Das nicht anerkannte Tor Englands ruft Befürworter des Videobeweises auf den Plan. Technische Hilfen wären leicht umsetzbar.

Alles eine Frage der Technik. Das sagt auch ein in die Jahre gekommener Rockstar in einem WM-Werbespot in seiner Weltraum-Bar immer dann, wenn es mal wieder ein Alien im Franzosen- oder England-Trikot am Tresen umgehauen hat.

Die "Angst" vor dem Videobeweis, also vor einer Einführung eines technischen Hilfsmittels zur schnellen Beurteilung von strittigen Szenen durch den Schiedsrichter, ist unbegründet.

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Das Reglement könnte zum Beispiel folgende Möglichkeiten vorsehen:

Jeder Trainer hätte pro Halbzeit maximal zwei Mal das Recht, beim Schiedsrichter den Blick auf die Wiederholung zu beantragen, und müsste so mit seinen "Videobeweis-Auszeiten" entsprechend haushalten.

Sollte ein Coach einen Videobeweis einfordern und er läge mit seiner Einschätzung daneben, dann würde es einen Eckball für den Gegner oder eine andere Form der Bestrafung geben.

Somit wären Unterbrechungen wegen jeder "Kleinigkeit" ausgeschlossen. Der Schiedsrichter bliebe so immer noch Herr der Lage, weil er derjenige wäre, der die Situation in diesem Moment so gut wie kein anderer im Stadion beurteilen könnte: Besser als jeder Spieler. Besser als jeder Trainer.

Und auch besser als jeder Zuschauer, weil er sich "die Szene" öfter hintereinander anschauen könnte. Der Videobeweis würde also die Autorität des Schiedsrichters nicht in Frage stellen.

Im Gegenteil: Sie wäre wiederhergestellt, wenn man sich die momentane Kritik bei dieser WM am Mann in Schwarz vor Augen führt.

Der schnelle Blick des Unparteiischen auf einen bereitstehenden Monitor am Randes des Spielfelds würde dem Fußball nicht seine Emotionalität nehmen.

Der Diskussionsstoff rund um diesen Sport würde uns allen mit Sicherheit nicht ausgehen. Es würde bloß über andere Themen geredet werden als über zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten, die nicht mehr rückgängig zu machen sind und hingenommen werden müssen wie Naturkatastrophen.

Es passt einfach nicht mehr in die Zeit. Und das immer wieder bemühte Argument, dass das Spiel in "seinem Fluss" gestört würde, zieht nicht.

Dafür sorgt vielmehr eine minutenlange Diskussion nach dem Abseits-Tor von Argentiniens Carlos Tevez gegen die bis zu diesem Zeitpunkt übrigens spielbestimmenden Mexikaner.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Was gibt es denn über den nicht gegebenen Treffer von Frank Lampard, der für England den 2:2-Ausgleich und vielleicht die Rettung gegen Deutschland bedeutet hätte, schon groß zu diskutieren? Das Ding war drin. Fertig.

Und das Wembley-Tor, also das richtige von 1966, würde es für alle Diskussions-Nostalgiker noch immer geben.

Die Technik war damals eben noch nicht so weit. Das ist heute aber anders. Der Schiedsrichter könnte innerhalb von wenigen Minuten auch das sehen und wahrnehmen, was heutzutage oft für zig Millionen Zuschauer vor den TV-Geräten offensichtlich ist.

Aber ausgerechnet die Person auf dem Feld, die die strittigen Situationen beurteilen muss, sieht - wie bei dieser WM im Achtelfinale gleich zwei Mal an einem Tag zu beobachten - weniger als alle anderen.

Und das soll so sein und auch so bleiben? Das ist einfach grotesk.

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