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Carlos Dunga führte die Selecao 1994 als Spielführer zum WM-Titel in den USA © getty

Carlos Dunga legt viel Wert auf die Defensive - trotz heftigem Gegenwind in der Heimat. Eckpfeiler seines Teams ist Lucio.

Durban/Johannesburg - Wenn es um den brasilianischen Fußball geht, denkt man zumeist an Samba-Kicker, Ballkünstler und jede Menge Superstars.

Waren es früher Pele, Zico oder Ronaldo, heißen die Lieblinge der Massen heute Kaka, Robinho und Luis Fabiano (Der WM-Spielplan).

Brasilien hat auch nach wie vor dermaßen viele Weltklasse-Offensivspieler, dass es selbst ein früherer Weltfußballer wie Ronaldinho nicht mehr in den WM-Kader der "Selecao" geschafft hat.

Der Verzicht auf den Star des AC Mailand sorgte sogar bei Staatspräsident Lula für Unverständnis.

Doch Trainer Carlos Dunga lässt sich von niemandem in seine Aufstellung reinreden - und setzt sich damit auch in Südafrik ader Kritik der heimischen Medienwelt und der Experten aus.

Dunga bleibt seiner Linie treu

"Es beunruhigt mich, wenn es von der Leistung des Torwarts abhängt, ob wir gewinnen", meinte Zico zuletzt.

Doch Dunga, den sich in Brasilien "o Alemao" (der Deutschen) nennen, lässt sich nicht beirren und bleibt seiner Linie treu.

Getreu dem Motto "Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel", legt der frühere Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart großen Wert auf die Abwehrarbeit.

"Alle, die vom Fußball sprechen, reden vom schönen Spiel. Aber das schöne Spiel muss auch kontrolliert werden", erklärte der Coach, der Brasilien 1994 in den USA als Kapitän zum vierten von bisher fünf WM-Titeln führte.

Lucio als Schlüsselspieler

Im Achtelfinale gegen Chile (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) wird es nötig sein, der angriffslustigen Mannschaft des argentinischen Coaches Marcelo Bielsa eine kompakte Defensive entgegenzustellen.

Ein Erfolgsgarant für Dungas Konzept ist Lucio.

"Er ist ein fantastischer Spieler. Er gibt der Abwehr viel Sicherheit und ist sehr wichtig für unser Team", sagt Dani Alves im Gespräch mit SPORT1 über den früheren Abwehrchef des FC Bayern.

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Lucio dirigiert eine dermaßen starke Abwehr, dass selbst für Alves, der beim FC Barcelona mit seinen Flügelläufen die Fans begeistert, kein Platz in der Startelf ist.

Starke Abwehr

Vor ihm steht in der "Selecao" nämlich Maicon.

Der Rechtsverteidiger, der mit Lucio und Torwart Julio Cesar enormen Anteil am Champions-League-Triumph von Inter Mailand hatte, besticht durch unglaubliche Athletik und gefährliche Vorstöße, wie bei seinem Tor beim 2:1-Sieg gegen Nordkorea.

Zusammen mit Michel Bastos von Olympique Lyon und Juan vom AS Rom, der mit Lucio schon in ihrer gemeinsamen Zeit bei Bayer Leverkusen die Innenverteidigung bildete, haben die Brasilianer bisher eine der stärksten Abwehrreihen der WM.

Alves hofft auf Messi

Ihr Ziel ist - natürlich - der Titel.

Am besten in einem Finale gegen Erzrivale Argentinien, das mit dem 3:1 über Mexiko bereits im Viertelfinale steht und dort auf die deutsche Mannschaft trifft.

"Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass diese großartige Partie zustandekommt", sagt Alves, der auf ein Duell mit seinem Barca-Kollegen Lionel Messi hofft.

"Es wäre super, wenn Messi und ich aufeinandertreffen würden. Argentinien spielt sehr gut, wir müssen uns noch etwas steigern."

Offensiv-Stars kehren zurück

Gegen die Chilenen, bei denen Top-Stürmer Humberto Suazo wieder fit ist, kann Dunga auch wieder auf Felipe Melo setzen.

Der Mittelfeldspieler hat seine Verletzung im linken Sprunggelenk, die er sich beim 0:0 gegen Portugal zugezogen hatte, offenbar überwunden.

Spielmacher Kaka ist nach seiner Rotsperre zurück, Elano trainiert wieder und auch Robinho, der gegen Portugal geschont wurde, brennt auf seinen Einsatz.

Lob für Lucio

Wieder dreht sich also fast alles um die Ballzauberer im Team der Brasilianer. Über die Arbeiter in der Abwehr spricht kaum jemand.

Außer Alves. "Lucio ist genial", betont er. "Ich hoffe, dass wir noch viel mit ihm erreichen."

Sollte Brasilien zum sechsten Mal den Titel gewinnen, wäre es für den Kapitän die Krönung seiner großartigen Karriere.

Und Dunga würde nebenbei in den erlauchten Kreis derer eintreten, die als Spieler und als Trainer die WM gewonnen haben.

Dann dürften auch seine Kritiker endlich schweigen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Brasilien: 1 Julio Cesar - 2 Maicon, 3 Lucio, 4 Juan, 6 Michel Bastos - 7 Elano, 8 Gilberto Silva, 5 Felipe Melo (17 Josue) - 10 Kaka - 9 Luis Fabiano, 11 Robinho

Chile: 1 Bravo - 4 Isla, 5 Contreras, Fuentes, 8 Vidal - 6 Carmona, 20 Millar, 14 Fernandez, 9 Suazo - 7 Sanchez, 15 Beausejour

Schiedsrichter: Howard Webb (England)

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