bekommt "El Diez" ein nicht mehr funktionierendes Starensemble in die Hand, das nach nur einem Sieg aus den letzten sieben Eliminatorias-Spielen als Tabellendritter um sein Ticket für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika bangt.

"Ich werde ihnen einimpfen, dass man Ruhm nicht mit Geld eintauschen kann. Wir müssen ihnen zu verstehen geben, dass das Nationaltrikot das Wichtigste ist", beschrieb Maradona, der zunächst die Gespräche mit den Spielern in der Heimat und in Europa suchen will, seine vorrangige Aufgabe als Nationalcoach.

74 Prozent gegen Maradona

Und was sagt das Volk zum neuen Helden? Auf der Internet-Homepage der Zeitung Clarin sprachen sich fast 74 Prozent der über 72.000 abgegebenen Stimmen gegen Maradona aus.

Von knapp 5000 Internet-Usern der Zeitung La Nacion beurteilten am Dienstagabend über 72 Prozent die Entscheidung als falsch. Und bei infobae.com stimmten gar 80 Prozent gegen den "Heilsbringer".

Eine Meinung, die auch der Alt-Internationale Jorge Valdano teilt. "Diego hat keine Erfahrung als Trainer. Mir erscheint die Sache sehr riskant", befand der ehemalige Stürmer, der Argentinien 1986 mit einem Tor beim 3:2 im Finale über Deutschland zum Titel verhalf.

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