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Wesley Sneijder (r.) und Robin van Persie wollen den ersten WM-Titel für ihr Land sichern © getty

Die Niederlande hat nur noch den WM-Pokal im Sinn. Doch van Persie warnt mit Erinnerung an die Pleiten in den siebziger Jahren.

Johannesburg - Sie zeigten ein Herz für ihre Frauen, doch einen Teil der Streicheleinheiten hoben sich Arjen Robben und Wesley Sneijder für den WM-Pokal auf.

Die niederländischen "Goldköpfchen" schlenderten auch am zweiten freien Tag mit ihren Partnerinnen ganz verschmust durch den Nobel-Vorort Sandton - aber in Gedanken war die gesamte Elftal schon beim WM-Finale in Johannesburg am Sonntag.

Der goldene Pokal verdreht den Spielern den Kopf.

"Wir haben nur noch dieses Ziel vor Augen, diesen wundervollen Moment", sagte Bundesliga-Star Arjen Robben vor dem finalen Duell mit den Spaniern.

Robben: "Wollen die Niederlande glücklich machen"

"Wir wollen den WM-Pokal endlich mit nach Hause bringen und die Niederlande glücklich machen. Ich hätte gerne gegen meine Freunde vom FC Bayern gespielt. Aber das ist jetzt nicht wichtig."

Und Robben fügte hinzu: "Unsere größte Stärke ist, dass wir eine Mannschaft sind."

(260631DIASHOW: Die SPORT1-Elf des Halbfinales)

Keine Angst vor Spanien

Mit einem Sieg wollen die Niederlande Geschichte schreiben und das Trauma der Finalniederlagen 1974 und 1978 überwinden.

Dass der Endspielgegner, der beim 1:0 im Halbfinale am Mittwoch Deutschland über weite Strecken nach Belieben dominierte, ebenfalls ein Team ist und pünktlich zur heißen Phase Bestform erreicht, interessiert die niederländische Nationalmannschaft nicht.

Das Team von Bert van Marwijk strotz nach zehn Siegen in Serie vor Selbstvertrauen, der erste WM-Titel ist für die Niederlande zum Greifen nahe.

Sneijder kann Geschichte schreiben

Und insbesondere der bislang beste WM-Spieler Wesley Sneijder ist bereit, Historisches zu leisten.

"Wir müssen unseren Job jetzt im Finale erledigen. Das wird ein ganz großer Moment", sagte Sneijder, der als erster Spieler in der Fußball-Geschichte Meisterschaft, Pokal, Champions League und WM in einer Saison gewinnen kann.

Doch was sind Meisterschaften gegen den goldenen Pokal?

Erfolge mit Inter helfen

"Der WM-Titel ist der größte von allen. Mir hilft die erfolgreiche Saison mit Inter Mailand. Als wir in der Champions League gegen Barcelona und Chelsea gespielt haben, wurde gesagt, wir hätten keine Chance", sagte Sneijder.

"Aber genau wie bei Inter sind wir hier bei der WM eine Mannschaft. Wir haben es bei Brasilien und Argentinien gesehen: Es geht nicht um die besten Einzelspieler. Das beste Team gewinnt die WM."

Maradonas Triumph als Motivation

Und die spielstarke und vom Teamgeist lebende Mannschaft von Bondscoach van Marwijk ist der festen Überzeugung, dass das nur die Niederlande sein können.

"Ich träume schon davon, die Trophäe in Johannesburg in die Höhe zu halten", sagte der bislang torlose Angreifer Robin van Persie, der seit dem Sieg gegen Uruguay im Halbfinale (3:2) nur noch ein Bild vor Augen hat:

"In meinem Zimmer hängt ein Foto von Diego Maradona, wie er 1986 den WM-Pokal gen Himmel streckt. Dieses Bild wird mich durch das Finale tragen."

Pleiten von 1974 und 1978 als Ballast

Insgeheim sind sich die Niederländer aber bewusst, dass die Finalpleiten von 1974 und 1978 noch immer schwer auf den Schultern der Menschen in der Heimat lasten.

"Natürlich spüren wir den Druck, im dritten Anlauf ein WM-Endspiel zu gewinnen. Wir kämpfen gegen die Erinnerungen von Johan Cruyff und Co", sagte Arsenal-Angreifer van Persie.

Kapitän Giovanni van Bronckhorst, der den Sieg über Uruguay mit einem herrlichen Treffer eingeleitet hatte, bezeichnete das Finale gegen Spanien einfach nur als "das Spiel des Lebens".

Königshaus glaubt an Sieg

Und zwar nicht nur deshalb, weil es sein Letztes für die Elftal sein wird. "Es wird keine Tränen geben, denn ich bin mir sicher, es wird einfach nur das schönste Spiel meines Lebens", sagte der Linksverteidiger.

Auch das niederländische Königshaus ist vom ersten Titel überzeugt.

Als Grund führte Prinz Willem-Alexander die Fähigkeiten des früheren Dortmunder Trainers Bert van Marwijk an:

"Mit diesem Bondscoach wird alles gut. Die Spieler müssen im Endspiel gegen Spanien nur mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben", sagte der Prinz. Dann dürfen sie bald den Pokal und ihre Frauen küssen.

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