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David Villa spielt in der kommenden Saison für den FC Barcelona © getty

Spanien gilt im WM-Finale gegen die Niederlande als Favorit. Die Spieler wollen sich für den historischen Erfolg zerreißen.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Johannesburg - Zum ersten Mal steht eine spanische Nationalmannschaft in einem WM-Finale.

Am Sonntag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) will die "Furia Roja" im Endspiel die Niederlande schlagen und den Pokal mit nach Hause nehmen.

"Geschichte haben wir schon geschrieben. Jetzt wollen wir diese WM krönen", sagt Halbfinal-Held Carles Puyol, der mit seinem Kopfballtor gegen Deutschland den Weg ins Endspiel ebnete. (In 3D: Puyols Kopfball)

Eine Gruppe von Champions

Puyol weiß wie es ist, große Titel zu gewinnen. Mit dem FC Barcelona gewann der Abwehrspieler vor einem Jahr alles, was man auf Vereinsebene erreichen kann.

Mit der Nationalmannschaft triumphierte er vor zwei Jahren bei der EM in der Schweiz und Österreich.

"Wir sind eine Grupppe von Champions. Viele haben schon große Finals gespielt, und jetzt kommt ihr größtes Spiel. Jetzt können sie zeigen, dass sie es drauf haben", sagt Trainer Vicente del Bosque, der als Coach mit Real Madrid zweimal die Champions League gewann und seine Karriere mit dem WM-Titel krönen will. (Del Bosque: Der stille Vater des Erfolgs)

"Wir haben bis hierhin Weltklasse-Fußball gespielt, auch gegen die ganz starken Deutschen. Gegen Holland wollen wir noch besser werden und den Pokal nach Hause bringen", sagt Del Bosque.

Riesige Euphorie in Spanien

In Spanien fiebern Millionen dem größten Tag in der Sportgeschichte des Landes entgegen.

Im Soccer-City-Stadion drücken zahlreiche Prominente der "Seleccion" die Daumen, darunter Königin Sofia, die schon gegen Deutschand in Durban vor Ort war, Kronprinz Felipe mit Gattin Letizia, Wimbledonsieger Rafael Nadal und Startenor Placido Domingo. 260484(DIASHOW: Bilder des Halbfinals)

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Die Euphorie ist gewaltig, aber das Finale ist noch nicht gewonnen, und die Niederlande sind ein starker Gegner.

Respekt vor Hollands Schnelligkeit

"Sie spielen sehr direkt", erklärt Spaniens Mittelfeldregisseur Xavi, der die "Elftal" stärker als das DFB-Team einschätzt: "Sie denken sehr schnell und bringen ihre Aktionen immer zwei Sekunden früher zum Abschluss als die Deutschen."

Vor allem vor Mittelfeld-Ass Wesley Sneijder, mit fünf Treffern gleichauf mit David Villa in der WM-Torjägerliste, haben die Spanier Respekt.

"Wenn man nicht auf ihn aufpasst, hat er schon aufs Tor geschossen oder einen gefährlichen Pass gespielt", warnt Xavi: "Und dann ist da auch noch Arjen Robben, der sich sofort den Ball schnappt und aufs Tor zurennt."

Kuyt als Lösung aller Probleme

Doch nicht nur vor Sneijder und Robben haben die Spanier Respekt. "Dirk Kuyt musst du immer auf der Rechnung haben", sagt Xabi Alonso, der den niederländischen Flügelstürmer aus gemeinsamen Zeiten beim FC Liverpool kennt.

Kuyt hat mit seinen starken Leistungen bei der WM auch bei der niederländischen Fußballlegende Johan Cruyff einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

"Er ist der Spieler, der alle Probleme löst: Er erobert Bälle, hält sie, bereitet Treffer vor, ist selbst torgefährlich und arbeitet enorm viel für die Mannschaft", sagt Cruyff.

Experten und Paul sehen Spanien vorn

Cruyff, beim FC Barcelona als Spieler und Trainer eine Legende, macht sich in seiner Wahlheimat Spanien derzeit viele Freunde. "Spanien ist jetzt der große Favorit", sagt "Europas Fußballer des Jahrhunderts", ergänzt jedoch: "Aber ich unterstütze Holland."

Auch Cruyffs Landsmann Ronald Koeman sieht die Spanier als Favorit. "Aber ich hoffe natürlich auf Holland", sagt der ehemalige Barca-Profi.

Die Einschätzungen der Experten und der Sieg-Tipp von Tintenfisch-Orakel Paul werden zwar zur Kenntnis genommen, doch Spaniens Spieler bleiben realistisch.

Nur der Titel zählt

"Die Erwartungen sind groß. Es ehrt und gefällt uns, dass uns viele als Favoriten sehen", sagt Kapitän Iker Casillas: "Aber wir können uns nicht auf Prognosen verlassen. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert."

Auf dem Rasen werden sich die Spanier zerreißen und rennen, "bis kein Tropfen Schweiß mehr übrig ist", verspricht Starstürmer Villa, der mit fünf Treffern gleichauf mit Sneijder die Torschützenliste anführt und mit dem Niederländer auch um den Titel des besten Spielers kämpft.

"Daran denke ich nicht. Für mich zählt nur der WM-Titel", sagt der EM-Torschützenkönig von 2008.

Torres wohl wieder auf der Bank

Fernando Torres, Siegtorschütze des Endspiels gegen Deutschland", droht hingegen wie im Halbfinale die Bank.

"Er ist großartig, aber auch andere verdienen es zu spielen", meint Del Bosque, und ergänzt vielsagend: "Das ist bitter für diejenigen, die nicht spielen dürfen."

Torres war der Held von 2008, am Sonntag wird es vielleicht Villa sein, der Spanien zum größten aller Triumphe schießt.

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