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Giovanni Trappattoni trainiert seit 2008 die irische Nationalmannschaft © getty

Im WM-Qualifikationsspiel muss Italien gegen Irland die Spitze verteidigen und trifft auf einen wohlbekannten "Maestro".

Von Mathias Frohnapfel

In Italien ist er noch immer gefürchtet, vor allem wenn man gegen den "Maestro" Giovanni Trapattoni im WM-Qualifikationsspiel (Mi., ab 20.30 Uhr LIVE ) bestehen muss.

Am Mittwoch steht für Nationaltrainer Marcello Lippi diese Aufgabe an, sein Team soll gegen Irland vor eigenem Publikum in Bari "bella figura" machen.

"Er kann uns in den April schicken", sagt Lippi und spielt damit auf das ominöse Datum 1. April an.

Und hat gleich ein dickes Kompliment für den weltgewandten Trainer parat, der unter anderem bereits den FC Bayern, Stuttgart und nicht zuletzt die "squadra azzurra" trainierte.

Ausgangslage ist gut

"Für alle aus meiner Generation war Trapattoni immer ein Bezugspunkt. Mit 70 ist er immer noch auf der ganzen Welt unterwegs, um den Fußball zu lehren. Ich weiß nicht, ob ich in neun Jahren ebenfalls dazu den Esprit habe", sagte der 61-Jährige Lippi der "Gazzetta dello Sport".

Die Ausgangslage für sein Team gegen Irland ist angenehm: Aus fünf Partien erreichte Italien 13 Punkte, Irland gelangen 11 Punkte, die Mannschaft ist aktuell Gruppenzweiter. (zur Tabelle Gruppe 8)

Remis angestrebt

Allerdings müssen die Gastgeber auf Stürmer Antonio Di Natale wegen einer Knieverletzung verzichten.

Und: Ein Remis wäre wohl eher für Trapattonis Mannen als die Italiener ein Ergebnis, mit dem sie zufrieden wären.

Das gesteht auch Trainerfuchs Giovanni Trapattoni entgegen aller Wettkampf-Rhetorik ein. "Ich wäre zufrieden, wenn wir mit einem Remis nach Dublin zurückkehren würden."

Rache ist süß

Insgeheim hofft "Trap" freilich auf mehr. Schon allein deshalb weil seine eigene Zeit als Coach der "Azzurri" nicht die glücklichste war.

Bei der Weltmeisterschaft 2002 (Achtelfinale) scheiterte er ebenso wie bei der Europameisterschaft 2004 (Vorrunde) vorzeitig.

In Italien hat man Trapattoni inzwischen verziehen.

Die große Chance

Zum 70. Geburtstag am 17. März widmete man ihm nicht nur in der Sportpresse, sondern auch im "telegiornale" ("Tagesschau") im italienischen Fernsehen äußerst wohlwollende Beiträge.

Denn: Unbestreitbar ist Trapattoni unter den Fußball-Lehrern der beste italienische Exportartikel.

Mit einem Sieg im Spitzenspiel von Bari könnte "Trap" mit seinen bislang famosen Iren in der Tabelle sogar am Weltmeister vorbeiziehen.

Italienisches Temperament

Von seiner temperamentvollen Art hat Trapattoni im übrigen kein bisschen verloren.

In einer Pressekonferzenz, die an seinen legendären Wutausbruch beim FC Bayern 1998 erinnerte, reagierte er unwirsch auf das Nachbohren der irischen Reporter.

"Vielleicht denkt ihr, ich hätte jemand anderen aufstellen sollen?" entgegnete er, als er nach dem 1:1 gegen Bulgarien befragt wurde.

Kleine Sticheleien

Und die Journalisten sollten "Trap" dann Namen nennen. Einige Reporter wagten den Versuch, sprachen etwa von Lee Carsley, Mittelfeldspieler von Birmingham City.

Trapattonis direkte Replik: "Ihr schlagt mir einen Mittelfeldspieler vor, aber das Problem liegt nicht im Mittelfeld".

Einen verbalen Giftpfeil hat er auch für Italien in petto. "Italien hätte gegen Zypern verlieren können, die Glanztaten von Buffon haben Italien gerettet. Wir haben gegen Zypern gewonnen. Irland spielt eine gute Qualifikation."

8000 irische Fans wollen Trapattoni bei seinem Heim-Gastspiel in Bari anfeuern. Bei der Nationalhymne will Trap nicht singen, sondern lediglich mitsummen.

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