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Die Brasilianer bejubeln den 3:0-Erfolg über den südamerikanischen Konkurrenten Chile © getty

Brasilien qualifiziert sich mit einem souveränen Erfolg gegen Chile für das Viertelfinale. Fabiano spricht von "Durchbruch".

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Dunga war entspannt.

Dazu hatte der brasilianische Nationaltrainer am Montagabend in Johannesburg auch jede Berechtigung (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

Denn das WM-Achtelfinale gegen die im Vorfeld als bissig und unbequem eingeschätzten Chilenen war für den Rekordweltmeister zu einem Spaziergang geworden.

Ein Doppelschlag durch einen Kopfball von Juan (35.) und das dritte Turniertor von Luis Fabiano (38.) hatte Chile aus der Bahn geworfen, in die die Mannschaft von Trainer Marcelo Bielsa im weiteren Verlauf der Begegnung nicht mehr zurückfand.

Chile noch gut bedient

Mit dem 0:3-Endstand, den Robinho in der 59. Minute herstellte, war sie noch gut bedient.

Denn die Brasilianer machten den Eindruck, jederzeit einen Gang höher schalten zu können.

"Das Spiel war schön anzuschauen", meinte Dunga also. "Denn Chile hat auch nach vorne gespielt. Aber wir hatten das Geschehen über 90 Minuten im Griff."

Nicht zuletzt deswegen, weil die jungen Chilenen zwar lauffreudig und aggressiv waren, in den entscheidenden Situationen aber eine frappierende Naivität an den Tag legte (GAMES: Das WM-Tippspiel).

So musste sich Juan vor dem 1:0 im "Kopfballduell" lediglich gegen seinen Mannschaftskameraden Fabiano durchsetzen.

Bei den anderen beiden Treffern ließ sich Chile klassisch auskontern.

"Jogo bonito" noch möglich

Die Kombination vor dem 2:0 über Robinho und Kaka hin zu Luis Fabiano sowie der Antritt von Ramires, den Robinho mit seinem ersten WM-Tor zum 3:0 veredelte, lieferten zudem den Nachweis, dass die Brasilianer zum "Jogo bonito" durchaus auch unter Dunga in der Lage sind.

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Sie setzen das spektakuläre, ästhetisch schöne Spiel zum Bedauern des neutralen Beobachters allerdings sehr dosiert ein 256310(DIASHOW: Der 18. WM-Spieltag).

"Die Qualität unserer Einzelspieler hat den Unterschied gemacht", urteilte Dunga.

"Die Mannschaft hat nun aber einen Spielstil verinnerlicht, der unabhängig von der personellen Besetzung funktioniert."

Nüchtern, pragmatisch, erfolgreich

Dieser Stil ist weitgehend nüchtern und pragmatisch, wie Dunga es zu seiner aktiven Zeit als defensiver Mittelfeldmann war, aber eben auch erfolgreich.

"Es hat einige Leute gegeben, die daran gezweifelt haben, dass wir hier so überzeugend auftreten würden", meinte der Coach nicht ohne Genugtuung.

"Aber nun wächst unser Selbstvertrauen mit jedem Erfolg weiter."

Der ungefährdete Sieg gegen Chile hat dem Selbstbewusstsein der "Selecao" offenbar einen besonders großen Schub gegeben 249109(DIASHOW: So schön ist die WM).

"Das war der Durchbruch"

"Ich bin davon überzeugt, dass das Spiel unser Durchbruch war", erklärte Fabiano.

Der käme gerade rechtzeitig, denn die nächste Etappe auf dem Weg zum sechsten WM-Titel hat es in sich.

Am Freitag treffen die Brasilianer im Viertelfinale um 16 Uhr (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Port Elizabeth auf die Niederlande.

"Die Holländer sind bei Weltmeisterschaften traditionell gut und spielen ähnlich wie die südamerikanischen Teams", warnte Dunga.

"Wir müssen uns darauf einrichten, es mit technisch extrem starken Gegenspielern zu tun zu bekommen. In der Rückwärtsbewegung müssen wir sehr gut aufpassen."

Kaka reumütig

Mittelfeldstratege Kaka war derweil "zufrieden" mit seiner Rückkehr nach Gelb-Rot-Sperre. "Ich habe erneut einen Pass zu einem Tor geben. Das ist meine Aufgabe", sagte er.

Dann bemühte er Statistik, um letzte Zweifel zu beseitigen: "Das war schon meine dritte Torvorlage."

Aber er sah auch schon seine dritte Gelbe Karte. Bei einer weiteren im "vorweggenommenen Endspiel" (Maicon) gegen die Niederlande wäre er im Halbfinale gesperrt.

"Das ist ein Problem. Ich will nicht, dass er wieder ausfällt", sagte Dunga, und kündigte ein Gespräch mit dem bisweilen undisziplinierten Star an.

Kaka gab sich reumütig. "Ich werde vorsichtiger sein. Niemand will ein Halbfinale verpassen."

Torschütze Robinho hatte derweil ein Versprechen an die Fans parat:

"Wir werden gegen Holland unsere Herzen in die Schuhspitzen stecken, denn unser Ziel ist es, den brasilianischen Fans wieder große Freude zu bereiten."

Bielsa: "Verdient ausgeschieden"

Während die Gedanken des Siegers bereits im Ellis Park zur nächsten Aufgabe schweiften, gestand der Verlierer seine Chancenlosigkeit ein.

"Wir sind verdientermaßen ins Achtelfinale vorgestoßen, aber dort genauso verdient ausgeschieden", resümierte Coach Bielsa den WM-Auftritt seiner Mannschaft.

"Auch wenn das Ergebnis ein bisschen zu deutlich ausgefallen ist, gibt es an der Überlegenheit Brasiliens nichts zu deuteln."

Wichtige Erfahrung für junges Team

Die "Selecao" habe die Geduld gehabt, auf die Lücken in Chiles Hintermannschaft zu warten und sie auszunutzen. Seine Mannschaft verlasse Südafrika aber erhobenen Hauptes.

"Wir haben uns hier gut verkauft, obwohl wir eines der jüngsten Teams überhaupt hatten", sagte der Argentinier.

"Von der Erfahrung, die wir hier gesammelt haben, werden wir in der Zukunft profitieren."

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