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Gelungene Premiere: Maradona feiert als Einstand einen 1:0-Sieg gegen Schottland © getty

Alle Augen auf Diego: Bei seiner Premiere als "Gaucho"-Trainer rückt das Spiel aus Sorge um die Tochter in den Hintergrund.

Glasgow - Fußball ist offenbar selbst für Diego Maradona nicht alles.

Unmittelbar nach seiner erfolgreichen Premiere als argentinischer Nationalcoach eilte "Dieguito" zu einem gecharterten Privatjet und flog nach Madrid.

Dort war die 19-jährige Tochter Giannina wegen plötzlicher Komplikationen in ihrer Schwangerschaft in ein Hospital eingeliefert worden.

Der 1:0-Sieg, der Rummel um seine Person, der herzliche Applaus der 40.000 schottischen Zuschauer bei seinem Comeback auf der großen Fußball-Bühne - das alles schien dem Hauptdarsteller des Länderspiels im Hampden Park nicht mehr wichtig zu sein.

Gequältes Lächeln bei Abschied

Bei seinem Abschied bedankte sich der 48-Jährige brav für Respekt und die Gastfreundschaft in Schottland und entschwand mit einem gequälten Lächeln in seinem von zahlreichen Alkohol- und Drogen-Exzessen gezeichneten Gesicht.

Mit versteinerter Miene hatte der 48-Jährige zuvor das Blitzlichtgewitter der Fotografen an jenem Ort über sich ergehen lassen, an dem er am 2. Juni 1979 mit damals 18 Jahren beim 3:1 gegen die "Bravehaerts" sein erstes von insgesamt 34 Länderspieltoren erzielt hatte.

"Freund, Held und Legende"

Auf den Tribünen hielten schottische Fans Transparente in die Höhe: "Freund, Held und Legende" oder "Danke für '86" in Erinnerung an Maradonas Hand-Tor zum 2:1 über Schottlands Erzrivalen England im Viertelfinale der WM in Mexiko.

Maradona winkte kurz in die Menge und kauerte anschließend fast regungslos wie ein Buddha in seiner dicken Trainingsjacke auf der Trainerbank.

Beim einzigen Tor durch Maxi Rodriguez nach acht Minuten stand der 1,68 m große einstige Ausnahmefußballer kurz auf, ließ jedoch die Arme verschränkt und nahm umgehend wieder Platz.

An der Seitenlinie zeigte er sich kaum.

Handshakes und Küsschen

Nach dem Abpfiff gab's Shakehands - natürlich mit der "Hand Gottes" - mit seinem schottischen Kollegen George Burley, ein Küsschen für jeden seiner Sieger auf die Wange, bevor er in die Katakomben zur Pressekonferenz joggte, denn es wartete bereits der Privat-Jet nach Madrid.

"Ich werde zuückkommen und mehr Zeit mich euch verbringen", rief Maradona den Medienvertretern zu.

Diesen hatte er zuvor kurz seine Eindrücke von den ersten 90 Minuten auf der Bank der Albiceleste geschildert.

"Wir haben in den ersten 25 Minuten brillant gespielt. Danach haben wir den Ball zu oft verloren, aber dennoch verdient gewonnen", resümierte der Weltmeister von 1986.

Ergebnis zweitrangig

"Das Problem war, die Angst vor der Niederlage zu verlieren, und das haben wir bewältigt", ergänzte Argentiniens Fußball-Idol, der in Glasgow auf die Stars Lionel Messi (FC Barcelona) und Juan Roman Riquelme (Boca Juniors Buenos Aires) sowie aus besagten Gründen auf Sergio Agüero, Freund der im sechsten Monat schwangeren Tochter Giannina, verzichten musste.

Für Maradona selbst war das Ergebnis angeblich ohnehin zweitrangig: "Ich wollte, dass sie alles auf dem Platz geben, dass sie ihre Trikots durchschwitzen, dass sie für die Leute daheim spielen." Mit flammenden Appellen und vielen Gesprächen hatte der exzentrische Coach versucht, seine Mannschaft einzustimmen und altes Selbstbewusstsein zu wecken.

Wegen der bislang mäßigen Vorstellungen in der laufenden WM-Qualifikation wurde Maradona nach dem Premieren-Erfolg auch in der Heimat wie ein "Messias" gefeiert.

"Prüfung bestanden, Diego!" titelte die große Sportzeitung Ole und Clarin schrieb: "Ohne zu glänzen: Zyklus Maradona beginnt mit einem Sieg."

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