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Boateng (r.) erzielte Ghanas ersten Treffer, Gyan (M.) das zweite Tor © getty

Ganz Afrika feiert Ghana. Trainer Rajevac überschüttet Boateng mit Lob. Dessen Einsatz gegen Uruguay ist aber fraglich.

Rustenburg - Die Torschützen Kevin Boateng und Asamoah Gyan standen auf dem Platz und umarmten sich innig - doch die Szene, die ganz Afrika rührte, spielte sich neben dem Rasen ab.

Samuel Inkoom schnappte sich nach Ghanas Einzug ins WM-Viertelfinale eine Fahne von Gastgeber Südafrika und drehte eine Ehrenrunde:

Spätestens jetzt stand der Schwarze Kontinent vereint hinter seiner letzten Hoffnung.

"Ghana hält den afrikanischen Traum am Leben", titelte die südafrikanische Zeitung "Sunday Sun" am Tag nach dem 2:1 (1:1, 1:0) n.V. im Achtelfinale gegen die USA.

Verletzungen trüben die Stimmung

Von "Feierlichkeiten auf dem ganzen afrikanischen Kontinent", berichtete die "Sunday World".

Nur die Verletzungen von Boateng und des Leverkuseners Hans Sarpei trübten die Stimmung. Der Einsatz beider Spieler im Viertelfinale gegen Uruguay am Freitag ist fraglich.(Der WM-Spielplan).

Boateng humpelte mit einer Oberschenkelverletzung schweigend aus dem Royal-Bafokeng-Stadion, Sarpei plagen muskuläre Probleme.

Großes Lob für Boateng

Trainer Milovan Rajevac hofft für das Viertelfinale in Johannesburg vor allem auf einen Einsatz von Boateng, neben dem jetzt dreifachen Torschützen Gyan der überragende afrikanische Spieler bei dieser WM.

"Er ist einer unserer wichtigsten Spieler, wir brauchen ihn sehr", sagte Rajevac über den gebürtigen Berliner: "Ich hoffe inständig, dass er dabei sein kann."

Boateng hatte seine "herausragende Form und Klasse" (Rajevac) gegen die USA erneut gezeigt - obwohl er wie schon gegen Deutschland (0:1) angeschlagen ins Spiel gegangen war.

Drittes afrikanisches Team im Viertelfinale

Mit seinem ersten Tor im fünften Länderspiel (5.) ebnete er den Weg zum erst dritten Einzug einer afrikanischen Mannschaft in die Runde der letzten Acht.

Zuvor war das nur Kamerun (1990) und dem Senegal (2002) gelungen.

Boateng überragte, verschliss Gegenspieler Ricardo Clark, der schon nach 31 Minuten vom Platz musste, und baute erst verletzungsbedingt ab.(GAMES: Das WM-Tippspiel)

Wie Sarpei musste Boateng vorzeitig vom Feld, bei der Party im Quartier aber waren beide wieder obenauf.

Wilde Party im Quartier

Hunderte Fans feierten die singenden und tanzenden Stars, als der Bus mit der programmatischen Aufschrift "The hope of Africa" (Die Hoffnung Afrikas) um weit nach 1 Uhr am Sun City Hotel eintraf.

Mit ghanaischen Djembe-Trommeln und Rasseln bewaffnet, enterten Boateng und Co. die Hotelbar.

"Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", rief Gyan immer wieder. Mit seinem Treffer (93.) hatte er `nicht nur Ghana, sondern ganz Afrika stolz gemacht", wie er selbst meinte.

Ayew und Mensah gegen Uruguay gesperrt

Für Ghana soll in der Runde der letzten Acht "längst noch nicht Schluss sein", sagte Sarpei:

"Wir sind eine starke Mannschaft, eine tolle Einheit. Warum sollten wir nicht als erstes afrikanisches Team ins Halbfinale kommen und alle Afrikaner glücklich machen?"(Die WM-Kader im Überblick)

Dass gegen Uruguay der starke Andre Ayew und Jonathan Mensah gelbgesperrt sind und neben Boateng und Sarpei auch noch der Einsatz des angeschlagenen Hoffenheimers Isaac Vorsah fraglich ist, kümmerte die "Black Stars" zunächst kaum.

Sie schweben im siebten Himmel. "Wir träumen weiter. Uruguay hat ein sehr gutes Team, uns aber macht es stark, dass Afrika hinter uns steht, für uns betet und der ganze Kontinent uns unterstützt. Das beflügelt uns sehr", sagte Ayew.

Obama drückt jetzt Ghana die Daumen

Und gegen Uruguay wird selbst US-Präsident Barack Obama hinter Ghana stehen. "In meinen Adern fließt afrikanisches Blut", hatte er dem ghanaischen Parlament im vergangenen Jahr zugerufen.

Am Samstag fieberte er zwar noch mit den USA. Doch weil das dritte Turniertor von Landon Donovan (62., Foulelfmeter) nicht reichte, wird Obama nun wohl umschwenken - auch äußerlich.

Sein ghanaischer Amtskollege John Atta Mills, der sein Team mit einem Kabinengebet auf die Begegnung eingestimmt hatte, will Obama ein Trikot der Black Stars schenken.

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