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Carlos Bilardo (l.) und Diego Maradona besiegten 1986 im Finale Deutschland mit 3:2 © getty

Maradona und Co. übernehmen am Dienstag offiziell Argentiniens Nationalmannschaft. Auch verdiente Stars müssen nun wohl weichen.

Buenos Aires - Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem letzten großen Titel übernehmen die Weltmeister von 1986 am Dienstag offiziell das Sagen in Argentiniens Fußballelf.

Nationaltrainer Diego Maradona hat sich für die Herkules-Aufgabe den damaligen Coach Carlos Bilardo als "Director General" sowie in Sergio Batista und Jose Luis Brown zwei Mitstreiter aus dem triumphalen Mexiko-Team als Assistenten an die Seite geholt.

Und die "Generacion 86" macht sich gleich an die Reinigungsarbeit.

Denn Maradona erklärte gewohnt bildhaft: "Die Seleccion ist ein mit Erde verdreckter Rolls-Royce. Den müssen wir jetzt säubern."

Die erste Station in der Waschstraße ist das Testspiel am 19. November gegen Schottland im Glasgower Hampden Park, wo "El Diez" (in Anlehnung an seine Rückennummer 10) vor 29 Jahren sein erstes Länderspieltor für die "Albiceleste" erzielte.

"El Narigon" trägt die Trikottasche

"Ich spüre bei allen die Vorfreude auf die Arbeit. Das war mir wichtig", bekannte Maradona. Und Teammanager Bilardo rühmte die Einheit im Quartett.

"Er hat uns gebeten, eng zusammen zu arbeiten. Wenn es nötig ist, tragen wir auch die Trikottasche. Und das mit viel Freude", erläutert der Trainerfuchs, den am Rio de la Plata alle wegen seiner großen Nase nur respektvoll "El Narigon" nennen.

Altstars auf dem Abstellgleis

Ob die neue Truppe den richtigen Riecher hat, kann sie schon wenige Minuten nach der Inthronisierung mit der ersten Kader-Benennung zeigen.

Dem Groß-Reinemachen beim zweimaligen Weltmeister, der als Tabellendritter der Eliminatorias um sein Ticket für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika zittert, werden wohl Rekordnationalspieler Javier Zanetti sowie Estaban Cambiasso und Roberto Abbondanzieri zum Opfer fallen.

Messi nicht verfügbar

Gegen die Schotten muss "El Pibe d'Oro" (Goldjunge) aber auch auf Lionel Messi verzichten.

Der Stürmer vom FC Barcelona hatte von den Katalanen für die Olympischen Spiele die Freigabe bekommen. Die Gauchos mussten im Gegenzug versprechen, den 21-Jährigen in Freundschaftsspielen außen vor zu lassen.

Ruggeri: "Stunde ist gekommen"

Aber vorerst stehen eh die Stars von gestern im Scheinwerferlicht. "Es ist die Stunde gekommen, der Generation von 1986 die Chance zu geben", hatte Oscar Ruggeri nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der WM 2002 gefordert.

Sechs Jahre mussten noch ins Land ziehen, ehe die Worte des Maradona-Gefährten beim Titeltriumph im Aztekenstadion Gehör fanden.

Goldschürfer Batista und Brown

Hatte sich Ruggeri - heute auf Klubsuche - nach der WM 2006 vergeblich als Nachfolger des damals entlassenen Nationaltrainers Jose Pekerman ins Spiel gebracht, arbeiteten sich Batista und Brown über die Junioren-Auswahlmannschaften auf die Kommandobrücke vor.

Das Duo war in Peking verantwortlich für das zweite Fußball-Olympiagold der Argentinier.

Valdano kommentiert nur noch

Die übrigen Spieler aus der Startelf im Mexiko-Finale halten dem Fußball ebenfalls die Stange. Hector Enrique und Julio Olarticoechea sind schon im Trainerstab des Verbandes, Nery Pumpido (Al Shabab/Saudi-Arabien) und Jorge Burruchaga (Banfield/Argentinien) als Klubtrainer im Geschäft.

Etwas Abstand von der täglichen Arbeit am Ball nahmen Ricardo Giusti als Spielervermittler und Jorge Valdano, der sich nach seiner Zeit als Sportdirektor von Real Madrid auf Kommentare in TV und Zeitungen beschränkt.

Jose Cuciuffo war im Dezember 2004 bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Rummenigge und Co. weiter präsent

Ein Blick in die deutsche Aufstellung vom WM-Endspiel 1986 zeigt, dass auch hierzulande die Rummenigges und Co. noch ihre Hand im Fußball-Geschäft haben.

Allen voran Rudi Völler, der von 2000 bis 2004 gar DFB-Teamchef war, weil der eigentlich erwählte Christoph Daum wegen nachgewiesenem Kokain-Konsums untragbar wurde.

Das war für die Argentinier bei der Wahl Maradonas, der ebenfalls mit Drogen in Kontakt stand, anscheinend kein Problem.

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