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Iker Casillas machte im Finale sein 111. Länderspiel © getty

Spanien versinkt nach dem WM-Triumph in Freudentränen. Besonders Siegtorschütze Iniesta kann sich vor Lobeshymnen kaum retten.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Johannesburg - Als Andres Iniesta den Ball in der 116. Minute mit einem Rechtsschuss flach ins gegenüberliegende Tor gedroschen hatte, konnte sich Iker Casillas nicht mehr kontrollieren.

Nachdem der Jubel über Iniestas Treffer, der das WM-Finale zugunsten gegen die Niederlande entschied, verklungen war, kniete Spaniens Kapitän vor seinem Tor, hielt seine Hände vor den Mund und weinte 262177(Die Bilder des Spiels).

Der Torwart weinte so lange, bis Schiedsrichter Howard Webb endlich in seine Pfeife blies und die Partie beendete.

Dann rannte Casillas zu seinen Mitspielern und feierte mit ihnen den historischen Erfolg.

Wenige Minuten später nahm er den WM-Pokal entgegen - als erster Torwart seit Italiens Dino Zoff bei der WM 1982 - und streckte ihn in den kühlen Nachthimmel.

"Campeones! Campeones!" riefen die Spieler und das ganze Land bebte vor Begeisterung.

"Iniesta hebt uns in den Himmel", schrieb "Marca" und berichtete ausführlich über "die Tränen von San Iker".

Casillas als Heiliger gefeiert

Wie schon so oft wurde Casillas als Heiliger gefeiert, weil er Spanien wieder einmal gerettet hatte.

Zweimal bewahrte er seine Mannschaft im Finale gegen den frei auf ihn zulaufenden Arjen Robben vor einem Rückstand. Entschlossen, furchtlos. Ein Held.

Dass er aber auch nur ein Mensch ist, zeigte er durch seine Tränen und im ersten Interview nach dem Spiel.

Kuss vor laufender Kamera

"Ich bin superzufrieden. Wir haben den Titel verdient. Ich danke unseren Fans, die uns so toll unterstützt haben und widme den Erfolg meiner Famile", sagte Casillas.

Dann überkam ihn die Freude, die Tränen kullerten wieder, er schloss die Fragestellerin in seine Arme und küsste sie.

Sie, das war Sara Carbonero, TV-Journalistin des Kanals "Telecinco". Und seine Freundin.

"Sie hatte in den letzten Wochen eine schwere Zeit", meinte Casillas später.

Historischer Erfolg

"Was für ein großartiger Kapitän", meinte der Moderator im Studio anerkennend.

Und was für ein großartiger Erfolg für Spanien. Gleich in ihrem ersten Finale schaffte es Spaniens "Seleccion" als erste europäische Mannschaft den WM-Titel außerhalb des alten Kontinents zu gewinnen.

Und Spanien wiederholte das, was bisher nur Deutschland gelungen war: den WM-Titel als amtierender Europameister zu holen.

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Iniesta kann sein Glück nicht fassen

"Weltmeister! Das ist unglaublich, unfassbar, einfach ohne Worte. Wir werden das jetzt genießen", sagte Siegtorschütze Iniesta, der erwartungsgemäß zum "Man of the match" gewählt wurde.

"Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ich wollte immer Europameister und Weltmeister werden."

Doch so ganz fassen konnten viele den historischen Triumph noch nicht.

"Ich glaube, es ist uns noch gar nicht richtig bewusst , was wir erreicht haben", sagte Casillas stellvertretend für seine Mitspieler, die sich schon am frühen Morgen auf den Heimflug nach Spanien machten.

In der Heimat machten derweil Millionen auf den Straßen und in den Bars die Nacht zum Tag.

Wenn die Mannschaft am Mittag auf dem Madrider Flughafen Barajas landet, wird ihnen ein historischer Empfang gewiss sein.

Del Bosque übertrifft Aragones

"Die größte Freude ist es, so viele Menschen glücklich machen zu können", erklärte Trainer Vicente del Bosque, der stille Vater des spanischen Triumphs.

Del Bosque hatte die "Furia Roja" nach dem EM-Gewinn vor zwei Jahren von Luis Aragones übernommen und seitdem nur zweimal verloren.

Einmal im Halbfinale des Confed-Cups vor einem Jahr gegen die USA, und dann im ersten Gruppenspiel der WM gegen dieSchweiz.

Spanien geht somit auch als erster Weltmeister in die Geschichte ein, der sein Auftaktspiel verlor.

"Die Weltmeisterschaft hat eine der besten Mannschaften aller Zeiten gekrönt", behauptete dennoch die Sporttageszeitung "Marca". "Ein Traum ist wahr geworden", schrieb "El Pais".

Gelbflut wie noch nie

Im Finale rangen die Iberer in der Verlängerung eine niederländische Mannschaft nieder, der ihnen alles abverlangte und dabei die Grenzen des Erlaubten mehrmals überschritt.

Der englische Schiedsrichter Howard Webb verteilte insgesamt zwölf Gelben Karten - so viele wie in bislang keinem Endspiel - der Niederländer John Heitinga sah die Ampelkarte (109.).

Mark van Bommel und Nigel de Jong hatten zudem Glück, dass sie für brutale Fouls in der ersten Halbzeit nicht direkt Rot sahen.

Auch Spaniens Halbfinal-Held Carles Puyol hätte für eine Notbremse gegen Robben vom Platz fliegen können.

Prominente feiern in der Kabine

"Es war ein hart umkämpfter Sieg, aber wir haben fantastische Spieler. Der Sieg war hoch verdient", sagte Del Bosque:

"Für mich ist das ein ganz glücklicher Tag. Ich bin stolz. Diese Mannschaft umgibt eine besondere Ausstrahlung - die bleibt bestehen.""

Auf der Tribüne bejubelte die als eher steif und spröde bekannte spanische Königin Sofia den Erfolg mit hochgerissenen Armen und einem leichten Hüpfer.

Und in der Kabine feierten Kronprinz Felipe, Startenor Placido Domingo und Tennis-Star Rafael Nadal zusammen mit den Spielern.

Wimbledonsieger Nadal konnte seine Gefühle nicht im Zaum halten und gab zu: "Ich habe geweint wie ein Kind."

Er war nicht der einzig Spanier an diesem Abend.

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