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Diego Forlan ist mit fünf Treffern Uruguays Top-Torschütze bei der WM © getty

Die Niederlage gegen Deutschland trübt die Stimmung in Uruguay nicht. Das kleine Land jubelt über die Leistung der "Celeste".

Port Elizabeth - Diego Forlan stand im Regen, seine blonden Haare hingen wirr in sein Gesicht, noch sekundenlang starrte er dem Ball hinterher.

Doch dann schüttelte er kurz den Kopf und ließ sich trotzdem feiern.

Bei seinem Freistoß an die Latte in letzter Sekunde fehlten entscheidende Zentimeter.

Doch das änderte nichts daran, dass die Uruguayer nach einer grandiosen WM zu Hause ein Empfang für Nationalhelden erwartet.

Tabarez: "Irgendwann wieder ganz oben"

"Wir haben gezeigt, dass wir nach Jahrzehnten wieder eine Weltmacht sind", sagte Trainer Oscar Tabarez nach dem 2:3 (1:1) im kleinen Finale gegen Deutschland261784(DIASHOW: Die Bilder des Spiels) und spendete Trost, obwohl es gar keines Trostes bedurfte:

"Irgendwann kommt die Zeit, da werden wir auch den ganz großen Coup landen."

Wie 1930, wie 1950 - die Weltmeisterjahre.

Es war ein wenig wie 2006 in Deutschland, was sich am Rio de la Plata während der vergangenen Wochen abgespielt hat.

Neues Nationalgefühl

Ein neues Nationalgefühl ist erwacht, geweckt von 23 Männern in himmelblauen Trikots.

"Wir haben dafür gesorgt, dass unser Volk wieder Hoffnung schöpft", sagte Tabarez und ergänzte:

"Das muss sich nun auf andere Lebensbereiche übertragen. Es ist uns gelungen, eine neue Vision zu zeichnen. Wir haben gezeigt, dass man mit akribischer Arbeit Erfolg haben kann."

Es kam also nicht von ungefähr, dass alle Spieler nach dem Abpfiff des Spiels um Platz drei einzeln frenetisch gefeiert wurden.

Größter Erfolg seit 1970

Platz vier bedeutet den größten Erfolg für den uruguayischen Fußball seit 1970 - damals verlor die Celeste ebenfalls das kleine Finale gegen die deutsche Mannschaft (0:1). 261782(DIASHOW: Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

"Unter den besten Vier der Welt zu sein, ist spektakulär. Wir fühlen uns als Sieger, auch wenn wir nicht gewonnen haben. Wir haben gezeigt, wozu wir fähig sind", sagte Forlan:

"Ich freue mich auf den Empfang."

Großer Empfang in der Heimat

Der wird gewaltig ausfallen. Ganz Montevideo wird auf den Beinen sein, ein sonniger Wintertag, auch der Himmel ganz in Blau.

"Lasst sie uns würdig empfangen. Unsere Ehre blieb unversehrt. Auch die Niederlage trübt nicht, was Uruguay bei dieser WM erreicht hat: Ruhm und Respekt", schrieb die Tageszeitung "Observador".

Der Gigant Brasilien? Viertelfinale. Der Topfavorit Argentinien? Viertelfinale. Das kleine Uruguay? Halbfinale, die große Überraschung der WM.

Man ist wieder wer und tritt aus dem Schatten der übermächtigen Nachbarn, die Uruguay nicht nur geographisch fast ein wenig einklemmen.

Verband will Tabarez halten

Der nationale Verband AUF wird nun alles daran setzen, Nationaltrainer Oscar Tabarez zu halten, der eine limitierte, jedoch talentierte Mannschaft zu diesem Erfolg geführt hat.

"Ich fühle mich gut. Es liegt in meinem Interesse, weiterzumachen. Aber jetzt ist nicht der Augenblick, um darüber zu sprechen", meinte der 63-Jährige.

Der AUF hatte geklagt, dass er nicht in der Lage sei, Tabarez ein angemessenes Gehalt zu zahlen.

Selbstverständlich kam auch noch die Sprache auf einen vor vier Wochen noch unbekannten Tintenfisch aus Oberhausen, der nun eine der wichtigsten Instanzen im Fußball ist.

"Oktopus Paul hatte wieder recht", stellte die Tageszeitung "El Pais" am Sonntagmorgen zerknirscht fest.

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