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Die Szene des Anstoßes: Gabriel Heinze (r.) legt sich mit dem Kameramann an © getty

Der argentinische Abwehrspieler legt sich im Achtelfinale gegen Mexiko mit einem Kameramann an. Doch Die FIFA wird nicht handeln.

Von Matthias Becker und Daniel Michel

München - Neuer Zündstoff vor dem Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER):

Nach den Regeln der FIFA müsste Argentiniens Verteidiger Gabriel Heinze nachträglich gesperrt werden - und somit für das Duell mit dem DFB-Team ausfallen.

Heinze, dessen Vater aus Deutschland stammt, hat sich im Achtelfinale gegen Mexiko (3:1) einer klaren Tätlichkeit schuldig gemacht.

Doch der Weltverband wird nicht reagieren.

"Die Disziplinarkommission der FIFA hat sich mit der Angelegenheit befasst, aber keine Gründe gefunden, eine Untersuchung einzuleiten", erklärte ein Sprecher auf Nachfrage von SPORT1.

Dabei ist die Rechtlage eindeutig, wie Eugen Striegel, Mitglied im DFB-Schiedsrichterausschuss, im Gespräch mit SPORT1 bestätigte.

Rosetti ahndet Aktion nicht

Die Aktion wurde vom Schiedsrichtergespann um den Italiener Roberto Rosetti nicht geahndet, weshalb Heinze nun per Videobeweis überführt werden könnte.

Und gerade in diesem Fall ist der Videobeweis eindeutig. Was war passiert?

Ohrfeige nach Torjubel

Es ist die 33. Spielminute im lateinamerikanischen Duell zwischen Argentinien und Mexiko:

Gonzalo Higuain hat gerade das 2:0 für die "Albiceleste" erzielt, nahe der Eckfahne bildet sich eine argentinische Jubeltraube.

Ein Kameramann rückt so nah an die Spieler heran, dass Verteidiger Gabriel Heinze mit seinem Kopf gegen das High-Tech-Gerät stößt.

Der Argentinier holt aus und ohrfeigt die Kamera respektive den Kameramann.

Regel 12: Klare Tätlichkeit

Auch wenn die Aktion von Heinze aus dem Affekt heraus passiert sein mag: Es handelt sich hierbei um eine Tätlichkeit, Heinze hätte den Regeln zufolge die Rote Karte sehen müssen.

Regel 12 besagt:

"Als Tätlichkeit gelten auch übertriebene Härte oder Gewalt gegen eigene Mitspieler, Zuschauer, Spieloffizielle oder sonstige Personen. Zu Tätlichkeiten kann es auf oder neben dem Spielfeld und bei laufendem oder unterbrochenem Spiel kommen."

Striegel: Ziel der Attacke ist egal

Das bestätigte auch Eugen Striegel. "Wenn der Schiedsrichter es als Schlagen im Sinne der Tätlichkeit sieht, ist es natürlich eine Rote Karte. Egal, gegen wen er das tut, ob Mitspieler, Gegenspieler, Zuschauer oder Kameramann", sagte er SPORT1.

Sofern Schiedsrichter Rosetti die Tat auf dem Feld nicht gesehen hat, kann die FIFA Heinze mit einer Spielsperre bestrafen, bestätigte Striegel:

"Wenn der Schiedsrichter das nicht bemerkt, gibt es die Möglichkeit, dass ein Sportgericht es im Nachhinein bestraft, wenn es sich um krass sportwidriges Verhalten handelt."

"Der Nachweis muss klar erbracht werden"

Allerdings schränkt der frühere DFB-Schiedsrichter-Lehrwart mit Blick auf den Zeitpunkt der betreffenden Aktion auch ein:

"Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der im Torjubel jemanden schlagen will. Der handelt eher im Affekt und will seine Emotionen rauslassen", erklärte Striegel, der die Hürde für eine mögliche nachträgliche Sperre hoch legt:

"Da muss der Nachweis klar erbracht werden, dass der Spieler vorsätzlich geschlagen hat und nicht einfach aus Freude."

Der DFB wollte sich auf Nachfrage von SPORT1 zu den Geschehnissen nicht äußern. Man gebe "außer sportlichen Einschätzungen grundsätzlich keine Kommentare zu anderen Teams ab", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Rudelbildung vor der Halbzeitpause

Heinze war im Spiel gegen Mexiko noch ein weiteres Mal negativ aufgefallen.

Der Verteidiger soll auf dem Weg in die Halbzeitpause der Auslöser für die Rudelbildung an den Auswechselbänken gewesen sein.

Auch in der Heimat ist der 32-Jährige vom französischen Meister Olympique Marseille keineswegs unumstritten.

Kritiker von Nationaltrainer Diego Maradona behaupten, dieser biete Heinze nur deshalb als Stammkraft auf, weil er Geschäftsbeziehungen mit Heinzes Bruder pflegt.

Schon 2006 aufgefallen

Heinze wird somit nicht das gleiche Schicksal ereilen wie Torsten Frings bei der WM 2006.

Der wurde nach dem Viertelfinale gegen Argentinien wegen einer Tätlichkeit nach Ende des Elfmeterschießens für das Halbfinale gegen Italien gesperrt.

Auch damals mitten im Getümmel und im Begriff DFB-Teammanager Oliver Bierhoff an die Gurgel zu gehen: Gabriel Heinze.

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