Auf den Schultern von Maradona ruhen die Hoffnungen eines ganzen Landes. Doch es spricht nicht viel dafür, dass er sie erfüllen kann.

"Oh Mamma, Mamma, Mamma - Ho visto Maradona e e innamorato so!"

So lautete in den 80-er Jahren das Lieblingslied der Tifosi in Neapel über ihren Helden:

"Oh Mamma, Mamma, Mamma - Ich habe Maradona gesehen und mich ihn verliebt!"

Diese kindliche Begeisterung teilten sie mit Millionen Fußball-Fans, denn Maradona war ein Genie am Ball.

Ohne ihn wäre Neapel niemals italienischer Meister und Europacup-Sieger geworden und Argentinien nicht Weltmeister 1986.

Mit Verweis auf den letzten großen Triumph der "Albiceleste" ist Maradona nun zum neuen argentinischen Nationalcoach ernannt worden - nicht weniger als der WM-Titel 2010 wird vom "Fußballgott" erwartet.

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Wenn er das tatsächlich schaffen sollte, wäre er auch ein "Trainergott" und in seinem Heimatland ein Heiliger.

Die Zweifel sind allerdings groß - sogar am Rio de la Plata. "Diego setzt den Mythos Maradona aufs Spiel", schrieb eine große Zeitung.

Denn in Argentinien hat man hautnah die Eskapaden Maradonas miterlebt. Wegen anhaltenden Drogenmissbrauchs, Fettleibigkeit und Herzbeschwerden wandelte der einstige Weltstar vor nicht allzu langer Zeit noch auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod.

Dann ging er unter anderem in Kuba auf Entzug und ließ sich operativ den Magen verkleinern.

Trotzdem: Wer ihn aus nächster Nähe sieht - so wie wir bei der WM 2006 - ist eher an ein Gespenst mit geliftetem Gesicht erinnert.

Wichtiger als das Äußere sind natürlich die Fähigkeiten als Coach. Doch auch da muss man skeptisch sein.

Maradona hat seit Anfang der 90-er Jahre praktisch immer die falschen Entscheidungen getroffen, umgibt sich seit Ewigkeiten mit falschen Freunden und Beratern und hat keine nennenswerte Erfahrung als Trainer.

Daher ist die Entscheidung des Verbandspräsidenten Grondona - den Maradona vor nicht allzu langer Zeit noch als Mafiapaten beschimpfte - vor allem populistisch.

Dahinter steckt die Hoffnung des ganzen Landes, dass der große Diego seine Genialität und Intuition als Spieler auch auf der Trainerbank zeigen wird.

Viel mehr als diese Hoffnung ist es allerdings nicht.

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