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Große Baustelle: Das "Soccer City Stadium" in Johannesburg © getty

Südafrika läuft seinem WM-Zeitplan weit hinterher und kalkuliert risikoreich. Aber die Zuversicht verliert das Land nicht.

Johannesburg - Die Stadien sind noch nicht fertig, die Transportmittel der Zukunft nur in schönen Broschüren zu bestaunen und die einkalkulierten 450.000 ausländischen Besucher bislang nur eine Vision.

Doch die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika bleiben in ihrer Zuversicht unerschütterlich.

Am Ende einer Woche vollgepackt mit Besichtigungen, Sitzungen und der Auslosung zum Confederations Cup 2009 versicherte Issa Hayatu, Chef der afrikanischen Fußball-Konföderation und Präsident des Organisationskomitees des Weltverbandes FIFA: "Wir haben alles unter Kontrolle."

Kein Stadion bisher fertig

Ein halbes Jahr vor dem Confederations Cup (14. bis 28. Juni 2009) und eineinhalb Jahre vor der WM (11. Juni bis 11. Juli 2010) ist Südafrika allerdings noch eine große Baustelle.

Keines der zehn Stadien in den neun Spielorten ist bereits WM-tauglich - auch nicht jene vier, die schon für die WM-Generalprobe genutzt werden sollen.

OK-Chef Danny Jordaan versicherte nach der Kontroll-Woche der FIFA dennoch: "Wir haben keine Bedenken, die Stadien werden rechtzeitig fertig sein."

Und er ergänzte bestimmt: "Wir werden umfassend und eindrucksvoll widerlegen, dass wir keine WM organisieren können."

Vorverkauf ab Februar

Auch für den Weltverband gibt es trotz aller Probleme nun kein Zurück mehr. "Die WM wird in Südafrika stattfinden", erklärte Jerome Valcke, als FIFA-Generalsekretär zugleich auch Chefkontrolleur der Gastgeber.

Zugleich versicherte er, der Weltverband habe zu keiner Zeit "mit einem anderen Land darüber geredet, ob wir die WM dorthin verlegen müssen".

Natürlich gebe es noch viel zu tun, aber kein Land sei schon 18 Monate vor der WM fertig gewesen, "nicht mal Deutschland".

Am 20. Februar 2009 wird deshalb schon einmal der Kartenvorverkauf für die WM beginnen.

Exzessive Städteauswahl

Dass die WM-Gastgeber aufholen müssen, will auch Valcke nicht bestreiten. "Wir haben eineinhalb Jahre verloren, weil die Südafrikaner so lange gebraucht haben, um sich auf die neun WM-Städte festzulegen", erklärte er.

Seit der Vergabe 2004 verging deshalb wertvolle Zeit.

Die Stadien mögen zum Confed-Cup und zur WM noch rechtzeitig fertig werden, ob zugleich die vielen begonnenen Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur im Zeitplan bleiben, erscheint teilweise mehr als fraglich.

Valcke hatte unter der Woche daher schon eingeräumt: Sechs Jahre zur Vorbereitung auf eine WM sind eigentlich zu knapp.

Wandel im Rekordtempo nötig

Südafrika wird von einer künftigen Vorlaufzeit von sieben Jahren nicht mehr profitieren und muss sich im Rekordtempo wandeln.

"Eine WM ist mehr, als nur 64 Spiele zu organisieren", erklärte der FIFA-"General".

Doch gerade in Südafrika sei eben "noch sehr viel mehr zu tun, es ist organisatorisch schwierig, weil wir hier alles auf einmal machen müssen".

Die WM-Gastgeber wollen die Gelegenheit der WM nutzen, ihr Land zügig auf Vordermann zu bringen. Alles soll verbessert werden: Infrastruktur, Nahverkehr, Telekommunikation oder Energieversorgung. Eine einzige Herkulesaufgabe.

Scheitern nicht eingeplant

Südafrika steht unter Druck, denn die eigenen Anstrengungen sollen dem ganzen Kontinent zur Ehre gereichen. Ein Scheitern ist nicht vorgesehen.

"Keiner wird uns verzeihen", sagte Jordaan, und daher gilt: "Wir müssen die beste WM aller Zeiten organisieren. Wir müssen Südafrika, wir müssen Afrika besser machen."

Ein Rekord ist immerhin schon zu vermelden: Die FIFA hat praktisch gleich mit dem Verkaufsbeginn Hospitality-Pakete im Wert von 115 Millionen Euro verkauft, also Reise- und Ticket-Angebote vor allem für Firmen und Reiche. "Das ist mehr als in Deutschland", sagte Valcke.

450.000 fremde Fans erwartet

Von den insgesamt rund 3 Millionen WM-Tickets sollen 450.000 von ausländischen Besuchern gekauft werden.

Die Zahl erscheint sehr gewagt: Umgerechnet müsste jede der 31 Mannschaften etwa 14.500 Fans mit nach Südafrika bringen.

Zur WM 2002 seien 295.000 Zuschauer nach Südkorea und Japan gereist, hält Jordaan entgegen.

Doch auch DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, Stratege der deutschen Weltmeisterschaften 1974 und 2006 und jetzt von der FIFA abkommandierter Berater der südafrikanischen WM-Organisatoren, sagt in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise: "Es gibt Bedenken, ob auch alle kommen werden."

Sondertarif für Arbeiter

Zwischen 70 (Vorrunde) und 900 Dollar (Endspiel) kosten die Eintrittskarten für die 64 Spiele, dazu werden etwa 12 Prozent der Tickets nur an Südafrikaner verkauft.

Die Preise der Karten reichen von 490 südafrikanischen Rand (ca. 41 Euro/Vorrunde) bis 1050 Rand (88 Euro/Endspiel).

Diese Kategorie 4 ist vor allem auch für die schwarzen Arbeiter gedacht, die auf den zahlreichen Baustellen des Landes schuften. Sie verdienen 18 Rand in der Stunde (1,50 Euro).

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