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Cesc Fabregas (r.) bejubelt mit Xavi den Siegtreffer der Spanier im WM-Finale © getty

Zwei Einwechselspieler, zwei Schicksale: Cesc Fabregas nutzt einen Patzer von Rafael van der Vaart und bereitet Iniestas Siegtreffer vor.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Spanien hat den Fußball-Thron bestiegen.

Dank eines 1:0-Sieges nach Verlängerung setzte sich der Europameister im WM-Finale in Johannesburg 262177(Die Bilder des Spiels) gegen die Niederlande durch.

In einer zefahrenen Partie, in der die "Elftal" vor allem durch brutale Tritte auffiel, war es Barcelonas Andres Iniesta, der die "Furia Roja" kurz vor Schluss der erlösende Siegtreffer gelang.

Rafael van der Vaart sah bei dem Gegentreffer nicht gut aus, der ebenfalls eingewechselte Cesc Fabregas glänzte mit einem feinen Zuspiel.

SPORT1 hat die Einzelkritik zum WM-Finale.

NIEDERLANDE:

Maarten Stekelenburg: Der Torhüter war gleich in der Anfangsphase gefordert. Einen wuchtigen Kopfball von Sergio Ramos parierte er reaktionsschnell (5.). In der zweiten Halbzeit rettete er bärenstark gegen einen Schuss von David Villa aus Nahdistanz (69.), ehe er auch dem freistehenden Cesc Fabregas das 1:0 verweigerte (95.). Beim Gegentor war er machtlos. SPORT1-Note: 2

Gregory van der Wiel: Der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger kehrte nach abgesessener Gelbsperre für Khalid Boulahrouz in die Mannschaft zurück. In der ersten Halbzeit wagte er sich nur einmal nach vorne, war ansonsten von Andres Iniesta in der Defensive gebunden. War dann rechtzeitig zur Stelle, um einen Abschluss Villas abzublocken (77.). Van der Wiel handelte sich in der Verlängerung noch die Gelbe Karte durch ein Foul an Iniesta (113.). SPORT1-Note: 3

John Heitinga: Der Innenverteidiger vom FC Everton verhinderte nach einer knallharten Hereingabe von Ramos in den Fünfmeterraum das 0:1 (11.). Geriet nach der Pause mit Villa aneinander, nachdem er sich für einen Tritt an der Außenlinie die Gelbe Karte abgeholt hatte (58.). Hätte dem Angreifer durch einen Querschläger fast ein Tor serviert (69.) und hatte Glück, dass seine Attacke gegen Xavi keinen Strafstoß zur Folge hatte (92.). Eine gute Viertelstunde später war die Partie für Heitinga beendet. Ein Trikotzupfer gegen Iniesta brachte ihm Gelb-Rot ein (110.). SPORT1-Note: 4,5

Joris Mathijsen: Der Hamburger spielte eine solide erste Halbzeit. Allerdings vergab er eine Großchance kläglich, als er freistehend neben den Ball trat (37.). Noch viel größer war seine Torchance in der Verlängerung: Da köpfte er unbedrängt aus fünf Metern über den Kasten (96.). Der Frust über das späte Gegentor entlud sich in einer wütenden Verbalattacke gegen den Schiedsrichterassistenten, für die er verwarnt wurde. SPORT1-Note: 4

Giovanni van Bronckhorst: Der Kapitän hatte zunächst mit Pedro zu kämpfen, bekam ihn dann aber in den Griff. Sah die Gelbe Karte für ein Foul an Ramos (55.). Nach der Einwechslung von Navas wieder mit mehr Problemen. Wurde nach 105 Minuten gegen Braafheid ausgewechselt. SPORT1-Note: 4

Mark van Bommel: Der Kapitän des FC Bayern wurde schon Mitte der ersten Halbzeit für ein Foul der Sorte "dunkelgelb" an Iniesta verwarnt (22.). Er versuchte immer wieder mit kleinen Fouls den Spielrhythmus der Spanier zu durchbrechen. Brachte die Partie zwar ohne Platzverweis zu Ende, blieb aber auch ohne größere Impulse im Spiel nach vorne. SPORT1-Note: 3,5

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Nigel de Jong: Der 25-Jährige von Manchester City war nach seiner Sperre für das Halbfinale für Demy de Zeeuw wieder mit von der Partie. Er fiel mit einem wüsten Kung-Fu-Tritt gegen die Brust Xabi Alonsos auf, für das er nur Gelb sah (29.). Arbeitete ansonsten solide im defensiven Mittelfeld, ehe er in der 99.Minute für Rafael van der Vaart das Feld räumte. SPORT1-Note: 4

Wesley Sneijder: Der Triple-Gewinner von Inter Mailand war in der ersten Hälfte kaum zu sehen, hatte aber Glück, für ein härteres Foul gegen Sergio Busquets nicht verwarnt worden zu sein (43.). Spielte dann einen genialen Steilpass auf Robben, den der jedoch nicht zu nutzen wusste (63.). Ein abgefälschter Freistoß verfehlte sein Ziel (115.). Insgesamt nicht so dominant wie zuletzt. SPORT1-Note: 3,5

Dirk Kuyt: Der unermüdliche Kämpfer fand überhaupt nicht in die Partie und sah zumeist nur die Fersen von Sergio Ramos. Die logische Konsequenz: Er machte nach 71 Minuten für Eljero Elia Platz. SPORT1-Note: 5

Robin van Persie: Der zentrale Angreifer sah gegen die spanische Innenverteidigung vor der Pause kein Land, dafür aber nach einer überflüssigen Grätsche gegen Joan Capdevila die Gelbe Karte (14.). Es blieb so ziemlich die einzige auffällige Szene des Arsenal-Stürmers. SPORT1-Note: 5

Arjen Robben: Der Münchner setzte vor der Pause zweimal mit überschaubarem Erfolg zum Solo über den rechten Flügel an, wurde aber mit einem Schuss von der Strafraumgrenze gefährlich, den Casillas zu Ecke lenkte (45.). Eine spätere Kopie der Szene hatte den gleichen Ausgang (52.). Robben hätte das 1:0 machen müssen, als er von Sneijder steil geschickt frei vor Casillas auftauchte. Doch der Torhüter parierte (63.). Das tat er auch in der 83. Minute, als Robben Puyol enteilt war. Für sein Reklamieren nach der vermeintlich versuchten Notbremse des Abwehrspielers sah der Flügelsprinter Gelb (84.). SPORT1-Note: 2,5

Eljero Elia: Der Hamburger übernahm nach 71 Minuten für Kuyt. Er sollte das Konterspiel forcieren, rieb sich aber in Duellen mit Ramos auf. SPORT1-Note: 4

Rafael van der Vaart: Der Madrilene kam nach 99 Minuten für de Jong in die Partie. Sechs Minuten später übernahm er die Kapitänsbinde vom ausgetauschten van Bronckhorst. Vor dem Gegentor durch Iniesta kriegte er den Ball nicht weg und war so maßgeblich an der Niederlage beteiligt.SPORT1-Note: 4,5

Edson Braafheid: Der Bayern-Rückkehrer durfte nach 105 Minuten van Bronckhorst ablösen und kam zu seinem ersten Turniereinsatz überhaupt. SPORT1-Note: Ohne Bewertung

SPANIEN:

Iker Casillas: Der Kapitän war in der ersten Halbzeit nur beim Flachschuss Robbens gefordert, den er zur Ecke lenkte (45.). Zuvor verschätzte er sich bei einem langen Schlag von van Bronckhorst, der den Spaniern den Ball zurückgeben wollte, und verursachte eine Ecke (35.). Nach dem Seitenwechsel rettete zwei Mal glänzend im Eins-gegen-eins mit Robben (63./84.) und schuf damit die Basis für den späteren Triumph. SPORT1-Note: 1,5

Sergio Ramos: Der Rechtsverteidiger von Real Madrid machte viel Druck über die Außenbahn. Seinen guten Kopfball (5.) entschärfte Stekelenburg reaktionsschnell, seine flache Hereingabe schlug John Heitinga aus dem Fünfmeterraum (11.). Sah für ein Einschreiten gegen Dirk Kuyt eine überzogene Gelbe Karte (23.). Er hatte später das 1:0 auf dem Kopf, setzte den Ball aber unbedrängt aus fünf Metern über die Latte (79.). SPORT1-Note: 2,5

Gerard Pique: Der hoch aufgeschossene Innenverteidiger hatte mit van Persie nicht die leisesten Probleme, kam aber bei Robbens Antritt (84.) auch nicht mit. Der Barca-Verteidiger hat sicher schon unruhigere Abende erlebt. SPORT1-Note: 2

Carles Puyol: Der Siegtorschütze des Halbfinals gegen Deutschland sah für einen rustikalen Tritt in die Hacken von Robben die Gelbe Karte (16.). Ließ sich in der zweiten Halbzeit von Robben übel abhängen (83.), was aber ohne Folgen blieb. Mit Ausnahme dieser Szene zumeist Herr der Lage. SPORT1-Note: 3

Joan Capdevila: Der Linksverteidiger des FC Villarreal unterband gemeinsam mit Puyol in der ersten Halbzeit sehr gut die Soloaktionen Robbens. Nach einer Kopfballvorlage Puyols verpasste er kurz nach dem Seitenwechsel das 1:0, als er fünf Meter vor dem Tor den Ball nicht traf (48.). Wurde dann für ein Foul an van Persie verwarnt (67.). SPORT1-Note: 3,5

Sergio Busquets: Der 21-Jährige vom FC Barcelona spielte gewohnt unauffällig auf der Sechser-Position. Er hatte großem Anteil daran, dass Wesley Sneijder nicht wie gewohnt zum Zug kam. SPORT1-Note: 2,5

Xabi Alonso: Der Stratege im defensiven Mittelfeld riss zunächst gut das Spiel an sich, wurde dann aber Opfer des wüsten Tritts von de Jong (29.). Davon erholt, setzte er einen Freistoß aus 30 Metern anderthalb Meter neben das Tor (44.). In der zweiten Halbzeit hielten sich seine Akzente in Grenzen. Deshalb wurde er in der 87. Minute gegen Cesc Fabregas ausgetauscht. SPORT1-Note: 3

Xavi: Der beste Spieler der EM 2008 zog wie gewohnt die Bälle an. In der ersten Halbzeit fand er aber keine Lücke für den tödlichen Pass. Setzte dann einen Freistoß ans Außennetz (56.). Xavi wurde zu Beginn der Verlängerung von Heitinga im Strafraum unfair am Schuss gehindert, erhielt aber nicht den fälligen Elfmeter (92.). SPORT1-Note: 3

Andres Iniesta : Der Edeltechniker des FC Barcelona blieb in der regulären Spielzeit ohne zündende Ideen. Revanchierte sich in der Schlussphase für ein Foul bei van Bommel und hatte Glück, dass Schiedsrichter Howard Webb es bei einer Ermahnung beließ (80.). So war er in der Verlängerung noch auf dem Platz und drehte dort mächtig auf. Zunächst bereitete er eine Großchance für Fabregas mit einem genialen Pass in die Gasse vor (95.). Dann provozierte er Heitingas Platzverweis (110.). Schließlich erzielte er den erlösenden Siegtreffer mit einem Schuss in die linke untere Ecke (116.). Die Gelbe Karte für den nicht regelkonformen Jubel konnte er verschmerzen. SPORT1-Note: 1

Pedro: Die Entdeckung des Halbfinals gegen Deutschland startete gut, dribbelte anfangs mit viel Elan auf die niederländische Viererkette zu. Doch mit zunehmender Spieldauer war immer weniger von ihm zu sehen. Er musste seinen Platz nach einer Stunde für Navas räumen. SPORT1-Note: 4

David Villa: Der EM-Torschützenkönig von 2008 war bei Heitinga und Mathijsen in der ersten Hälfte gut aufgehoben. Er wurde nur bei einer Volleyabnahme ans Außennetz gefährlich (12.). Villa musste nach dem Seitenwechsel das 1:0 machen. Doch er brachte den Ball aus drei Metern nicht an Stekelenburg vorbei (69.). Sein sechster Turniertreffer blieb ihm somit verwehrt, denn in der 106. Minute kam Fernando Torres für ihn in die Partie. SPORT1-Note: 3,5

Jesus Navas: Der Sevillaner kam in der 60. Minute für Pedro und brachte sich gleich gut ein. Sein Flankenlauf über rechts hatte die Großchance für Villa zur Folge (69.). Den Konter zum Siegtor leitete er ein. SPORT1-Note: 2

Cesc Fabregas: Der Arsenal-Spielmacher ersetzte in der 87. Minute Xabi Alonso und hatte nach Iniestas genialem Zuspiel die Führung auf dem Fuß. Sein Linksschuss wurde aber von Stekelenburg pariert (95.). Kurz vor Schluss zeigte er seine ganze Klasse beim Zuspiel zum 1:0 von Iniesta (116.). SPORT1-Note: 2

Fernando Torres: Der Angreifer des FC Liverpool übernahm zu Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung von Villa und war am Konter, der zum 1:0 führte, direkt beteiligt. Verletzte sich in der Schlussphase der Verlängerung ohne gegnerische Einwirkung. SPORT1-Note: Ohne Bewertung

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