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Wolfgang Stark zeigt Gianpaolo Pazzini Rot. Rechts der blutende John O'Shea © getty

Italien wettert nach dem 1:1 gegen Trapattonis Irland gegen den Schiedsrichter. Rehhagel und Hitzfeld liefern sich ein Fernduell.

München - Nach dem "schnellsten" Platzverweis der italienischen Länderspiel-Geschichte richtete sich die geballte Wut im Land des Weltmeisters gegen Wolfgang Stark.

Trainer, Spieler, Funktionäre und Medien schimpften nach dem 1:1 (1:0) in der WM-Qualifikation in Bari gegen Irland mit Italiens Ex-Nationalcoach Giovanni Trapattoni über den deutschen FIFA-Schiedsrichter.

Kritik am deutschen Referee

Stark hatte dem Italiener Gianpaolo Pazzini bereits in der 3. Minute nach einem Ellbogenschlag gegen John O'Shea die Rote Karte gezeigt. Nie zuvor war ein italienischer Akteur in einem Länderspiel so früh des Feldes verwiesen worden.

"Nach zwei Minuten hat der deutsche Schiedsrichter das Spiel ruiniert. Er ist ein katastrophaler Schiedsrichter, der sehr von der UEFA unterstützt wird", schrieb "Corriere dello Sport".

Die Sporttageszeitung erinnerte polemisch daran, dass Stark "mit italienischen Mannschaften schlechte Erfahrungen hat. Er war schließlich schon Schiedsrichter beim Champions-League-Spiel FC Valencia gegen Inter Mailand, das 2007 in einer Schlägerei unter den Spielern ausartete."

Lippi: "Sind ungerecht behandelt worden"

Auch Marcello Lippi fand nach dem Schlusspfiff deutliche Worte.

"Wir beschweren uns immer über die italienischen Schiedsrichter, doch jeder hat gesehen, was Stark angestellt hat. Er hat uns gezwungen, 90 Minuten lang mit zehn Mann zu spielen. Pazzini hatte keinerlei Schuld", sagte Italiens Trainer. "Wir sind verbittert, weil wir ungerecht behandelt worden sind."

Pazzini beteuert Unschuld

Dies sah auch Verbandschef Giancarlo Abete so: "Er hat eine ungerechtfertigte Entscheidung gefasst, der Italien zutiefst benachteiligt hat."

Und auch der vermeintliche Sünder Pazzini war sich keiner Schuld bewusst, obwohl sein irischer Gegenspieler eine klaffende Platzwunde davongetragen hatte.

"Ich habe ein wenig die Ellbogen ausgebreitet und dabei O'Shea total unabsichtlich im Gesicht getroffen. Kein neutraler Schiedsrichter hätte mich deshalb vom Platz gestellt", sagte der Stürmer von Sampdoria Genua.

Unfreiwillig sorgte Pazzini auch in seinem zweiten Länderspiel für Schlagzeilen. Bei seinem Debüt am Samstag in Montenegro (2:0) hatte der 24-Jährige eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung ein Tor erzielt.

Trapattoni zeigt Verständnis

Sogar Trapattoni sprang seinen Landsleuten bei der Kritik gegen Stark zur Seite. "Ich finde, das war eine zu harte Entscheidung. Die Proteste sind durchaus gerechtfertigt", sagte der Coach der Gäste.

Doch der 70-Jährige, der den viermaligen WM-Champion selbst von 2000 bis 2004 trainiert hatte, konnte nach dem Achtungserfolg auch gönnerhaft sein.

Irland bleibt Italien auf den Fersen

Zwar hatten die Italiener den Schock des frühen Platzverweises offenbar gut verdaut und waren in der zehnten Minute durch Vinczenzo Iaquinta in Führung gegangen. Doch Robbie Keane rettete den Iren drei Minuten vor dem Ende den Punkt.

Damit blieben die Iren auch im sechsten Spiel der Qualifikationsgruppe 8 ungeschlagen und dem Weltmeister mit einem Abstand von zwei Punkten auf den Fersen.

"Alles ist möglich"

"Dieses Unentschieden gibt uns Kraft, denn die italienische Abwehr ist die beste der Welt", sagte Trapattoni: "Der Weg zur WM ist noch lang, doch wir haben uns als Mannschaft konsolidiert. Dass wir auch in Italien nicht verloren haben, zeigt, dass alles möglich ist."

Gleichwohl war auch der ehemalige Bayern-Coach ein wenig enttäuscht, "dass wir nicht gewonnen haben, obwohl wir einen Spieler mehr hatten".

Fernduell zwischen Rehhagel und Hitzfeld

Zwei andere ehemalige Trainer des deutschen Rekordmeisters lieferten sich derweil ein sportliches und verbales Fernduell.

"Wir sind vorne, wir sind in der besseren Position", sagte Griechenlands Nationalcoach Rehhagel nach dem 2:1 (1:0) des Europameisters von 2004 gegen Israel.

Doch auch Ottmar Hitzfeld und seine Schweizer stellten mit Blick auf das direkte Duell im September ihr Selbstbewusstsein zur Schau: "Wir sind bereit für das große Spiel", sagte Hitzfeld nach dem 2:0 (1:0) der Eidgenossen gegen Moldawien.

Griechenland und Schweiz gleichauf

Beide Mannschaften liegen in der Gruppe 2 nach sechs Spielen mit 13 Punkten gleichauf, die Griechen sind nur auf Grund der besseren Tordifferenz Spitzenreiter. "Es wird ein heißer, harter Endspurt", sagte Rehhagel.

"Meine Spieler haben gezeigt, dass sie echte Männer sind. Sie haben das abgerufen, was in solchen Spielen nötig ist: Aggressivität. Das Team hat sich selbst ein großes Geschenk gemacht", ergänzte der ehemalige Bremer Erfolgscoach.

"Wollen unser Werk vollenden"

Auch Hitzfeld lobte seine Mannschaft. "Wir haben ein hohes Tempo angeschlagen und den Gegner bis zum Schluss kontrolliert", sagte Hitzfeld, der die Torschützen Alex Frei (Dortmund) und den ehemaligen Bundesligaprofi Blaise N'Kufo herausstellte: "Die beiden sind ein Phänomen."

Griechenland ließ sich nach der Führung durch Dimitrios Salpingidis (32.) auch von Israels Ausgleich durch Omer Golan (59.) nicht aus der Fassung bringen.

Georgios Samaras behielt beim Strafstoß zum 2:1-Endstand (67.) die Nerven. "Wir haben einen gefährlichen Gegner auf Distanz gebracht", sagte Rehhagel: "Jetzt wollen wir unser Werk vollenden."

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