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Andres Iniesta erzielte im WM-Finale sein siebtes Tor für Spanien © getty

Andres Iniesta ist nach seinem Siegtor im Finale der WM endgültig im Fußball-Olymp angekommen. Dabei ist er kein üblicher Star.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Johannesburg - Er ist klein wie ein Kind, seine Stimme ist leise wie die eines Souffleurs im Theater, sein Haar kurz und schütter wie das eines 50-Jährigen und seine Haut ist weiß wie die des kleinen Vampirs aus der Zeichentrickserie auf der Suche nach Blut.

Andres Iniesta ist alles andere als ein Superstar des modernen Sports, der Gegenentwurf zum Glamour-Boy Cristiano Ronaldo, und doch hat er seinen Platz unter den Großen des Fußballs.

Mit seinem Siegtor im Finale gegen die Niederlande schoss Iniesta Spanien am Sonntagabend zum ersten WM-Titel und wurde anschließend als bester Akteur des Endspiels ausgezeichnet. 262177(Die Bilder des Spiels)

"Für mich ist ein Traum wahr geworden", sagte der nur 1,70 Meter kleine Mittelfeldspieler des FC Barcelona nach seinem großen Auftritt.

Der Held ehrt toten Freund

"Iniesta hebt uns in den Himmel", jubelte die Sportzeitung "Marca", "Iniesta behält beim Schicksals-Schluss die Nerven", schrieb die italienische Zeitung "Corriere della Sera".

Im Augenblick seines größten Triumphes riss sich Iniesta sein Trikot vom Körper. Zum Vorschein kam nicht der Name seiner Freundin, eines Verwandten oder eines Kindes.

Nein. Iniesta widmete seinen Treffer einem verstorbenen Freund.

"Dani Jarque siempre con nosotros." Dani Jarque ist immer bei uns, stand auf dem T-Shirt, das der 26-Jährige unter seinem Trikot trug. Von Schiedsrichter Howard Webb sah er dafür - den Regeln entsprechend - die Gelbe Karte. Doch das kümmerte ihn nicht.

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Dani Jarque bleibt in Erinnerung

"Ich wollte Dani mit dabei haben. Wir wollten an ihn am heutigen Tag erinnern. Es war die beste Gelegenheit, um dies im WM-Endspiel zu tun", erklärte Iniesta.

Dani Jarque verstarb am 8. August vergangenen Jahres. Der Mannschaftskapitän von Espanyol Barcelona erlag im Trainingslager seines Vereins im italienischen Coverciano einem Herzversagen, als er gerade mit seiner Freundin telefonierte. Er wurde nur 26 Jahre alt.

Sein Tod löste in ganz Spanien tiefe Bestürzung aus, seitdem rufen die Anhänger von Espanyol bei jedem Spiel in der 21. Minute seinen Namen. Die "21" war Jarques Rückennummer. Iniesta und viele andere, die nun Weltmeister sind, kannten ihn aus der U 21.

Eine Bilderbuchkarriere

Iniesta selbst spielte in sämtlichen spanischen Junioren-Auswahlmannschaften, wurde mit der U 16 und U 19 Europameister und erreichte 2003 das Finale der U-20-WM, bei der er ins All-Star-Team gewählt wurde.

Im Alter von zwölf Jahren wurde er von Spähern des FC Barcelona entdeckt. Als er 16 war, sagte der damalige Spieler und heutige Trainer Josep Guardiola zu einem anderen Spieler namens Xavi bereits: "Du wirst mich in Rente schicken, aber dieser Junge verabschiedet irgendwann alle in den Ruhestand."

Xavi ist vier Jahre älter als Iniesta, der im Oktober 2002 unter dem heutigen Bayern-Trainer Louis van Gaal für Barca debütierte. Beide sind das Herzstück in Barcelonas Starensemble und auch in der "Seleccion".

"Symbol für die Kreativitäts des Spiels"

Sein erstes Länderspiel für die A-Nationalmannschaft machte Iniesta am 27. Mai 2006 gegen Russland. Bei der WM in Deutschland kam er nur einmal zum Einsatz, doch bei Spaniens EM-Sieg in Österreich und der Schweiz feierte er 2008 seinen großen Durchbruch.

2009 triumphierte er mit Barca zum zweiten Mal nach 2006 in der Champions League, am Sonntagabend in Johannesburg krönte er seine Karriere mit dem Siegtor.

"Er ist ein sehr talentierter Spieler, der sehr einfach zu führen ist", sagte Nationaltrainer Vicente del Bosque. "Wir waren immer auf ein Ziel fokussiert, dazu gehörte stets Iniesta."

Nicht nur in Spanien und beim FC Barcelona weiß man Iniestas Qualitäten zu schätzen.

"Iniestas Tor war ein Symbol für die Kreativität des spanischen Spiels", lobte die französische Zeitung "Le Figaro" den kleinen Mann mit der hellen Haut.

Und die "Gazzetta dello Sport" aus Italien schrieb: "Der blasse Ritter enttäuscht nie."

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