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Maradona gewinnt mit Argentinien im Finale 3:2 gegen Deutschland und nimmt den WM-Pokal entgegen. Das Siegtor hat Maradona mit einem Pass auf Jorge Burruchaga vorbereitet
Weltmeister: Diego Maradona küsst 1986 den WM-Pokal © getty

Vom gefeierten Jahrhundert-Fußballer zum Wrack: Die Karriere von Argentiniens Nationalcoach gleicht einer Achterbahnfahrt.

Buenos Aires - Als Diego Armando Maradona im März 2007 wieder einmal um sein Leben rang, brachte es der behandelnde Arzt auf den Punkt.

"Er glaubt, er sei ein Gott. Das ist der Grund für alles Schlechte in seinem Leben", gestand Hector Pezzella.

Der Jongleur mit dem Ball umdribbelte aber erneut den Tod und schlägt als Nationaltrainer Argentiniens nun ein neues Kapitel in seinem filmreifen Leben auf.

Das Volk am Rio de la Plata huldigt dem Charisma des 48-Jährigen, seit er die Gauchos 1986 zum WM-Triumph führte.

Hollywoodreifes Leben

Nach Alkohol- und Drogenexzessen lernte "El Diez" jedoch auch die Kehrseite von Ruhm und schnellem Geld kennen.

Für Hollywood hält die Vita des am 30. Oktober 1960 zur Welt gekommenen Maurer-Sohnes aus Villa Fiorito, einer ärmlichen Ansiedlung vor den Toren Buenos Aires, prägende Szenen parat.

"Den Himmel mit der Hand berührt"

Maradonas Talent kam früh zum Vorschau. Über sein Profidebüt bei den Argentinos Juniors am 20. Oktober 1976 mit knapp 16 Jahren sagte "El pibe de oro" (Goldjunge) rückblickend: "An diesem Tag habe ich den Himmel mit der Hand berührt."

Schon vier Monate später stand er erstmals in der Nationalelf der Gauchos. Für die WM 1978 im eigenen Land war er jedoch noch zu "grün".

Anfang und Ende bei Boca Juniors

Der Jungstar ging 1981 zu den Boca Juniors. Nach seiner Europatournee kehrte er 1995 noch einmal zu seinem Lieblingsklub zurück, wo er am 25. Oktober 1997 gegen den Erzrivalen River Plate nach 678 Spielen, 345 Toren und zahlreichen Titeln seine Fußballschuhe an den Nagel hängte.

Nach der WM 1982, die für ihn beim 1:3 gegen Brasilien mit einer Roten Karte endete, lockte der FC Barcelona.

Nächtliche Ausflüge erzürnten "Barca"-Trainer Udo Lattek, den Machtkampf gegen den deutschen Coach gewann Maradona, der die Katalanen dann zum Pokalsieg führte. Nach einem handgreiflichen Disput im Cupfinale 1984 gegen Athletic Bilbao trennte sich der Klub aber von seinem Problemkind, das damals in die Welt der Drogen reinschnupperte.

Goldene Zeiten in Neapel

Es folgten die fußballerisch erfolgreichsten Jahre, aber auch der Anfang der persönlichen Tragödien.

Zwischen 1984 und 1991 schoss Maradona den SSC Neapel in Italien zweimal zur Scudetto (1987, 1990), einem Pokalerfolg (1987) und dem UEFA-Cup-Sieg gegen den VfB Stuttgart (1989).

Das Tor des Jahrhunderts

Auch in Argentiniens Nationalelf war er der Maestro, bei der WM 1986 in Mexiko lieferte Diego sein Meisterwerk ab. Im Viertelfinale gegen England (2:1) sorgte er mit einem unwiderstehlichen Dribbling für die zehn schönsten Sekunden im Fußball und das Tor des Jahrhunderts.

Gegen die Briten war auch die "Hand Gottes" im Spiel. Die Krönungsmesse zelebrierte der nur 1,66 Meter große Techniker beim 3:2 im Finale gegen Deutschland.

Positiver Kokainbefund

Vier Jahre später gab es in Rom ein Wiedersehen. Diesmal mit dem besseren Ende für die deutsche Elf. Maradona witterte nach dem verwandelten Foulelfmeter von Andy Brehme Betrug, weinte bitterlich.

Am 17. März 1991 folgte der Schock. Eine Dopingprobe ergab einen positiven Kokainbefund. Schon vorher hatten Gerüchte über Maradonas Verwicklung mit der Camorra die Neapolitaner entsetzt.

Nach einer 15-monatigen Sperre folgte der Karriere-Kehraus mit Stationen in Spanien beim FC Sevilla sowie in der Heimat bei den Newells Old Boys und bei den Boca Juniors.

Der Absturz

Ein letzter Versuch auf großer Bühne bei der WM 1994 in den USA endete mit einem erneuten Skandal.

Nach dem Gruppenspiel gegen Nigeria werden im Urin Ephedrinspuren nachgewiesen. Der Fußballer Maradona wird international geächtet, das Tor zur Hölle ist offen.

Kokain, Alkohol und dicke Havanna-Zigarren werden zum ständigen Begleiter des Exzentrikers, dessen Gesundheit auch durch rapide Gewichtzunahme leidet. Am 4. Januar 2000 kämpft Maradona nach einem Herzinfarkt im uruguayischen Badeort Punta del Este erstmals mit dem Tod.

Sorgen um das Leben des Volkshelden

Am 18. April geht es mit hohem Blutdruck, Atemnot und einer Lungenentzündung erneut in eine Notfallklinik. Die Argentinier halten tagelang Wache vor dem Krankenhaus.

Nach einem Kollaps am 29. März 2007 wieder Sorgen um das Leben des Volkshelden. Zwischen den Krisen, Entzugskuren in der Schweiz und auf Kuba, ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt sowie eine Magenverkleinerung.

"Heute geht es mir gut"

Zuletzt jagte der 91-malige Nationalspieler, der zwischenzeitlich auch eine eigene TV-Talkshow besaß, aber bei einer Nostalgie-Hallenfußballserie wieder dem Ball nach.

Und nach der Ernennung zum Nationaltrainer behauptete Maradona nach fast fünf Jahrzehnten Achterbahnfahrt: "Heute geht es mir gut."

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