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Die Szene des Anstoßes: Cristiano Ronaldo (l.) erregt sich über den Kameramann © getty

Portugals Kapitän sorgt mit einem "Spuck-Angriff" nach dem WM-Aus gegen Spanien für Wirbel. Ein anderer Star tritt zurück.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Im Eiltempo und mit starrem Blick marschierte Cristiano Ronaldo im Green Point Stadium nach dem Spiel an den wartenden Journalisten vorbei.

An seiner Seite ging Hugo Almeida, und auch der Bremer war nicht zum Plaudern aufgelegt.

Das Achtelfinal-Aus durch das leistungsgerechte 0:1 (0:0) gegen Spanien war für die Portugiesen nur schwer zu verdauen (DATENCENTER: Das WM-Achtelfinale).

Offenbar so schwer, dass Ronaldo nach dem Spiel seinem Frust freien Lauf ließ und einem Kameramann, der ihm beim Verlassen des Spielfelds sehr nahe gekommen war, auf die Linse spuckte.

Ronaldo wortkarg

Anschließend antwortete er im TV-Interview auf die Frage nach den Gründen für das Aus der Portugiesen nur: "Das müssen Sie den Trainer fragen".

Der knappe Kommentar des portugiesischen Kapitäns ließ Knatsch mit seinem Coach Carlos Queiroz vermuten 256844(DIASHOW: SPORT1-Elf WM-Achtelfinale).

Ronaldo sah sich daher veranlasst, noch in der Nacht über seinen Berater Jorge Mendes eine Statement verbreiten zu lassen.

"Ich habe das mit dem Trainer gesagt, weil er in der Pressekonferenz war und die Journalisten seine Antworten hören konnten", wurde Ronaldo da zitiert.

"Am Boden zerstört"

"Ich habe mich nicht in der Lage gefühlt, Erklärungen abzugeben. Ich fühle mich am Boden zerstört, total verzweifelt, frustriert und unvorstellbar traurig."

Er hätte niemals gedacht, dass "dieser einfache und unschuldige Satz für derartigen Aufruhr sorgen würde. Man soll keine Geister heraufbeschwören, wo keine sind".

Der Trainer selbt versuchte direkt nach dem Spiel noch jegliche Polemik im Ansatz zu ersticken. Als Queiroz gefragt wurde, ob Ronaldo noch der richtige Spielführer für die portugiesische Mannschaft sei, entgegnete er knapp:

"Diese Frage ist total unangebracht. Er ist unser Anführer und unser Kapitän - und wir glauben an ihn."

Rüffel vom Trainer

Doch tags darauf nahm er sich seinen Star zur Brust: "Wenn ich mein Leben lang damit verbringen muss, den Leuten zu erklären, dass sie ihre Frustrationen im Griff haben müssen, werde ich das tun", sagte Queiroz.

Der verärgerte Coach bot Ronaldo sogar den Rücktritt aus dem Nationalteam an: "Portugal braucht Ronaldo und Ronaldo braucht Portugal. Aber wenn das Nationaltrikot für manche Spieler zu eng ist, sind sie nicht gezwungen, es zu tragen", so der Coach weiter.

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(GAMES: Das WM-Tippspiel).

Die einzig gefährliche Aktion von Ronaldo auf dem Spielfeld war ein Freistoß in der ersten Hälfte, den Spaniens Keeper Iker Casillas abklatschen ließ.

So wurde die WM für den einstigen Weltfußballer eine einzige Enttäuschung und bildete den negativen Schlusspunkt einer Saison ohne Titel für den Superstar von Real Madrid.

Im Angriff harmlos

Was nicht nur an Ronaldo lag, sondern auch an den anderen Offensivspielern, die trotz bekannter Namen auch gegen Spanien erschreckend harmlos waren..

"Es war schwierig, denn die Spanier hatten viel Ballbesitz und haben das Spiel kontrolliert", erklärte Innenverteidiger Ricardo Carvalho im Gespräch mit SPORT1.

Deco tritt ab

So schieden die Portugiesen, bei denen der erneut nicht eingesetzte Mittelfeldregisseur Deco nach der Partie seinen Rücktritt "aus persönlichen Gründen" erklärte, mit nur einem Gegentor aus.

"Darüber bin ich natürlich sehr enttäuscht, denn ich finde, wir haben hier ganz guten Fußball gezeigt", meinte Pepe zu SPORT1.

Auf die Nachfrage, ob die "Seleccao" nicht doch zu defensiv gespielt hätte, entgegnete der Profi von Real Madrid:

"Das war von Beginn an unsere Taktik, aber Spanien hat als Mannschaft sehr gut gespielt und in Villa einen herausragenden Stürmer."

Heile Welt beim Europameister

Zufrieden und glücklich zeigten sich die Spieler des Europameisters nach ihrem Erfolg 256737(DIASHOW: Der 19. WM-Tag).

"Wir haben uns den Sieg erarbeitet und verdient. Wir mussten geduldig sein, aber wir wussten, dass die Chancen irgendwann kommen würden", sagte David Villa, der in der 63. Minute mit seinem vierten Turniertreffer das entscheidende Tor erzielt hatte.

"Portugal hat hinten dicht gemacht, aber wir haben auf unsere Stärke gebaut und unser Spiel gemacht", erklärte "El Guache".

Nun gegen Paraguay

Im Viertelfinale treffen die Spanier am Samstag in Johannesburg auf Paraguay, das sich am Dienstagnachmittag im Elfmeterschießen gegen Japan durchgesetzt hatte (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

"Wir kommen unserem Ziel Schritt für Schritt näher", meinte Torwart Casillas.

Nun müsse man weiter "ganz vorsichtig einen Schritt nach dem anderen machen", betonte Villa, der wie schon gegen Honduras und Chile der Matchwinner für den Weltranglistenzweiten war.

"Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, aber die Mannschaft ist wichtig", erklärte der EM-Torschützenkönig von 2008.

Spanien vor einer Premiere

Nach ihrem Triumph vor zwei Jahren trennt die Spanier nur noch ein Spiel vom erstmaligen Einzug in das Halbfinale einer WM.

"Paraguay ist ein starker Gegner, vor dem wir Respekt haben", sagte Trainer Vicente del Bosque, ergänzte aber:

"Wir haben eine gute Ausgangsposition. Jetzt wollen wir Geschichte schreiben."

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